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Pressemitteilung: Jetzt meldet sich der DFB zu Wort: Das sagt der Verband zu Özils Vorwürfen

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reagiert auf den Rundumschlag von Mesut Özil und weist dessen Rassismus-Vorwurf vehement zurück. Personelle Konsequenzen kündigt der Verband nicht an.

Bundestrainer Joachim Löw, Mesut Özil, Verbandsboss Reinhard Grindel, Ilkay Gündogan und DFB-Teammanger Oliver Bierhoff

So werden sie in naher Zukunft wohl nicht mehr zusammensitzen: Bundestrainer Joachim Löw, Mesut Özil, Verbandsboss Reinhard Grindel, Ilkay Gündogan und DFB-Teammanger Oliver Bierhoff (v.l. )im Mai

Getty Images

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reagiert mit einer Pressemitteilung auf die scharfen Angriffe von Ex-Nationalspieler Mesut Özil. Dieser hatte insbesondere DFB-Präsident Reinhard Grindel attackiert und mangelnde Rückendeckung des Verbandes in der Diskussion um ein Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan beklagt.

In der von der "Direktion Öffentlichkeit und Fans" unterzeichneten Erklärung bedauern die Verantwortlichen des Verbands den Rücktritt Özils aus dem Nationalteam. Der DFB sei und bleibe "Mesut Özil für seine herausragenden Leistungen im Trikot der deutschen Nationalmannschaft sehr dankbar", heißt es in dem Schreiben, dass nach einer Telefonkonferenz des Verbandspräsidiums aufgesetzt worden sei. Özil hatte insgesamt 92 mal für die DFB-Elf auf dem Platz gestanden und gewann vor vier Jahren in Brasilien den WM-Titel.

DFB gibt sich selbstkritisch

Zum Auslöser für die Causa Özil - den umstrittenen Fotos von ihm und seinem Team-Kollegen Gündogan mit dem türkischen Präsidenten - teilt der Verband mit, dass er im Umgang mit dem Thema einen Beitrag dazu geleistet habe, dass bei vielen Menschen in Deutschland Fragen aufgeworfen worden seien. "Das räumen wir selbstkritisch ein."

Auch zum Rassismus-Vorwurf Özils nimmt der Verband Stellung: "Dass der DFB mit Rassismus in Verbindung gebracht wird, weisen wir (...) in aller Deutlichkeit zurück."

Der Weltmeister von 2014 ging am Sonntag in seiner Rücktrittserklärung insbesondere Verbandspräsident Grindel scharf an: "Ich werde nicht länger als Sündenbock dienen für seine Inkompetenz und seine Unfähigkeit, seinen Job ordentlich zu erledigen. Ich weiß, dass er mich nach dem Foto aus dem Team haben wollte (...). In den Augen von Grindel und seinen Helfern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen, und ein Immigrant, wenn wir verlieren." Und weiter: "Leute mit rassistisch diskriminierendem Hintergrund sollten nicht länger im größten Fußballverband der Welt arbeiten dürfen."

Der DFB geht in seiner Presseerklärung auf den konkreten Vorwurf nicht ein. "Es gehört für uns als Verband auch zum respektvollen Umgang mit einem verdienten Nationalspieler, dass wir manche für uns in Ton und Inhalt nicht nachvollziehbare Aussage in der Öffentlichkeit unkommentiert lassen", umschiffte der Verband die Attacke gegen seinen Präsidenten.

Auch die DFL wendet sich gegen Mesut Özil

Grindel steht unter anderem in der Kritik, weil er seiner Vergangenheit als Politiker 2004 im Bundestag von "Multikulti"  als "Lebenslüge" gesprochen hatte und so nicht glaubhaft an der Spitze eines Verbandes stehen könne, der sich Vielfalt und Integration auf die Fahnen geschrieben hat.

An diesen Zielen werde der DFB festhalten, beteuern die Verantwortlichen, auch und gerade nach dem Rücktritt von Mesut Özil - "konsequent und aus tiefer Überzeugung".

Personelle Konsequenzen bedarf es aus Sicht des Verbandes dafür offenbar nicht, die Rücktrittsforderungen gegen Funktionäre greift der DFB in seinem Schreiben nicht auf.

Fast parallel zur Stellungnahme des DFB hat sich auch Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und gleichzeitig Mitglied des DFB-Präsidiums, separat zum Fall Özil geäußert. "Es ist in keiner Weise hinnehmbar, wenn der DFB und seine Spitze pauschal in Zusammenhang mit Rassismus gerückt werden. Diese Unterstellungen gilt es, mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen", erklärte er. "In den vergangenen Wochen sind offensichtlich von allen Seiten Fehler gemacht worden", um dann einen Frontalangriff auf den 92-fachen Nationalspieler zu fahren: "Die Abrechnung von Mesut Özil schießt aber über jedes nachvollziehbare Maß hinaus und lässt keinerlei Selbstkritik erkennen", so Rauball.

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