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Joachim Löw: Voller Selbstvertrauen vor dem großen Duell

Vor dem EM-Halbfinale erklärt Bundestrainer Jogi Löw selbstbewusst, dass die früheren Duelle gegen Italien keine Rolle spielen. Auch Miro Klose gibt sich entspannt - nur das Wetter stört.

Von Mathias Schneider, Danzig

Es gibt sie noch, auch wenn sie zu einer akut vom Aussterben bedrohten Gattung gehört im Lager der deutschen Nationalmannschaft: Die Rede ist von der schlechten Nachricht. Sie hat es dieser Tage schwer rund um das Hotel Dwor Oliwski, schon die Szenerie verbietet jede Form von Trübsal. Ein mächtiges Gehöft bewohnen die Deutschen, umgarnt von Ahornbäumen, gelegen an Wanderwegen, das ganze Areal ein Traum in Grün. Keine Verletzten hat der Bundestrainer Joachim Löw zu beklagen, was ein kleines Wunder ist nach vier Partien EM-Sport. Selbst der von hartnäckigen Knöchelbeschwerden heimgesuchte Bastian Schweinsteiger meldet sich fit.

Das Training? "Sehr gut" (Stürmer Klose). Die Vorbereitung? "Sehr gut" (Stürmer Klose). Aber dann entdeckt Klose doch einen Anlass zur Rüge, beinahe empört klingt er: "Das Wetter war ein bisschen mies. Aber das kann man vorher ja nicht planen."

Heftiges Facelifting ohne Not

Das Wetter. Es sagt viel aus über die grundsätzliche Gemütsverfassung dieser Elf, dass lediglich der rund vier Monate zu früh über der Ostsee heraufziehende Herbst mit seinen zyklisch Regenschauern und dem strammen Wind derzeit für einen leichten Oktober-Blues sorgt. Nichts trübt ansonsten den Optimismus. Aber wo soll die Skepsis auch herkommen bei einem Chef, den selbst die Nachrichtenagentur dpa nach seinem Dreifachwechsel gegen Griechenland mit dem Superlativ "Magier Löw" etikettierte? Dabei mag Joachim Löw gar nicht über sein Image als Superstar am Trainerhimmel sprechen. "Das Einzige, was ich anstrebe, ist Erfolg, alles andere blende ich aus."

So richtig beginnt das Turnier für seine Elf nun erst, denn nicht weniger als das Halbfinale hatte sie ohnehin von sich erwartet. Das Viertelfinale wird wohl als erstes Trainingspiel unter Turnierbedingungen in die jüngere Wettbewerbshistorie des Verbandes eingehen. Wann hat es das schließlich schon einmal gegeben, dass ein Bundestrainer seiner mit drei Siegen gestarteten Elf ohne Not ein derart heftiges Facelifting verordnete.

Gleich drei der vier Offensivkräfte, Thomas Müller, Lukas Podolski und Mario Gomez, tauschte er gegen Miroslav Klose, Marco Reus und André Schürrle aus. Eine Gefahr sah Löw darin nicht. Ohne zu überlegen stufte er sein Personal schon vor der Partie ein, egal in welcher Aufstellung. "Griechenland ist nicht der Maßstab für unser Spiel." Immerhin, der Halbfinalgegner Italien stellt eine "andere Hausnummer" dar, so viel Respekt muss sein.

Italien-Erinnerungen "spielen keine Rolle"

Der alte Haudegen Pirlo kickt noch immer beim Weltmeister von 2006, was zumindest bei Lahm, Schweinsteiger oder Klose nicht nur gute Erinnerungen wecken dürfte. Die Drei erlebten das WM-Aus der Deutschen im Semifinale von Dortmund gegen Pirlos Italien aus aller nächster Nähe. Sie standen auf dem Platz.

Doch wirklich besorgt klingt Löw auch jetzt nicht, als kenne er bereits den Ausgang auch dieser Partie. Wenn seine Elf ihr eigenes Spiel aufs Feld bringe, werde sie auch dieses Spiel gewinnen, stellt er nur lapidar fest. Dass Italien in sieben Versuchen bei einer EM oder WM noch nie bezwungen wurde, ficht ebenfalls niemanden an. Der Tenor: Da waren wir ja noch nicht dabei. Löw nennt es "eine neue Situation. Für unsere jungen Spieler spielt das keine Rolle."

Irgendwie kann sich diese Nationalmannschaft nicht mehr vorstellen, zu verlieren. Nach nunmehr 15 Pflichtspielsiegen in Folge ist das wohl auch kein Wunder. Am Abend stand noch der Kinofilm "Amazing Spiderman" auf dem Programm, als Einstimmung. Um übernatürliche Kräfte geht es auch dort, und um große Schlachten. Für Löw und seine Jungs stehen sie nun bevor. Am fehlenden Selbstvertrauen wird es nicht scheitern.

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