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Champions League Achtelfinale - Moskau, Madrid, Neapel und Chelsea in der Vorschau


Während Real Madrid mit 50kg Winterkleidung pro Spieler anreist, will Moskau die gute Bilanz gegen spanische Clubs ausbauen. Bei der Begegnung Napoli gegen Chelsea sitzt ein Trainer auf der Tribüne und einer auf dem Schleudersitz, die Favoritenrolle weisen beide weit von sich.

1250kg Winterkleidung soll Real vor Moskaus Kälte schützen. In Neapel stehen zwei Trainer im Mittelpunkt. Der eine sitzt auf der Tribüne, der andere auf dem Schleudersitz. 

Wir wagen eine Vorschau auf das Achtelfinale der Champions League. Dabei nehmen wir die Begegnungen zwischen ZSKA Moskau und Real Madrid sowie dem SSC Neapel und Chelsea unter die Lupe. 

ZSKA Moskau - Real Madrid

In der Gruppenphase spielte ZSKA zweimal Remis und fuhr Siege gegen Trabzonspor und bei dem bereits qualifizierten Team von Inter Mailand ein. Damit erreichte ZSKA den zweiten Platz in der Gruppe B. Herausragender Akteur war Seydou Doumbia, der fünf Tore in fünf Spielen erzielen konnte.

Doumbia war vor der Saison für 10 Millionen Euro von den Young Boys Bern nach Moskau gewechselt. Der Stürmer der Elfenbeinküste spielte neben Vágner Love im Sturm von ZSKA. Auch der Brasilianer konnte mit einem Tor und drei Assists überzeugen. Doch er ging im Januar für zehn Millionen Euro zurück in die Heimat.

Gegner Real Madrid holte in der Gruppe sechs Siege aus sechs Spielen, schoss 19 Tore (3,16 Tore pro Spiel) und kassierte lediglich zwei Gegentore. Die besten Torschützen waren José Callejón und Karim Benzema (jeweils vier Treffer) gefolgt von Cristiano Ronaldo mit drei Treffern. Benzema gab zudem vier Torvorlagen. Mesut Özil erzielte ein Tor und gab eine Vorlage. Sami Khedira gelang ebenfalls ein Treffer in der Gruppenphase.

Die Taktik

Real Madrid spielte meist in einem 4-2-3-1-System, das bei eigenem Ballbesitz gerne auch zu einem 4-3-3 mutiert. Durch Kurzpassstafetten können die Königlichen jeden Gegner an die Wand spielen, was sie in diesem Jahr (sieht man von Barcelona ab) gegen fast jeden Gegner in der Liga und in der Champions League demonstrierten. Vor allem das hohe Tempo der Ballverarbeitung ließ viele Gegner in der Gruppenphase verzweifeln.

ZSKA Moskau spielt im 4-4-2-System. Im offensiven Mittelfeld wirbelt der beidfüßige Alan Dzagoev - meist auf der Außenposition. Der 21-jährige Russe ist hoch talentiert und wird meist von Pavel Mamaev, Alexandrs Cauna und Zoran Tosic im Mittelfeld unterstützt. In der Defensive bilden die erfahrenen Vasili Berezutski und Sergey Ignashevich das Abwehrzentrum.

Das Personal

Pavel Mamaev und Kirill Nababkin sind im Hinspiel gesperrt. Dafür könnten Neuzugang Pontus Wernbloom (AZ Alkmaar) oder der erfahrene Evgeni Aldonin ins Team rutschen. Im Sturm könnte der aus Venlo gekommene Ahmed Musa die Position des abgewanderten Vagner Love übernehmen, auch Tomas Necid ist dafür ein Kandidat. Igor Akinfeev, Keisuke Honda und Mark González fehlen weiterhin verletzungsbedingt.

Bei Real Madrid spielte gegen Racing Santander das Offensivquartett Mesut Özil, Cristiano Ronaldo, Karim Benzema und Kaka. Xabi Alonso glänzte als zweifacher Vorlagengeber, aber auch Angel di Maria ist wieder fit und überzeugte als Einwechselspieler. Sami Khedira spielte nicht von Beginn an, könnte aber in Moskau wieder zur Startformation gehören. Dann müsste allerdings Granero weichen.

Am Rande

Es werden 72.000 Zuschauer im Luzhniki-Stadion erwartet. Dass die Spanier also ein "heißer Tanz“ erwartet, wäre wohl die falsche Wortwahl. Es sind Minus fünf Grad in Moskau vorausgesagt. Für die wärmeverwöhnten Spanier sind das unangenehme Temperaturen. Dementsprechend vorbereitet sind die Mannen von Jose Mourinho. Nach Angaben der spanischen Sportzeitung AS sollen die Königlichen 1250 Kilogramm Winterkleidung mitgebracht haben, was ca. 50 Kilo warme Kleidung für jeden Spieler bedeutet.

Schwere Beine bei eisigen Temperaturen sind also vorprogrammiert. "Ich denke nicht, dass uns die Kälte zusätzliche Probleme bereiten wird. Wir müssen uns mehr Sorgen über die Qualität von ZSKA machen. Wir müssen gut in die Partie kommen, egal wie kalt es möglicherweise ist", so wollte Fábio Coentrão auf der Pressekonferenz der UEFA das Thema Temperaturen nicht überbewerten.

