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Champions League: Schwerstarbeit fürs Unentschieden

Die Schotten von Celtic Glasgow geizten vor heimischen Zuschauern vor allem mit einem nicht: mit Spieltempo. Und so war das Unentschieden für die Recken des FC Bayern München ein schweres Stück Arbeit.

Im Hexenkessel von Glasgow hat der FC Bayern München die Chance auf den Verbleib in der Champions League gewahrt und kann sogar aus eigener Kraft das Achtelfinale schaffen. Zwar rutschte der deutsche Rekordmeister am Dienstag durch das 0:0 bei Celtic Glasgow auf den letzten Tabellenplatz in der Gruppe A. Doch mit einem Heimsieg im letzten Gruppenspiel am 10. Dezember gegen den RSC Anderlecht würde sich die Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld eine Vorrunden-Blamage wie im Vorjahr ersparen.

An einem stimmungsvollen Fußball-Abend verdiente sich der FC Bayern in einem temporeichen und kampfbetonten Spiel das Unentschieden, weil er im Gegensatz zu den Vorwochen Leidenschaft und mannschaftliche Geschlossenheit demonstrierte und im offenen Schlagabtausch nicht einknickte. Allerdings gelang es nicht, die seit über zwei Jahren bestehende Serie der Schotten von nunmehr 64 Heimspielen ohne Niederlage zu knacken.

Celtic mit Schwindel erregendem Tempo

Schnell wurde deutlich, warum Celtic so heimstark ist: Unaufhörlich angepeitscht von den 60.500 frenetisch mitgehenden Zuschauern entwickelten die Gastgeber einen gewaltigen Druck, berannte in einem schier unglaublichen Tempo das Bayern-Tor. Bereits in der 2. Minute brannte es erstmals licherloh im Münchner Strafraum, als ein Kopfball des Schweden Henrik Larsson knapp am Tor vorbeistrich.

Der FC Bayern verrichtete danach aber die Schwerstarbeit in der Abwehr besser als zuletzt seine Aufgaben in der Bundesliga. Allerdings gelang es der Elf von Trainer Ottmar Hitzfeld nur selten, konstruktiv für Entlastung zu sorgen.

Über die Mittellinie sollst du gehen

Stattdessen verlor der Bundesliga-Vierte die Bälle gegen die früh störenden Gastgeber meist noch vor der Mittellinie. Auch Michael Ballack brachte keine Ordnung in die eigenen Reihen und begnügte sich mit der Rolle des Mitläufers. Auf den Flügeln gelang es weder Owen Hargreaves (rechts) noch Hasan Salihamidzic (links), sich durchzusetzen und den Ball zu behaupten.

Dennoch bot sich den Bayern in der 41. Minute die große Chance zur Führung, als Roy Makaay seinen Sturmpartner Roque Santa Cruz glänzend in Szene setzte, der Paraguayer aber den Ball nicht am schwedischen Torhüter Magnus Hedman vorbeibrachte.

Kahn als Turm in der Schlacht

Ansonsten aber war Celtic dem Führungstreffer über weite Strecken weit näher. Der kopfballstarke John Hartson stellte seinen Bewacher Robert Kovac vor große Probleme, und auch der Schwede Larsson beschäftigte Sammy Kuffour mehr als ihm lieb war. Als Turm in der Schlacht erwies sich jedoch Oliver Kahn. Der Nationaltorhüter verhinderte bei zwei gefährlichen Larsson-Schüssen (13. und 15.) den frühen Rückstand und rettete später mehrfach im Luftkampf das torlose Remis in die Halbzeitpause.

Nur Schadensbegrenzung, trotzdem Gruppenletzter

In der zweiten Halbzeit gerieten Kahn & Co. nicht mehr so sehr in die Bredouille, weil die Schotten erwartungsgemäß dem hohen Tempo Tribut zollen mussten. Doch auch unter diesen Umständen gelang dem FC Bayern lediglich die Schadensbegrenzung, nicht aber der entscheidende Gegenstoß. Die Möglichkeit dazu bot sich Ballack in der 74. Minute, doch er verzog in aussichtsreicher Position.

Der RSC Anderlecht hat das Rennen in der Bayern-Gruppe A offen gehalten. Mit einem 1:0-Sieg über Olympique Lyon gab der belgische Vizemeister die Rote Laterne in der Gruppe A an den FC Bayern München ab. Der Finne Hannu Tihinen erzielte in der 71. Minute das Tor, dass alles wieder spannend macht. Die Entscheidung fällt nun am letzten Spieltag am 10. Dezember, wenn Anderlecht in München und Glasgow in Lyon antreten müssen.

Arsenal London Highlight der Gruppe B

Der Paukenschlag des Tages gelang Jens Lehmann mit Arsenal London. Der englische Club bestand die "Mutprobe von Mailand" mit Bravour und demütigte den zweimaligen Europacup-Sieger Inter in dessen eigenem Stadion mit 5:1. Das Starensemble von der britischen Insel bleibt damit in der Gruppe B im Rennen um die Achtelfinal-Teilnahme.

Arsenal präsentierte sich von Beginn an selbstbewusst und erwischte einen Auftakt nach Maß. Der französische Nationalstürmer Thierry Henry (25.) brachte die Gäste mit einem schön herausgespielten Treffer in Front. In der 33. Minute war zwar Lehmann machtlos, als Verteidiger Sol Campbell einen Schuss von Torjäger Christian Vieri (33.) abfälschte. Doch dann übernahmen seine Vorderleute wieder das Geschehen. Frederik Ljungberg (49.) brachte die Gäste in Front, in der Schlussphase zerlegten erneut Henry (85.), Edu (88.) und Robert Pires (89.) Inter nach allen Regeln der Fußball-Kunst.

Durch den gut zwei Stunden früheren Spielbeginn hatte zuvor Lokomotive Moskau mit einem 3:2 (2:1) gegen Dynamo Kiew die Tabellenführung übernommen. Den für Moskau eminent wichtigen Sieg stellte Costa Ricas 22 Jahre alter Nationalstürmer Winston Parks (89.) mit seinem viel umjubelten Treffer kurz vor dem Ende sicher. In einer Spannung geladenen Partie hatten die Gäste aus Kiew zuvor zwei Mal einen Rückstand wettgemacht.

<Keine Spannung mehr in Gruppe C

Die Gruppe C blickt hingegen einem letzten Spieltag ohne Dramatik entgegen. Deportivo La Coruna mit einem souveränen 3:0 (1:0) gegen ein zu harmloses AEK Athen steht ebenso sicher im Achtelfinale wie der französische Erstligist AS Monaco, der sich 1:1 (1:0) vom PSV Eindhoven trennte.

Andrea Wimmer / DPA

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