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Dortmund erreicht Pokalfinale: Rettung in letzter Sekunde

Was für eine Dramatik: Sekunden vor Schluss hat Ilkay Gündogan den Siegtreffer gegen Greuther Fürth erzielt und Dortmund glücklich ins Pokalfinale geschossen. Ein Keeper wurde zur tragischen Figur.

Von Tim Schulze

In der 118. Minute des Pokalhalbfinales zwischen Greuther Fürth und Borussia Dortmund hatte Mike Büskens einen besonderen Schachzug parat. Fürths Trainer nahm seinen Keeper Max Grün aus dem Spiel und wechselte stattdessen Ersatztorwart Jasmin Fejzic ein. Wie alle Beteiligten rechnete Büskens zu diesem Zeitpunkt, es stand noch 0:0, mit einer Entscheidung im Elfmeterschießen. Fejzic gilt als Elfmeterkiller – der bosnische Keeper sollte Fürths großer Trumpf sein, um sich den Traum vom Finale in Berlin zu erfüllen.

Zwei Minuten später zerplatzte dieser Traum wie eine Seifenblase. Ilkay Gündogan setzte zu einem Schuss aus 18 Metern an, der Ball prallte zunächst an den Pfosten, von da in den Rücken des Keepers und dann ins Tor. Es war seine einzige Ballberührung. Fejzic' Einsatz war auf tragische Weise zu Ende, bevor er richtig begonnen hatte. Es stand 1:0 für den deutschen Meister, der sich zuvor zwei Stunden lang vergeblich gegen den bärenstarken Tabellenführer der 2. Liga gemüht hatte. Der glückliche Siegtreffer in den letzten Sekunden war das Ende eines zähen Ringens, Schiedsrichter Florian Meyer pfiff die Partie gar nicht mehr an. Während die Dortmunder einer gewaltige Jubeltraube bildeten, standen die Fürther Spieler geschockt auf dem Rasen der Trolli Arena und wussten nicht, wie ihnen geschah.

Büskens: Wir müssen getröstet werden


"Klar müssen wir getröstet werden. Die Mannschaft hat hervorragend gespielt. Bitterer kann man nicht ausscheiden", sagte Büskens mit feuchten Augen in die TV-Kameras. Fast 120 Minuten hatte Greuther Fürth der Offensive des deutschen Meisters erfolgreich standgehalten und die Partie offen gestaltet. Dortmund hatte zwar die besseren Torchancen, doch ein Klassenunterschied war nicht zu sehen. "Es war ein ganz, ganz schweres Spiel", sagte Borussia-Trainer Jürgen Klopp: "Das ist eine tolle Mannschaft, aber es kann nur einer weiterkommen. Und ich denke, das haben wir auch verdient."

Wahrscheinlich hatte Klopp vorausgeahnt, was für ein zäher Kampf an diesem Abend stattfinden würde, auch weil seinem Team im Moment die Leichtigkeit abgeht. Vor dem Spiel hatte Klopp vorausschauend die Favoritenrolle von sich gewiesen. Präsident Hans-Joachim Watzke hatte gar vom Gegner als "gefühlten Erstligisten" gesprochen. Es zeigte sich, dass die Einschätzung der beiden BVB-Verantwortlichen zutraf. Die Angst, Opfer einer Pokalsensation zu werden, war ziemlich groß.

Die Fürther starteten gut in die Partie, von Respekt keine Spur. Mit hohem Tempo, viel Laufarbeit und Ballsicherheit hielten sie Dortmund in Schach. 30 Minuten brauchte das Team von Jürgen Klopp, um sich die erste nennenswerte Chance herauszuspielen. Shinji Kagawa vergab eine große Kopfballchance, kurz danach vertändelte Robert Lewandowski in aussichtsreicher Position, nachdem sich die Borussen endlich mal in den Strafraum kombiniert hatten (36). Klopp zappelte am Spielfeldrand herum wie ein Derwisch und verwickelte den vierten Schiedsrichter Tobias Stieler immer wieder in Diskussionen, weil der Zweitligist sich mit Zähen und Klauen verteidigte. Der Preis war, dass die Offensive der Fürther in dieser Phase des Spiels vollkommen erlahmte. Es war Schwerstarbeit, das Dortmunder Flügelspiel zu unterbinden.

In der Verlängerung ist von Dortmund nichts zu sehen


Torhüter Grün verhinderte mit einer Glanzparade elf Minuten nach der Pause den Rückstand gegen Kevin Großkreutz, nur zwei Minuten später vergab Kagawa die nächste hochprozentige Chance. Aber jetzt war auch Fürth wieder zur Stelle. Jetzt entwickelte sich eine offene Partie mit Chancen auf beiden Seiten, und auch Mike Büskens hielt es nicht mehr auf der Bank. Fürths starker Kanadier Oliver Occean vergab allein zwei gute Kopfballmöglichkeiten (60. u. 79.).

Klopp hatte irgendwann genug gesehen. Er holte Kagawa und Sven Bender vom Feld und brachte dafür Ilkay Gündogan und Lucas Barrios, was sich zunächst nicht auszahlte. In der Verlängerung war von Dortmund gar nichts mehr zu sehen, während Fürth in der Offensive weiter Akzente setzte. Dann brach die 120 Minute an. Gündogans Schuss war der erste ernstzunehmende Angriffsversuch auf das Fürther Gehäuse in der zusätzlichen Spielzeit. Dass es für den Zweitligisten so zu Ende ging, war ganz bitter. Die Dortmunder Gefühlslage stellte sich natürlich ganz anders da. "Das gerade in der allerletzten Sekunde das Tor für uns fällt, das ist ein unbeschreibliches Gefühl", sagte der Torschütze.

Morgen können sich die Dortmunder entspannen und in aller Ruhe das zweite Halbfinale zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München verfolgen. Die nächste Station heißt jetzt Berlin.

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