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Confederations Cup: Vorne hui, hinten pfui

Der Confederations Cup ist der Pokal der Kontinente. Während Asien und Australien überraschen und Europa zurück zu alter Stärke findet, steht der Turniersieger bereits vor dem Finale fest: Die Südamerikaner - allerdings nicht wegen ihrer Verteidigung.

"Wir wollten sie unbedingt packen", sagte Nationaltrainer Jürgen Klinsmann mit einem Hauch von Wehmut nach der 2:3-Niederlage im Halbfinale gegen Brasilien. "Aber das müssen wir schlucken." Immerhin ist die deutsche Nationalelf ein knappes Jahr vor ihrem WM-Eröffnungsspiel am 9. Juni in München bereits sehr viel weiter als noch im vergangenen Jahr. Beeindruckend waren Energie und Geistesgegenwart, mit der sich das junge Team in der ersten Halbzeit nach den beiden Gegentoren wieder aufrappelte und zum Ausgleich kam.

Erfrischung mit energischer Offensive

"Vielleicht haben uns am Ende ein bisschen die Kräfte gefehlt", sagte Torjäger Lukas Podolski. Die von robustem Körpereinsatz geprägte Spielanlage hat zwei Risiken: Zum einen kann man in der zweiten Halbzeit konditionelle Probleme bekommen, wie etwa das Spiel der Griechen gegen Mexiko (0:0) gezeigt hat. Zum anderen ist die Abwehr anfälliger: Wenn man sich hier zu sehr an den Gepflogenheiten der englischen Premier League orientiert, erhöht sich das Freistoß- und Elfmeterrisiko - die Folge waren bei den Deutschen zwei Gegentore im Spiel gegen Brasilien (2:3) sowie jeweils ein Gegentor in den Begegnungen mit Australien (4:3) und Argentinien (2:2).

Immerhin erfrischte die deutsche Elf ihr Publikum auch mit energischem Offensiv-Fußball, was man von Europameister Griechenland mit null Toren in drei Spielen nicht gerade sagen kann. Bei der WM wird Fußball-Europa hier im nächsten Jahr mehr zu bieten haben. Mit aussichtsreichen Kandidaten wie den Niederlanden, Tschechien, England, Schweden, Italien, Ukraine, Polen, Kroatien, Spanien oder Portugal steigen die Chancen, den Kontinent des Fußballursprungs wieder ganz nach oben zu führen.

Die Meister unter sich

In der Südamerika-Gruppe wächst der Frust von Weltmeister Brasilien über den erfolgreichen Herausforderer Argentinien. Anstatt mit großen Namen zu glänzen, setzen die Weiß-Blauen unter Trainer Jose Nestor Pekermann auf mannschaftliche Geschlossenheit, geleitet von Regisseur Juan Roman Riquelme, der mit drei Treffern in den ersten drei Spielen seine Torgefährlichkeit unterstrich. Hingegen fördert die Konkurrenz der Stars bei den Brasilianern die Launenhaftigkeit des Teams, das gegen Mexiko (0:1) und Japan (2:2) nicht zuletzt wegen Schwächen in der Abwehr erstaunlich ineffizient blieb. Nur eine solide Abwehrleistung kann Brasilien im Confederations-Cup-Finale das heiß ersehnte Erfolgserlebnis gegen den Rivalen bringen.

Eine der schwächsten Fifa-Konföderationen ist Nord- und Mittelamerika, wo Mexiko allenfalls in den USA noch einen gleichwertigen Gegner antrifft. Umso glücklicher war die nach den drei Landesfarben Grün, Weiß und Rot benannte "Tri" über den Confederations Cup. Das von Ricardo Antonio Lavolpe trainierte Team konnte seiner Stellung als Geheimfavorit gerecht werden, indem es technisches Können mit druckvollem Spiel verband. Die Niederlage im Halbfinale gegen Argentinien ereilte Mexiko denn auch höchst unglücklich erst in der sechsten Runde des Elfmeterschießens. Bleibt für das Team nun noch das Doping-Problem zu lösen.

Das große Aha-Erlebnis

Zu den besonderen Aha-Erlebnissen des Turniers zählten Australien und Japan. Was dem Asienmeister an körperlicher Kraft fehlt, gleicht er durch eine unglaubliche Laufbereitschaft wieder aus. In der Form des Confederations Cups sind die Japaner durchaus wieder ein Kandidat zumindest fürs WM-Achtelfinale. Für die in Grün und Gold auftretenden „Aussies“ um Trainer Frank Farina war der überzeugende Auftritt beim Confederations Cup eine wichtige Motivation auf dem hindernisreichen Weg zur WM 2006: Australien muss im September noch zwei Mal gegen die Solomonen-Inseln antreten. Der Sieger der Ozeanien-Gruppe fährt aber nur dann zur WM, wenn er sich in Hin- und Rückspiel gegen den Fünften der Südamerika-Gruppe behaupten kann.

Für Afrika gilt ähnlich wie für Europa die Einschätzung, dass der amtierende Kontinentalmeister nicht unbedingt die stärkste Mannschaft der jeweiligen Fifa-Konföderation vertreten hat. Zwar schlug sich Tunesien in allen drei Spielen durchaus achtbar, ließ aber den Glanz vermissen, der zuletzt von Nigeria oder Kamerun ausgegangen ist. Die fünf zur WM 2006 anreisenden Mannschaften aus Afrika werden zusätzlich motiviert sein, weil die danach folgende Weltmeisterschaft erstmals auf ihrem Kontinent ausgetragen wird - nämlich in Südafrika im Jahr 2010.

Peter Zschunke/AP / AP

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