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Champions League: Bayern schrauben Lissabon auseinander

Durch einen souveränen 5:0-Erfolg im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Sporting Lissabon haben die Bayern ihre sportliche Krise vorerst entschärft. Die Mannschaft von Jürgen Klinsmann spielte nicht überragend - aber sie nutzte jeden Fehler des Gegners eiskalt aus.

Von Klaus Bellstedt

Jürgen Klinsmann schickte im Estádio José Alvalade zu Lissabon seine nominell beste Mannschaft aufs Feld. Franz Beckenbauer sprach vor dem Anpfiff gegenüber Premiere von der "1A-Mannschaft". Der Trainer schenkte also auch Martin Demichelis sowie Bastian Schweinsteiger sein Vertrauen, jene beiden Spieler, die bei der 1:2-Niederlage gegen Köln in der Liga noch so enttäuscht hatten.

Die Bayern begannen bei frühlingshaften Temperaturen in der portugiesischen Hauptstadt passiv - nach den Misserfolgen der letzten Wochen merkte man dem FCB die Verunsicherung an. Hinzu kamen in der Anfangsphase auch immer wieder individuelle Fehler, wie der von Lucio in der 12. Minute, als der Brasilianer ohne Not ein Kabinettstückchen versuchte - und damit Sporting einen Eckball schenkte. Und der hatte es dann in sich. Von rechts kam der Ball scharf vor das Tor, der aufgerückte Izmailov zog ab, aber Philipp Lahm konnte das Leder gerade noch von der Linie kratzen.

Wackelige Innenverteidigung

Nach einer Viertelstunde legte sich die Nervosität des deutschen Rekordmeisters. Immer wieder waren es die beiden Mittelfeldspieler Ze Roberto und Ribery, die versuchten, Ordnung in das eigene Spiel zu bringen. Echte Torchancen sprangen für die Bayern allerdings noch nicht heraus. Das Angriffsduo Toni/Klose deutete in leisen Ansätzen aber sehr wohl Gefährlichkeit an.

Immer wenn sich die Mannschaft von Jürgen Klinsmann in des Gegners Hälfte die Bälle zuschob, sah das ganz ansehnlich aus. Was vorne passabel war, war hinten umso unschöner. Die Defensive um die beiden Innenverteidiger Demichelis und Lucio wirkte wackelig, fast jede Flanke von den Außenpositionen sorgte für Gefahr im Bayern-Strafraum.

Ribery narrt portugiesische Defensive

Fast zwangläufig erarbeiteten sich die Hausherren nun gute Gelegenheiten. In der 35. Minute verfehlte Sportings Kapitän und Mittelfeldmotor Moutinho nach erneut schlampigem Abwehrverhalten mit einem Drehschuss aus kurzer Distanz nur knapp das Bayern-Gehäuse. Umso überraschender, dass vier Minute vor der Pause dann die schmeichelhafte Führung für die Gäste fiel.

Nach einem Fehlpass von Derlei schnappte sich Ribery kurz nach der Mittellinie die Kugel und ging auf und davon. Zwei Abwehrspieler von Sporting bereiteten dem kleinen Franzosen nur wenig Probleme und auch Torwart Tiago stellte sich beim Schuss von Ribery nicht sonderlich geschickt an - das Leder sauste durch seine Beine zum 1:0 für den FC Bayern ins Netz. Mit dieser glücklichen Führung für die Mannschaft von Trainer Jürgen Klinsmann wurden die Seiten gewechselt.

Lahm holt Strafstoß heraus

In unveränderter Formation betraten die Bayern nach dem Pausentee den Rasen - und setzten mit zahlreichen kleineren Fouls (van Bommel, Ribery, Klose) erstmal Akzente. Sporting Lissabon ließ sich von der Härte zunächst nur wenig beeindrucken. Die Portugiesen drückten nach Wiederanpfiff sofort aufs Tempo und versuchten eine Art Powerplay aufzuziehen. Just in dieser Phase des Spiels schlugen die Gäste erneut zu und kamen durch ein stark abseitsverdächtiges Tor von Miroslav Klose (nach Kopfball-Verlängerung von Luca Toni) zum überraschenden 2:0 (57.)

Und es wurde für die Bayern noch schöner: Nur sechs Minuten nach dem 2:0 durch Klose langte Lissabons Rochembak im eigenen 16-Meter-Raum derart ungestüm gegen Philipp Lahm hin, dass der Schiedsrichter auf den Elfmeterpunkt zeigen musste. Leicht und locker verwandelte Ribery den Strafstoß ins rechte untere Eck (63.).

Toni macht den Sack zu

Danach war der Widerstand der Hausherren, die gar nicht so schlecht spielten, aber urplötzlich mit 0:3 hinten lagen, verständlicherweise gebrochen. Jürgen Klinsmann nutzte die beruhigende Führung, um seinen Ersatzspielern Spielpraxis zu verschaffen - und den Arrivierten Erholung zu gönnen. Lell, Altintop und Van Buyten kamen Mitte der zweiten Hälfte für Oddo, Schweinsteiger und Lucio. Der Spielfluss ging dadurch zwar verloren, aber wen störte das noch groß? Mit höchst überschaubarem Engagement spulten die Bayern ihr Pensum souverän herunter - und kamen durch einen Kopfball von Luca Toni nach schöner Vorarbeit von Ribery in der 84. Minute trotzdem noch zu ihrem vierten Treffer. Das sollte nicht das letzte Tor für die Bayern sein. Kurz vor Schluss gab es erneut eine Koproduktion von Ribery und Toni, die der Italiener sogar noch mit seinem zweiten Treffer an diesem Abend abschloss (90+1).

Am Ende blieb es im Estádio José Alvalade beim 5:0-Erfolg für die Gäste aus München. Ein Sieg, der nüchtern betrachtet um ein bis drei Tore zu hoch ausfiel. Nach diesem deutlichen Hinspielergebnis steht den zuletzt so gebeutelten Bayern das Tor zum Erreichen das Viertelfinales in der Champions-League jetzt mehr als offen. Und einzig und allein darum geht es. Ob der Sieg bei Sporting Lissabon allerdings der erhoffte Schritt aus der Krise war, wird sich erst in den nächsten Spielen zeigen. Auch weil der Widerstand der Portugiesen in dieser Partie nicht groß genug war.

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