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Toni Kroos: "Idee vom Offensivspiel nicht vergessen"

Toni Kroos leidet bei der EM unter einer Grundsatzentscheidung des Bundestrainers. Ein Gespräch über den Stilwechsel im Team, vermeintlich schwächelnde Spanier und falsche Dartscheiben im Hotel.

Toni Kroos, gegen Portugal war es die 87. Minute, gegen Holland die 81. und nun gegen Dänemark die 84. Minute, in der Sie eingewechselt wurden. Nicht viel für einen, der von den zehn Länderspielen seit August 2011 acht Mal in der Startelf gestanden ist.
Nein, natürlich nicht. Vor dem ersten Spiel dieser EM hat sich der Bundestrainer eben für die defensivere Variante entschieden, somit anders spielen zu lassen als in der Qualifikation – und damit eben auch gegen mich.

Sie haben als erster der Ersatzspieler bereits gesagt, dass Sie damit nicht glücklich sind.
Es war keine Kritik, wenn man sagt, dass es nicht befriedigend ist, wenn man nicht spielt. Ich glaube nicht, dass der Bundestrainer Spieler haben will, die draußen sitzen und dann sagen: "Es ist alles gut, alles okay." Daher war das für ihn auch kein Problem.

Wie groß war Ihre Enttäuschung nach dieser Grundsatzentscheidung des Trainers vor Turnierbeginn?
Man sieht doch, wie groß die Wertschätzung des Bundestrainers für mich ist, weil er mich immer am Ende der Spiele bringt. Er weiß, dass er mich jederzeit bringen kann. Egal, ob wir führen oder hinten liegen. Ich habe nun mal die Ballsicherheit, um bei einer Führung die Zeit runterspielen zu können oder um bei einem Rückstand mehr Druck erzeugen zu können, weil wir ja eher zwei defensiv-orientierte Mittelfeldspieler haben.

Hat es denn generell in der Nationalelf einen Stilwechsel gegeben: Weg vom Spektakel, hin zur Effizienz.
Gerade in den letzten Testspielen, ob es das 3:3 im November in der Ukraine war, oder zuletzt das 3:5 in der Schweiz, hat dem Bundestrainer wohl das Defensiv-Verhalten nicht besonders gut gefallen. Das wollten wir verbessern und haben das auch getan. Trotz der Chancen, die wir zugelassen haben, stehen wir insgesamt ganz kompakt. Nach vorne waren wir sehr effektiv. Es gibt nach wie vor, die Idee und die Vorstellung, offensiv zu spielen. Das ist keineswegs vergessen. Aber der Bundestrainer hat sich eben jetzt so entschieden.

Die Gruppenphase ist vorbei. Wie sehen Sie den Fußball, der bei dieser EM gespielt wird?
Es ist nicht das Spektakel wie bei der WM 2010 in Südafrika. Es gab kaum Partien, in denen es richtig hin und her ging, in denen viele Tore fielen. Alle Mannschaften sind eher defensiv-vorsichtig ausgerichtet.

Das wird am Freitag im Viertelfinale gegen die Griechen eine richtig harte Nuss.
Es wird unheimlich wichtig, dass wir so schnell wie möglich ein Tor machen. Das würde die Sache enorm vereinfachen, da Griechenland wohl nicht viel für die Offensive tun wird.

Zum Duell mit den Spaniern könnte es nun erst im Finale kommen. Haben Sie Schwächen entdeckt?
Es ist die Mannschaft, die fußballerisch trotzdem am besten spielt.

Dennoch waren die Spanier auch gegen die Kroaten nur ein Tor vom Ausscheiden entfernt.
Trotzdem haben sie sehr souverän gespielt – und insgesamt sieben Punkte geholt. In der Gruppenphase haben sich bis jetzt größtenteils die Favoriten durchgesetzt. In den K.o.-Spielen sieht man dann so richtig, was los ist.

Haben Sie denn eine Dartscheibe mit nach Polen genommen, um sich bei Ihrem liebsten Hobby entspannen zu können?
Nein, aber es gibt hier im Hotel eine, das ist leider nur eine elektronische. Da werde ich mich noch kümmern müssen. Wenn schon, dann mit einer vernünftigen Scheibe.

Wer sind hier im Nationalteam die besten Gegner?
Der Thomas (Müller, d.Red.) und der Philipp (Lahm, d.Red.) sind ganz gut. Aber hier sind wir noch nicht dazu gekommen.

Ihre Freundin Jessica war bisher bei jedem Spiel dieser EM mit auf der Tribüne. Sie haben sich hier im Mannschaftshotel "Dwor Oliwski" mittlerweile öfter sehen können als im Stadion. Bei ihren kurzen Einsatzzeiten ...
Das ist so, wir haben uns länger im Hotel gesehen als sie mich auf dem Platz (lacht). Immer am Tag nach den Spielen durften die Frauen und Freundinnen zu uns ins Hotel, also drei Mal schon.

Wie lange bleibt sie?
So lange wie wir. Hoffentlich bis zum Finale.

Sollte Jogi Löw mehr auf Toni Kroos setzen? Gefällt Ihnen der Kurswechsel im deutschen Spiel, den der Bayern-Spieler beschreibt? Diskutieren Sie mit in der stern.de-Fankurve auf Facebook.

Klaus Bellstedt

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