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Champions-League-Auftakt Ein Sonntagsschuss rettet Dortmund


Borussia Dortmund hat beim 1:1 gegen Arsenal London leidenschaftlich gespielt. Allerdings rettete ein Sonntagsschuss das Remis - die Reife für die Königsklasse fehlt dem Meister noch.
Von Tim Schulze

Borussia Dortmund ist nach acht Jahren zurückgekehrt auf die große Fußball-Bühne namens Champions League - mit viel Leidenschaft und der Erkenntnis, dass es noch ein weiter Weg bis zur absoluten Spitze ist. Der deutsche Meister hat im ersten Spiel der Gruppenphase zu Hause gegen Arsenal London ein 1:1 erreicht. In einem temporeichen Spiel gelang erst in der 88. Minute der verdiente Ausgleich durch einen Sonntagsschuss des eingewechselten Ivan Perisic. Arsenal war kurz vor dem Pausenpfiff durch Robin van Persie in Führung gegangen, nachdem Sebastian Kehl ein katastrophaler Fehlpass unterlaufen war.

Dortmund zeigte in den ersten 45. Minuten das druckvolle und kombinationssichere Spiel, das die Mannschaft in der vergangenen Saison so stark gemacht hat. Von der ersten Sekunde war das Team von Jürgen Klopp, der sich den Champions-League-Regeln gemäß im feinen, grauen Zwirn präsentierte, konzentriert und selbstbewusst. Bis auf eine kleine Unsicherheit in diesen Anfangsminuten stand die Defensive sicher. Die schwarz-gelbe Offensivmaschine kam schnell ins Rollen – und wie: Drei Großchancen spielten die Dortmunder heraus, während die Abwehr der Engländer mit Per Mertesacker von einer Verlegenheit in die nächste taumelte. Aber Großkreutz, Kagawa und Lewandowski scheiterten. Die Abschlussschwäche der unerfahrenen Mannschaft war das große Manko. Die Gastgeber verpassten es, in dieser Phase einen entscheidenden Wirkungstreffer gegen einen höchstens mittelmäßigen Gegner zu setzen.

Alles hängt an Götze


Es war vor allem Mario Götze zu verdanken, dass die zuletzt vermisste Kreativität ins Dortmunder Spiel zurückkehrte. Der 19-Jährige spielte in dieser Hochphase ganz groß auf, über ihn und Shinji Kagawa liefen alle Angriffe, mit seinen Dribbling und präzisen Pässen stürzte Götze die Abwehr des Gegners von einer Verlegenheit in die andere. In der Defensive ließ Dortmund nichts zu. Die beiden Innenverteidiger Mats Hummels und Neven Subotic spielten eine herausragende Partie. Spieler wie Kevin Großkreutz zeigten allerdings, warum Dortmund in der Liga im Moment hinterhinkt und noch nicht die Form der Meistersaison hat.

Nach 20 Minuten verlor die wuchtige Angriffswelle an Schwung, auch weil sich Arsenal jetzt ein wenig fing. Die Partie fand jetzt hauptsächlich im Mittelfeld ab, bevor Arsenal-Angreifer Robin van Persie nach über 30 Minuten die erste nennenswerte für die Gäste hatte. Die Dortmunder mühten sich weiter und dann geschah das, was in der Champions League auf diesem Niveau nicht passieren darf. Sebastian Kehl, der bis dahin solide agiert hatte, spielte in der eigenen Hälfte einen unpräzisen Querpass. Van Persie grätschte in den Ball, startete durch, bekam das Anspiel von Theo Walcott und versenkte den Ball kaltschnäuzig im Dortmunder Tor. Der Spielverlauf war auf den Kopf gestellt. Arsenal, das an diesem Abend kein furchteinflößender Gegner war, lag plötzlich in Führung. So brutal kann Fußball sein.

Dortmund beweist Herz


Aber noch waren 45 Minuten Zeit. Arsenal wollte den knappen Vorsprung über die Zeit bringen und verlegte sich mit wenig Erfolg auf Konter. Die Dortmunder spielten unermüdlich weiter, aber zwingende Torchancen kamen dabei nicht heraus. Die Aktionen waren zu hektisch und die Fehlerquote zu hoch. Am Strafraum der Engländer war regelmäßig Schluss, auch Götze rannte sich immer wieder fest. In dieser Phase fehlte dem deutschen Meister die Cleverness und die Ruhe, eine erfahrende Mannnschaft wie Arsenal zu knacken.

Doch die Dortmunder bewiesen Herz. In der 81. Minute vergab Subotic die große Chance zum Ausgleich, als sein Schuss aus nächster Nähe von Keeper Wojciech Szczesny festgehalten wurde. Sieben Minuten später geschah dann das kleine Wunder, an das im Stadion außer Jürgen Klopp niemand mehr glaubt hatte. Nach einer Ecke nahm der eingewechselte Ivan Perisic den Ball aus 18 Metern volley und traf direkt in den Winkel. Der Sonntagsschuss war die Belohnung für das aufopfernde Spiel des Gastgebers, der sich niemals aufgab. Der gewonnene Punkt war mehr als verdient, aber gegen stärkere Mannschaften wird es schwer. Da reicht ein brillanter Mario Götze nicht.


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