DFB-Pokal Erbarmen, die Bayern kommen


Das nennt man Kampfansage. Bayern München hat im DFB-Pokal den VFB Stuttgart demontiert und allen gezeigt: Mit uns ist zu rechnen – in allen Wettbewerben. Ribéry & Co. jubelten, die Stuttgarter wirkten ohnmächtig. Besonders drei schwäbische Protagonisten hatten wohl eine unruhige Nacht.
Von Jens Fischer, Stuttgart

Gerade einmal zwei Minuten dauerte es, bis in der Stuttgarter "Mercedes-Benz-Arena" die Volksseele kochte. Ein harmloser Schubser im Mittelkreis, Bastian Schweinsteiger fiel und die Fans hingen an den Zäunen. Kurz darauf stürzte Ribéry, Schiedsrichter Herbert Fandel pfiff für die Bayern und hatte das Stadion gegen sich. Schnell wurde klar: Das emotionsgeladene "Vorspiel" zum DFB-Pokal-Klassiker zwischen dem VfB Stuttgart und Bayern München am Ende der Bundesliga-Vorrunde hatte Spuren hinterlassen.

22 Akteure beharkten sich und einer trug von Beginn an das Büßerhemd: Fandel, der Mann in Gelb. Aber Fandel hatte Glück: Die Gäste aus München hatten in diesem vermeintlichen Fußball-Hit schnell alles fest im Griff und zerlegten den VfB leicht und locker mit 5:1. Die Bayern-Glanzvorstellung wurde zur persönlichen Niederlage eines Mannes, den sie hier in Stuttgart vor kurzem noch zu ihrem sportlichen Messias erkoren hatten.

Markus Babbel, Trainer der Stuttgarter, war ohne Zweifel einer der großen Verlierer des Abends. Immer wieder hatte er im Vorfeld des Süd-Klassikers an seine Spieler appelliert. Teamgeist sollen sie zeigen, mannschaftliche Geschlossenheit, einer solle für den anderen da sein. Er hatte im Vorfeld doch so ein gutes Gefühl. Nach 16 Minuten war auf dem Rasen der gesamte Babbel'sche Esprit verpufft.

Die grandios und abgezockt aufspielenden Bayern lagen zu diesem Zeitpunkt durch Tore von Bastian Schweinsteiger und Franck Ribéry mit 2:0 in Führung, die Stuttgarter agierten hilflos und desorientiert. Komplett verunsichert ließen sie die Bayern spielen, bis sich ausgerechnet der bis dato furios auftrumpfende Franck Ribéry mit seinem arrogant getretenen Elfmeter-Lupfer in die Hände von Jens Lehmann große Arroganz erlaubte, die auch seinen Trainer Klinsmann brodeln ließ, wie er später zugab. Das Spiel kippte dennoch nicht. Im Gegenteil: Babbel und die Stuttgarter erlebten einen blamablen Abend, den sie nur schwer verdauen werden.

Ein Stürmer war zu wenig

Was auch daran lag, dass Babbel bereits vor der Partie den falschen Weg einschlug. Nur ein Stürmer mit Mario Gomez, dafür mit einem komplett neben sich stehenden Yildiray Bastürk als weiteren "Angreifer" - Babbel setzte an diesem Abend eindeutig die falschen Signale. "Wir haben alles vermissen lassen", erklärte er später niedergeschlagen. "Wir hatten Angst, waren blockiert, gelähmt und haben den Respekt nie abgelegt." Babbels Taktik-Entscheidung wird sein Geheimnis bleiben. Hatten die Stuttgarter doch beim letzten Duell vor wenigen Wochen gerade mit ihrem Offensivgeist und großem Mut die Münchner Stars beeindruckt. Nach der Einwechslung von Ciprian Marica zur Halbzeit lief es dann auch gleich ein wenig besser. Dennoch: Die Bayern waren über 90 Minuten zwei Klassen besser und zeigten eine Leistung, die die Konkurrenz erschaudern lassen muss.

Nur wenig Antworten

Dem VfB-Trainer ist es an diesem für ihn düsteren Abend nicht gelungen, seiner Mannschaft das notwendige Selbstvertrauen einzuimpfen, um den individuell überlegenen Bayern Paroli bieten zu können. Nahezu die gesamte zweite Halbzeit stand der vermeintliche Messias Babbel in seinem langen schwarzen Mantel an der Seitenlinie, gestikulierte, schüttelte immer wieder den Kopf, seine Gefolgschaft auf dem Rasen hatte sich da schon längst in Luft aufgelöst.

Spätestens nach dem 0:5 von Ze Roberto musste man sich ernsthaft Sorgen um Babbel machen. Die Zuschauer kümmerten sich nicht um ihn, die meisten wollten einfach nur noch weg, nach Hause, nichts mehr hören, nichts mehr sehen. Die Diskussion um Babbels weitere Trainer-Zukunft dürfte vorerst auch verstummt sein, zumal er bei der Pressekonferenz doch recht hilflos wirkte und erst "einmal eine Nacht über alles schlafen" wollte.

Für die Bayern ist alles möglich

Auf des Gegners Bank machten sich Jürgen Klinsmann und Uli Hoeneß einen gemütlichen Abend. Sie mussten sich nur um eines kümmern - sich keine Erkältung einzufangen. Zu perfekt lief die Bayern-Maschinerie, die Klinsmann-Jünger funktionierten einwandfrei. Und das ohne alles zeigen zu müssen: Ribéry wagte ein paar Tänzchen, Toni, Schweinsteiger, Klose - sie alle taten nicht mehr wie nötig und machten die Stuttgarter dennoch zu peinlichen Statisten. Es war eine bayerische Zirkusnummer.

Kaum auszumalen, was in der Bundesliga-Rückrunde passieren wird, wenn die Bayern einmal richtig Gas geben. In dieser Verfassung scheint sogar international in der Champions League vieles möglich zu sein, das ahnen auch Spieler und Verantwortliche, die sich in der Interview-Zone unisono höchst zufrieden zeigten. Selbst ein Uli Hoeneß schien sich auf eine entspannte Heimreise auf der A8 zu freuen.

Lehmann und Gomez - quo vadis?

Babbel ist nicht der einzige Stuttgarter Verlierer. Ein weiterer stand im Tor, kassierte fünf Treffer und erlebte einen der bittersten Abende seiner langen Karriere. Ab der 60. Minute musste sich Jens Lehmann von den vielen Bayern-Fans verhöhnen und veralbern lassen. Wer ihn kennt, weiß: Solche Spiele braucht er nicht, eine Vertragsverlängerung Lehmanns scheint nach diese Debakel immer unwahrscheinlicher zu werden.

Und was die Zukunft eines Mario Gomez betrifft: Dessen Leistung war mehr als durchwachsen. Seinen Treffer zum 1:5 werden die anwesenden Späher nicht mehr mitbekommen haben, denn zu diesem Zeitpunkt saßen sie sicher schon im warmen Innenraum. Wie sagte doch ein VfB-Fan auf dem Parkplatz. "30 Millionen? 30 Euro würd' ich für den zahlen..."


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker