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Confederations Cup: Das Kribbeln geht los

Kurz vor dem Start in den Confederations Cup gegen Australien stehen Bundestrainer Jürgen Klinsmann und sein 23-köpfiger Kader unter Strom. Kein Wunder: Für den Trainer-Neuling und viele junge Spieler ist die Mini-WM ein richtiger Härtetest.

Nach außen hin versprühten der Chefcoach und sein Teammanager Oliver Bierhoff den gewohnten Optimismus: Die deutsche Mannschaft sei nach der zweiwöchigen Vorbereitung mit zwei Länderspielen gegen Nordirland und Russland in einer "Top-Verfassung", und freue sich auf den Vergleich mit den internationalen Spitzenteams. Schon in der Vorrunde des Confederations Cup warten "dicke Brocken" wie Argentinien auf die deutsche Nationalelf. Für den 40-jährigen Klinsmann ist die Generalprobe der WM 2006 die erste wirklich harte Prüfung seit seinem Amtsantritt im Spätsommer 2004. Neben Argentinien stehen Weltmeister Brasilien und Europameister Griechenland auf der Liste der großen Gegner, auf beide kann Deutschland allerdings frühestens im Halbfinale treffen.

<Eine Frage des Prestiges

Als Minimalziel nannte Bierhoff das Erreichen des Halbfinales in dem Acht-Nationen-Turnier. Klinsmann hatte zuletzt hingegen mehrmals gesagt, er wolle das Turnier gewinnen. Er legte sich nicht konkret fest, sondern sagte nur: "Es steht sehr, sehr viel Prestige auf dem Spiel."

Dem Duo Klinsmann und Bierhoff schwant inzwischen, welches Risiko ein frühes Ausscheiden für ihre Arbeit mit dem Fernziel Weltmeisterschaft 2006 birgt. Die zuletzt so zuversichtliche Aufbruchstimmung rund um das DFB-Team könnte kippen, räumte Bierhoff ein. "Wenn wir nicht das Halbfinale erreichen, wird schon eine große Enttäuschung auftreten und sicherlich auch Kritik kommen." Möglichen Anwürfen versuchte Bierhoff vorzubauen und warnte vor Schwarz-Weiß-Malerei: "Es ist ja nicht alles ganz schlecht, wenn wir mal verlieren sollten."

Murren über Abwehrfehler

Vernehmliches Murren hatte zuletzt bereits nach dem Unentschieden gegen Russland eingesetzt, bei dem das Team in der 90. Minute ein unnötiges Kontertor kassiert hatte. Danach war die Abwehrleistung an den Pranger gestellt worden - ähnlich wie schon beim 2:2 im Februar gegen Argentinien: In Düsseldorf hatte das Team ebenfalls kurz vor Schluss den verdienten Sieg aus der Hand gegeben.

Der 28-jährige Noch-Bayer Torsten Frings, der als Mittelfeldstratege direkt vor der Abwehr die Fäden zieht, sagte, daraus müsse das gesamte Team lernen, "das Spiel clever runter zu spielen, wenn wir in Führung liegen". Es müssten "dann nicht mehr alle nach vorne laufen". Die teils harsche Kritik an der Abwehr um die jungen Profis Per Mertesacker, Thomas Hitzlsperger und Andreas Hinkel nannte Frings aber übertrieben. "Die Russen hatten nur zwei Konterchancen, aus denen sie eben auch zwei Tore gemacht haben."

Klinsmann betonte ebenfalls, die Vierer-Abwehrkette sei keineswegs das Sorgenkind des Trainerstabs. "Sie passt zu unserem Spielsystem, daran halten wir fest." Aus Fehlern wie dem 2:2-Konter-Tor der Russen "wollen wir lernen", sagte er. So müsse die Abwehrarbeit bereits im Sturm und im Mittelfeld beginnen. "Das ist ein Punkt, wo wir uns als gesamte Mannschaft verbessern können."

Das große Schweigen zu „Down Under“

Bei der zweiwöchigen Mini-WM trifft Deutschland in der Vorrunde in Frankfurt zunächst auf Ozeanienmeister Australien, dann auf Olympiasieger Argentinien und schließlich auf Afrikameister Tunesien. Obwohl Klinsmann ständig betonte, wie ernst das Team alle acht Teilnehmer nehme, verlor er während der live im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz kein Wort über den ersten Gegner, das Team aus "Down Under".

Doch Pressechef Harald Stenger versuchte schnell, den Anschein von Überheblichkeit zu zerstreuen. Klinsmann und seine Trainerassistenten hätten bereits mehrere Videos mit Spielen der Australier studiert, sagte er. Zudem sei es "ganz normal", dass die Mannschaft erst einen Tag vor dem Spiel mit den Besonderheiten des jeweils nächsten Gegners vertraut gemacht werde.

Torsten Holtz/AP / AP

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