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EM 2012: Der große Kater nach dem Rausch

Die EM-Party in Österreich und der Schweiz ist vorbei, jetzt droht der Kater. Das nächste Turnier in Polen und der Ukraine bereitet Uefa-Boss Michel Platini Kopfschmerzen. Die Organisatoren vor Ort scheinen überfordert. Aber auch die WM 2010 in Südafrika bleibt ein Sorgenkind.

Uff Wiederluege Schweiz, Servus Österreich! Die EM 2008 ist schon Geschichte, doch die Bühne für die nächsten Fußball-Sommermärchen ist noch lange nicht bereitet. Sowohl die WM 2010 in Südafrika als auch die EM 2012 in Polen und der Ukraine sind echte Sorgenfälle und bereiten den Fußball-Mächtigen Joseph Blatter und Michel Platini wohl manchen Alptraum. Für Uefa-Präsident Platini ist die Zeit der Festtage jedenfalls erstmal vorbei. Europas wichtigster Fußball-Funktionär ist nach den launigen Wochen nun als Krisenmanager gefordert und muss von Mittwoch an auf seiner mehrtägigen Osteuropa-Tour mit den strauchelnden Gastgebern eine lange Mängelliste abarbeiten.

In ungewohnt deutlicher Weise hatte der 53-jährige Franzose die EM-Veranstalter noch vor dem Finale von Wien in die Pflicht genommen und eine noch nie dagewesene Aberkennung auch öffentlich nicht mehr ausgeschlossen. Die massiven EM-Vorbereitungsprobleme im Osten beschäftigen die gesamte kontinentale Fußball-Administration. Auch Franz Beckenbauer macht sich seine Gedanken. "Es gibt nach wie vor Versicherungen der Organisatoren. Von denen man natürlich nicht weiß, wie stabil sie sind. Die Uefa-Spitze wird hinreisen und die Dinge kontrollieren, die zu kontrollieren sind", sagte der "Kaiser".

Gerüchte um Spanien als Ersatzgastgeber

Unmittelbar nach der Inspektionstour wird noch keine Entscheidung fallen, aber hinter den Kulissen sprechen die Mienen und Andeutungen von UEFA-Mitarbeitern zu diesem Thema Bände. Vieles deutet daraufhin, dass bei der Sitzung des Uefa-Exekutivkomitees am 25. und 26. September in Bordeaux tatsächlich Polen und Ukraine für ihre bislang mangelhafte Organisation abgestraft werden. Permanent hielten sich während der EM 2008 Gerüchte, dass Spanien als Ersatzgastgeber schon bereitsteht.

Platini müsste dann zum Meister des diplomatischen Kompromisses werden, will er weiter die Rolle des Osteuropa-Freundes spielen. Da die Ausdehnung des EM-Turniers auf 24 Mannschaften von 2016 an praktisch als beschlossen gilt, dürfte Polen und der Ukraine eine verspätete Gastgeberrolle im Jahr 2020 in Aussicht gestellt werden, zuvor wird Frankreich 2016 die besten Karten für das dann zum Mammut-Turnier aufgeblähte Europa-Event haben.

Fifa-Boss Blatter stellt Prestige-Projekt in Frage

Ausgerechnet am EM-Finaltag meldete sich Fifa-Boss Blatter zu Wort und stellte plötzlich auch sein eigenes Prestige-Projekt in Frage. Die WM 2010 in Südafrika könnte in Gefahr sein, sollten sich beim Confederations Cup im kommenden Jahr die Sicherheits- und Organisationsprobleme bestätigen, ließ der Schweizer verlauten. Die Motivation für diesen zumindest zu diesem Zeitpunkt unerwarteten Vorstoß in einem Interview mit dem österreichischen TV-Sender "ORF 2" war unklar. Bislang hatte Blatter sein afrikanisches "WM-Baby" protegiert, so gut es irgendwie ging. Fast schien es, als hätte der für den Weltfußball zuständige Schweizer in den EM-Tagen ein wenig darunter gelitten, dass andere über mehrere Wochen die große Fußball- Bühne besetzten.

Arne Richter/DPA / DPA

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