HOME

Champions League: Vorhang auf für die Königsklasse

Sind die Bayern, Schalke und Werder bereit für ihren ersten Champions-League-Auftritt? stern.de hat den Formcheck gemacht.

Von Klaus Bellstedt

Am Dienstag startet die Champions League in ihre neue Saison. Und die Bundesliga ist mit gleich drei Teams in der europäischen Königsklasse vertreten. stern.de hat die aktuelle Form der deutschen Starter Bayern München, Schalke 04 und Werder Bremen so kurz vor Beginn der Fußballfestwochen unter die Lupe genommen.

Bayern München

Saisonübergreifend hat der Rekordmeister nach dem 2:1-Auswärtserfolg im bayerischen Derby beim 1. FC Nürnberg jetzt 13 Mal hintereinander den Platz als Sieger verlassen und damit die eigene Bundesliga-Bestmarke aus dem Jahr 1981 eingestellt. So weit, so gut. Zu Begeisterungsstürmen beim objektiven Publikum haben die gezeigten Leistungen der Bayern in dieser noch jungen Saison freilich noch nicht geführt. Wie schon bei den beiden 3:0-Heimerfolgen gegen Mönchengladbach und Berlin brillierte die Mannschaft von Cheftrainer Felix Magath auch im Derby nicht. Gegen aggressive Franken brauchte der teilweise pomadig auftretende FCB lange, um ins Spiel zu kommen. Besonders in der ersten Hälfte wurde deutlich, dass die einzelnen Mannschaftsteile nicht ineinander greifen und das Team - im Gegensatz zur letzten Saison - auch deshalb noch keine homogene Einheit darstellt.

Bezeichnend, dass die individuelle Klasse eines Michael Ballack (er markierte per Kopf den 2:1-Siegtreffer) die Begegnung dann doch zugunsten der Bayern entschied. Auf Michael Ballack kann sich Felix Magath also verlassen, die Verfassung eines weiteren Leistungsträgers bereitet dem Coach vor dem "Alpenhit" der Champions League am Mittwoch (20.45 Uhr/PREMIERE) bei Rapid Wien aber Kopfzerbrechen. Die fußballerische Auffassungsgabe seines Kapitäns Oliver Kahn ließ gegen Nürnberg zu wünschen übrig - um es vorsichtig zu formulieren. Sein unmotivierter "Hampelmann-Ausflug" blieb noch folgenlos, kurze Zeit später aber ließ Kahn einen harmlosen Freistoß durch die Hosenträger ins Netz passieren. Die Höchststrafe für jeden Fußballer. Zwei Szenen, die der ob der Torwart-Posse in der Nationalmannschaft ohnehin schon strapazierten Psyche des Oliver Kahn nicht unbedingt gut getan haben dürften.

Eines steht fest: Wenn die Bayern in Wien gewinnen wollen, müssen sie eine bessere Leistung als am Samstag gegen den 1. FC Nürnberg bieten. Auf internationalem Parkett wird es gegen kampfstarke Rapidler nicht reichen, sich auf seine individuelle Stärke zu verlassen. Personell gibt’s keinerlei Probleme. Roy Makaay und Martin Demichelis, die beide zuletzt fehlten, sind wieder einsatzbereit.

Schalke 04

Die "Knappen" sind im Verhältnis zu ihrem gesteigerten Anspruchsdenken durchwachsen in die neue Saison gestartet. Auf zwei Siege zum Auftakt folgten zwei Remis. Zuletzt spielte man 1:1-Unentscheiden bei Bayer Leverkusen. Zu wenig für den selbsternannten Titelkandidaten, der als Tabellen-Vierter schon vier Zähler Rückstand auf die führenden Bayern aufweist. Gegen Leverkusen lieferte das Team über weite Strecken eine überzeugende Vorstellung ab, was auch am Comeback von Spielmacher Lincoln lag, der seine Rotsperre aus dem Ligapokal abgesessen hat. Einerseits macht diese Tatsache Mut für den Auftritt der Schalker am Dienstagabend (20.45 Uhr /PREMIERE) im ersten Champions-League-Spiel beim holländischen Meister PSV Eindhoven. Andererseits wurde zum wiederholten Mal deutlich, wie sehr die Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick von ihrem brasilianischen Spielmacher abhängig ist.

In keinem der bisher absolvierten Bundesligaspiele vermochten die Westdeutschen restlos überzeugen, und so tritt der Vizemeister die Reise ins grenznahe Eindhoven mit einer gehörigen Portion Unsicherheit im Gepäck an. Auch bei Coach Rangnick ist davon gut 24 Stunden vor dem Champions-League-Auftritt etwas zu spüren: "Wir wissen, dass wir uns steigern müssen, der Rhythmus ist noch nicht da." Ausgerechnet in dieser Situation erreichte den Coach am Montag die Hiobsbotschaft, dass Stürmer Gerald Asamoah mit einer Knieverletzung mehrere Wochen ausfallen wird. Auch hinter dem Einsatz von Ebbe Sand (Muskelschmerzen) steht ein Fragezeichen.

Schalke braucht gegen die heimstarken Holländer ganz sicher eine Energieleistung, um im Philipps-Stadion zu bestehen. Noch weiß man nicht, wo das Team steht und zu was es im Stande zu leisten ist.

Welches deutsche Team kommt in der Champions League am weitesten?

Werder Bremen

Werder präsentiert sich derzeit in bestechender Verfassung. Beim 5:1-Erfolg in Kaiserslautern spielte die Mannschaft von Thomas Schaaf phasenweise wie aus einem Guss, wobei sich die Offensive um Regisseur Micoud, die beiden nimmermüden Antreiber Borowski und Frings sowie den K&K-Sturm (Klasnic, Klose) Bestnoten verdiente. Das Kombinationsspiel der Grün-Weißen erinnert schon fast wieder an das aus der Meistersaison 2003/2004. Auch die Abwehr um das neu formierte Innenverteidiger-Duo Pasanen/Naldo harmoniert immer besser. In vier Partien kassierten die Bremer lediglich vier Gegentreffer.

Trainer Thomas Schaaf sieht das gerne, wird es doch gegen das Starensemble vom FC Barcelona, gegen das der Ex-Meister am Mittwoch (20.45 Uhr/SAT1 und PREMIERE) Heimrecht genießt, besonders auf die Defensive ankommen. Schließlich ist Barcas Super-Offensive um den Brasilianer Ronaldinho immer für ein Tor gut. Getrübt wird die gute Stimmung im Bremer-Lager lediglich aufgrund des Ausfalls von Nationalstürmer Miro Klose, der wegen einer Sperre aus der QL-Qualifikation nur zuschauen darf. Nelson Valdez wird seinen Platz im Sturm neben Ivan Klasnic einnehmen.

Von allen drei deutschen Teams verfügt Werder über die beste Form. Mit dem FC Barcelona haben die Norddeutschen aber auch den mit Abstand stärksten Gegner vor der Brust. Bestätigen die Bremer ihre zuletzt gezeigten Leistungen, dann ist man gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner nicht chancenlos.

Wissenscommunity