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Konflikt in Syrien Opposition kritisiert Beobachter der Arabischen Liga


Die Beobachter der Arabischen Liga in Syrien haben keine einfache Aufgabe: Sie sind überfordert, werden bedroht und beschimpft. Eine Woche nach Beginn ihrer Mission sieht es nicht so aus, als würde es ihnen gelingen, das Blutvergießen zu beenden.

Wie eine Gruppe von Heilsbringern wurden die Beobachter der Arabischen Liga vergangene Woche in Syrien empfangen. Doch die Euphorie hielt nicht lange an. Das Regime von Präsident Baschar al Assad, das den Arabern nur Zugang gewährt hatte, um eine Syrien-Resolution des UN-Sicherheitsrates zu verhindern, spielt mit den Beobachtern Katz und Maus. Die Opposition ist frustriert, weil das Morden trotz der Anwesenheit der Ausländer kein Ende nimmt.

Auch die Beobachter selbst sind unzufrieden und verunsichert. "Einige von uns wurden bedroht", zitiert die saudische Zeitung "Al-Iktisadija" am Montag einen Beobachter, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen will. Andere Beobachter sagen, sie seien "verzweifelt", weil der sudanesische Chef der Mission, General Mohammed al Dabi, positive Äußerungen zur angeblichen Kooperationsbereitschaft des Assad-Regimes mache, die völlig an der Realität vorbeigingen.

Der Frust ist inzwischen auch am Sitz der Arabischen Liga in Kairo angekommen. Der Generalsekretär der Liga, Nabil al Arabi, bittet die syrische Opposition und die Medien, sich in Geduld zu üben. "Die Beobachter brauchen mehr Zeit, um ihre Aufgabe zu erfüllen", sagt er. Die syrischen Aktivisten fordert er auf, sich mit konkreten Informationen zu Menschenrechtsverletzungen an die Liga zu wenden, damit diese ihre Beobachter gezielt auf diese Fälle ansetzen könne.

Uneinigkeit innerhalb der Arabischen Liga

"Wir haben einen Krisenstab eingerichtet, der jederzeit telefonisch erreichbar ist", erklärt al Arabi. Der Ägypter, der den Posten als Liga-Chef mitten im Arabischen Frühling übernommen hatte, wirkt in diesen Tagen manchmal etwas überfordert. Jemen, Syrien, Bahrain, Ägypten, Libyen - die Liste der Konfliktherde war noch nie so lang.

Im Falle Syriens steht al Arabi vor dem Problem, dass seine Organisation in zwei Lager gespalten ist. Ägypten, Algerien und der Sudan wollen dem Assad-Regime noch eine Chance geben. Katar, Saudi-Arabien sowie die Revolutionsstaaten Tunesien und Libyen sind dagegen der Meinung, dass sich das Morden in Syrien nur durch ein internationales Eingreifen unter dem Dach der Vereinten Nationen beenden lässt. Diese Ansicht vertritt auch der kuwaitische Vorsitzende des Arabischen Parlaments, Ali Salim al Dekbasi, der am Wochenende den Abzug der Beobachter forderte, da sich die Lage in Syrien durch ihre Anwesenheit nicht verbessert habe.

Die syrische Protestbewegung sieht dies anders, trotz ihrer Kritik an einzelnen Äußerungen der Beobachter. "Die Anwesenheit der Beobachter ist sehr wichtig, auch wenn wir Vorbehalte gegen einige von ihnen haben", erklärt Ahmed al Chatib, ein Sprecher der sogenannten Koordinationskomitees der Revolutionäre. "Wir glauben zwar nicht, dass sie ein vollständiges Bild von der Lage haben, aber wenn sie in ihrem Bericht auch nur einen kleinen Teil der Wahrheit aufdecken, dann werden wir zufrieden sein."

Anne-Beatrice Clasmann/DPA DPA

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