Bastian Schweinsteiger Der Heilsbringer von den VIP-Plätzen


So schnell kann das gehen: Gerade saß Bastian Schweinsteiger noch auf der Ehrentribüne neben Angela Merkel und dem hinausgestellten Joachim Löw. Nun, im Viertelfinale gegen Portugal, wird seinem Einsatz höchste Bedeutung begemessen.
Von Wigbert Löer, Tenero

Diese Disziplin beherrscht Bastian Schweinsteiger. Er sitzt im Trainingszentrum Tenero oben auf der Bühne, bekommt eine Frage nach der anderen gestellt. Und gibt eine Nicht-Antwort nach der anderen. Mal lacht er, mal lächelt er, mal schaut er ernst. Gerade ist bekannt geworden, dass er von einem früheren Berater auf 830.000 Euro verklagt worden ist, wie stern.de am Dienstag exklusiv meldete, aber er lässt sich nichts anmerken

Im Dienst der Mannschaft

Die Aussage seiner vielen, vielen Sätze lässt sich so zusammenfassen: Er will morgen im Viertelfinale gegen Portugal für Schwung sorgen. Dabei geht es ihm nicht um sich selbst, sondern um die Mannschaft.

Der deutschen Mannschaft wiederum, das ist die etwas verwunderliche Ausgangsposition vor dem ersten K.o.-Spiel der Deutschen bei dieser EM, muss es durchaus um Bastian Schweinsteiger gehen. Der Münchner ist zwar einer der vielen Nationalspieler, die nicht in Bestform zum Turnier reisten. Doch nun wird er von manchen gar schon als der Mann bezeichnet, der das Angriffsspiel entscheidend beleben wird. So schnell kann es gehen im Moment bei der Nationalmannschaft.

Die Hoffnung nährt sich schlicht aus Schweinsteigers kurzem Auftritt gegen Kroatien. Dort wurde er in der 66. Minute eingewechselt und fiel zumindest ein Stückchen auf in dem mutlos und zuweilen konfus agierenden deutschen Team. Ab und zu ließ er sich zwar wieder zu den typischen Schweinsteiger-Aktionen hinreißen, zog zwei, drei überflüssige Kurven, verlangsamte so das Spiel und passte schließlich ohne Raumgewinn zu einem Mitspieler. Doch der 23-Jährige zeigte auch einige Male einen starken Zug zum Tor. Er wirkte impulsiv. In Zeiten torloser, schattenhafter Stürmer ist das nicht wenig.

Niemand, der Angst bekommt

Schweinsteiger kann gegen Portugal nicht nur wichtig werden, weil der Einsatz des verletzten Lukas Podolski noch unsicher ist. Der 52-fache Nationalspieler traut sich auch gegen einen namhaften Gegner Einzelaktionen zu, er ist schlicht niemand, der Angst bekommt.

Zudem kann er in guter Verfassung scharfe Flanken schlagen. Vor allem das ist eine wichtige Kompetenz: Bisher strichen nahezu keine Ecken und keine Freistöße von außen gefährlich vor das gegnerische Tor. Deutschland hat in Ballack und Klose erstklassige Kopfballspieler, bei Eckstößen gehen auch die hoch gewachsenen Mertesacker und Metzelder nach vorn. Doch wenn die Bälle nur gemächlich in den Strafraum segeln, ist per Kopf kein Druck auf den Ball zu bekommen.

Schweinsteiger mit "Bringschuld"

In der dritten EM-Partie gegen Österreich, das ist eine weitere Qualifikation Schweinsteigers, trug er nichts zum uneleganten und über Strecken fehlerreichen deutschen Spiel bei. Schweinsteiger spielte gar nicht. Er saß nach seiner roten Karte gesperrt auf der Ehrentribüne, nicht weit von Boris Becker, Klara Bierhoff und Angela Merkel und eine gute Halbzeit lang neben dem aus der Coaching-Zone verwiesenen Bundestrainer Löw. Bei Ballacks Tor drückten sie sich innig, der gescholtene Zögling und sein Lehrmeister.

Der Spieler habe nun „eine Bringschuld“, sagte Löw vor der Partie gegen Portugal. Immerhin spricht auch eine kleine Statistik für Schweinsteiger. Bei Portugal steht Ricardo zwischen den Pfosten. Gegen den traf er bei der WM im Spiel um den 3. Platz und im Champions-League-Spiel seines FC Bayern gegen Sporting Lissabon insgesamt drei Mal. Ricardo hinterließ bei diesen Toren den Eindruck eines rechten Flattermanns, und so wird der Schlussmann Schweinsteigers Rückkehr nicht gerade sehnlich erwarten.

Mancher deutsche Fan aber schon.

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