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DFB-Pokal: Keine Gnade für Hannovers Lazarett

Die zweite Runde des DFB-Pokals wird speziell für Hannover 96 zur Zerreißprobe: Gleich 14 Spieler fallen auf Schalke aus, ein Eilantrag auf Verlegung wurde vom DFB abgelehnt. Unterdessen wollen die Bremer ihren Triumphzug fortsetzen. Eng könnte es für 1860-München-Trainer Marco Kurz werden.

Die Zeit der leichten Siege ist vorbei. Nach dem Start in den DFB-Pokal ohne Ausfall droht vielen Bundesligisten schon in der zweiten Runde des Wettbewerbs Ungemach: Mindestens fünf Clubs aus der Beletage werden in direkten Duellen mit "Klassenkameraden" auf der Strecke bleiben. Einen Eil-Antrag von Hannover 96, die Dienstag-Partie beim FC Schalke 04 wegen akuter Personalnot zu verlegen, lehnte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Montagabend ab. Für diese Entscheidung sei maßgeblich gewesen, dass lediglich erkrankte Spieler, aber keine Verletzten berücksichtigt werden können, sagte ein Vereinssprecher der Niedersachsen.

Hannover 96 und Trainer Dieter Hecking stehen damit am Dienstag nur 14 der 28 Spieler aus dem Profikader zur Verfügung, drei davon sind auch noch Torhüter. "96 ist in einer Notsituation, wie ich sie noch nicht erlebt habe", sagte Sportdirektor Christian Hochstätter. Sieben Spieler sind an einer Virusgrippe erkrankt, sechs sind verletzt. Zudem ist Altin Lala gesperrt.

Bremen will weiter siegen

Die vermeintlich leichteste Aufgabe der Erstligisten, die am Dienstag sicher antreten, hat Werder Bremen. Nach dem 5:2-Kantersieg beim FC Bayern München reist das Team von Trainer Thomas Schaaf trotz des Fehlens von Nationalspieler Per Mertesacker (Grippe) mit reichlich Rückenwind zum Drittligisten Erzgebirge Aue. "Vielleicht kommt Bremen ja im Rausch hierher, nimmt uns nicht so ernst. Auf jeden Fall wird es das leichteste Spiel der Saison, denn wir sind krasser Außenseiter", sagte Aue-Stürmer Sebastian Glasner.

Anders als die Bremer laufen die Profis aus Cottbus und Mönchengladbach kaum Gefahr, den Gegner zu unterschätzen. Die Partie des Bundesliga-Schlusslichts Energie Cottbus gegen den Drittletzten birgt Brisanz. "Beide Teams strotzen nicht gerade vor Selbstbewusstsein", meint Borussen-Trainer Jos Luhukay. Angreifer Oliver Neuville hofft auf ein ermutigendes Erfolgserlebnis im Pokal: "Es wird Zeit, dass wir die Kurve kriegen."

Daum unter Druck

Weniger hoch ist die Bremer Hürde in Aue. Nicht nur der Klassenunterschied und die zuletzt aufsteigende Form sprechen für einen Sieg des Favoriten. Denn der Gastgeber ist denkbar schlecht in die Saison gestartet: Bis auf den Sieg im Elfmeterschießen gegen St. Pauli in der ersten Pokalrunde hat Erzgebirge Aue in dieser Saison vor heimischer Kulisse noch kein Tor erzielt. "Wir müssen jetzt in Aue nachlegen, auch da Charakter zeigen. Gelingt uns das, können wir sagen, dass wir wieder eine Mannschaft sind", sagte Bremens Mittelfeldspieler Jurica Vranjes.

Vor einem schweren Gang steht der 1. FC Köln. Drei Tage nach dem schmerzlichen 0:2 in Bielefeld muss die Mannschaft von Trainer Christoph Daum beim FSV Mainz bestehen. Anders als Köln genießt Eintracht Frankfurt im Spiel gegen einen Zweitligisten Heimrecht. Trotz fünf siegloser Punktspiele gab Trainer Friedhelm Funkel vor der Partie gegen Hansa Rostock eine mutige Vorgabe aus: "Unser Ziel ist es, nach Berlin zu kommen. Deshalb müssen wir dieses Spiel gewinnen." Mehr Grund zur Zuversicht hat Bayer Leverkusen nach dem bisher beachtlichen Saisonstart: Trainer Bruno Labbadia denkt sogar darüber nach, Torjäger Patrick Helmes in der Partie beim FC Augsburg zu schonen.

Von besonders großer Bedeutung ist die zweite Pokalrunde für Marco Kurz vom TSV 1860 München. Bei einer Niederlage gegen den MSV Duisburg, den die "Löwen" in der 2. Bundesliga kürzlich mit 2:0 bezwangen, dürften die Rufe nach einer Entlassung des Trainers wieder lauter werden. Noch will Manager Stefan Reuter nichts von einem Trainerwechsel wissen: "Ich bin von Marco zu 100 Prozent überzeugt."

DPA / DPA

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