Die Prognose

Moskau hat in der Champions League noch nie gegen einen spanischen Gegner verloren. Fünf ungeschlagene Partien stehen zu Buche. Unter anderem setzte man sich 1992/93 in der zweiten Runde gegen den FC Barcelona durch und vor zwei Jahren im Achtelfinale gegen Sevilla. Die Historie, das Wetter und der Kunstrasen sind die Vorteile von ZSKA. Ein Nachteil ist die fehlende Spielpraxis.

Die russische Premier League nimmt erst Anfang März den Spielbetrieb wieder auf. Der wichtigste Faktor ist und bleibt aber die Qualität des Kaders von Real Madrid und deren bestechende Form. Real ist der haushohe Favorit und wird, auch wenn es im Hinspiel nur ein Remis geben sollte, am Ende locker ins Viertelfinale einziehen.

SSC Neapel – Chelsea

Der SSC Neapel hat in der Bayern-Gruppe A überraschend Manchester City hinter sich gelassen. Dabei half vor allem Edinson Cavani, der in der Champions League mit vier Treffern der beste Torschütze der Süditaliener war. Auch in der Liga ist Cavani mit 15 Toren bester Offensivspieler seines Clubs. Bester Vorlagengeber war in der Gruppenphase Ezequiel Lavezzi mit drei Assists. In der Serie A konnte Napoli zuletzt zwei Spiele in Folge gewinnen, vor eigenem Publikum ist man sogar sechs Spiele hintereinander ungeschlagen.

Der Portugiese Andre Villas-Boas soll einen neuen FC Chelsea schaffen. In der Liga steht er derzeit mit dem Rücken zur Wand. Chelsea ist nur noch Tabellenfünfter. Zuletzt spielte man nur Remis gegen einen Zweitligisten im FA Cup. In der Gruppenphase der Champions League zeigten sich die Londoner ebenfalls wenig souverän, konnten kein Auswärtsspiel gewinnen und hatten Glück, dass Leverkusen in Genk nur remis spielte und so den Gruppensieg verpasste. Bester Torschütze war Didier Drogba mit drei Treffern, bester Vorlagengeber Fernando Torres mit drei Assist.

Die Taktik

Napoli spielt meist in einem 3-4-2-1-System. Dabei wird die Dreierkette bei gegnerischem Ballbesitz oft zur Fünferkette. Bei eigenem Ballbesitz wird das System zum 3-4-3. Schlüsselspieler sind dabei nicht nur die Offensivkräfte Cavani, Lavezzi und Marek Hamsik, auch Paolo Cannavaro, Christian Maggio undGökhan Inler gehören zu den Korsettstangen des Teams von Walter Mazzarri.

Chelsea spielt noch immer das typische 4-3-3-System. Doch einiges hat sich seit dem Abgang von José Mourinho verändert. Mourinho ließ sein Team gerne tief und sehr kompakt stehen. Villas-Boas veränderte als erster Trainer nach Mourinho die defensive Spielweise der Blues. Der 34-jährige Portugiese lässt ein aggressives Pressing spielen und seine Mannschaft ist deutlich aktiver als das Chelsea unter Mourinho. Er lässt die Abwehr relativ hoch stehen und spielt oft auf Abseits.

Das Personal

Bei Napoli fällt Eduardo Vargas verletzt aus. Der Einsatz von Hugo Campagnaro ist fraglich. Bei Chelsea werden Ashley Cole und John Terry vermutlich nicht rechtzeitig fit. Ramires und Jon Obi Mikel sind wieder fit, konnten schon gegen Birmingham wieder mitwirken.

Am Rande

Napoli-Coach Mazzarri ist noch gesperrt und darf seinen Club nicht auf der Trainerbank betreuen. Diesen Job wird Assistent Nicolò Frustalupi übernehmen, der laut Mazzarri "ein herausragender Taktiker" ist. Unterdessen versuchen die Beteiligten, sich gegenseitig den Favoritenstatus zuzuschieben. Mazzarri sagte auf uefa.com: "Wir spielen gegen eine Chelsea-Mannschaft, die über 100 Partien in der UEFA Champions League absolviert hat, deshalb will ich von keinem hören, dass wir die Favoriten sind.“

Von der gegnerischen Seite hieß es: "Ich denke mal, dass kaum jemand an uns glaubt. Morgen werden wir zeigen müssen, dass wir es verdienen, hier zu sein. Morgen müssen wir ein gutes Resultat einfahren. Wir müssen klug agieren und wir werden das umsetzen, was der Trainer von uns verlangt", so Didier Drogba laut uefa.com.

Die Prognose

Villas-Boas steht enorm unter Druck. Auch wenn er immer wieder betont, dass er einen "Drei-Jahres-Plan“ hat, mit dem "die Spielkultur und die Strukturen“ verändert werden sollen. Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, wird er sich der Mechanismen des Geschäfts nicht erwähren können. Gegen die heimstarken Süditaliener wird es im Hinspiel eine Niederlage geben. Aber wie sagte Didier Drogba so schön: "Im Fußball gibt es immer ein weiteres Spiel, in dem man schlechte oder schwierige Momente ausmerzen kann." Im Rückspiel ist dementsprechend alles möglich – wir tippen dennoch auf Napoli.

Michel Massing

sportal.de sportal

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