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Fußball-EM 2012 Griechen schaffen Unentschieden gegen Polen


Gastgeber Polen erreicht im EM-Eröffnungsspiel gegen Griechenland nur ein 1:1-Unentschieden. Brisant war das Spiel allemal: es gab Platzverweise, einen Elfmeter und einige Torraumszenen. Die Zuschauer im Nationalstadion von Warschau bekamen ein ordentliches und temporeiches Spiel zu sehen.

Party-Schreck Griechenland hat Co-Gastgeber Polen den erhofften Traumstart in die Fußball-Europameisterschaft verdorben. Die Hellenen erkämpften am Freitag im Eröffnungsspiel in Warschau ein 1:1 (0:1) und sorgten damit für die erste Überraschung des Turniers. Dimitris Salpingidis (51. Minute) gelang der am Ende verdiente Ausgleich, nachdem die Hausherren vor 58 000 Zuschauern im ausverkauften Nationalstadion durch eine Dortmunder Coproduktion in Führung gegangen waren. Robert Lewandowski (17.) köpfte eine Flanke von Jakub Blaszczykowski ein. Mit dem Remis im ersten Spiel der Gruppe A setzte sich die schwarze Serie der Turnier-Ausrichter fort: Zuletzt hatte Belgien vor zwölf Jahren als Gastgeber ein EM-Auftaktspiel gewonnen.

Im Mittelpunkt stand der spanische Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo, der zum Turnierstart gleich zwei Platzverweise verhängte. In der 44. Minute schickte er den bereits verwarnten Bremer Sokratis für ein harmloses Vergehen an Rafal Murawski mit der Gelb-Roten Karte vom Feld. Nach der Pause sah Polens Keeper Wojciech Szczesny (69.) wegen einer Notbremse an Salpingidis zu Recht Rot. Mit dem fälligen Strafstoß scheiterte Routinier Georgios Karagounis am eingewechselten Przemyslaw Tyton (70.) und vergab damit einen griechischen Auftaktsieg wie 2004. Damals hatte ein 2:1 in Portugal den Grundstein zum späteren EM-Triumph gelegt.

"Das Unentschieden ist am Ende verdient. Es war unsere eigene Schuld, dass wir nicht gewonnen haben", bekannte BVB-Topstürmer Lewandowski. Ersatzkeeper Tyton war froh, den Strafstoß pariert zu haben: "Das war ein großartiges Gefühl. Mein Einsatz war ein Geschenk. Mit dem Remis können wir leben, auch wenn wir mehr wollten. Wir lassen den Kopf nicht hängen." Der Grieche Karagounis ärgerte sich über die schwache Anfangsphase seiner Mannschaft: "Wir haben die ersten 30 Minuten völlig verschlafen. Hoffentlich haben wir unsere Lektion daraus gelernt."

Die Griechen mit 10 Mann stärker

Die Ränge waren fast komplett in Polens Nationalfarben Rot und Weiß getaucht, und auch auf dem Rasen entfachten die Gastgeber mit ihrem schwungvollen Spiel sofort EM-Stimmung. Die Akzente im Offensivspiel setzte vor allem das Dortmunder Trio mit Lukasz Piszczek, Blaszczykowski und Lewandowski. Dazu hatte Trainer Franciszek Smuda mit dem Bremer Sebastian Boenisch und Eugen Polanski von Mainz 05 zwei weitere Bundesliga-Profis in die Startelf berufen.

Gegen den polnischen Wirbel fanden die Griechen zunächst kein Rezept. Obwohl Rehhagel-Nachfolger Fernando Santos seine Mannschaft defensiv eingestellt hatte, wurden die Hellenen vor allem auf ihrer linken Abwehrseite immer wieder überlaufen. Erst in Unterzahl fanden die Gäste besser in die Partie, während Polen nach dem Ausgleich konsterniert schien und nicht mehr zu seinem Kombinationsspiel fand. "In der zweiten Halbzeit war es ein völlig anderes Spiel. Vielleicht waren wir nach dem Tor und der Gelb-Roten Karte zu relaxt. Das ist schade", sagte der Dortunder Piszczek.

Angetrieben durch die stimmungsvolle Kulisse nahmen die Polen sofort das Heft in die Hand. Gefährlich wurden die Hausherren immer dann, wenn der Ball über die Dortmunder Seite lief. Als sich Piszczek auf rechts durchgesetzt hatte, verpasste Lewandowski die Hereingabe ganz knapp (14.). Drei Minuten später klappte das Zusammenspiel zweier BVB-Profis besser, als Lewandowski die genau getimte Flanke von Blaszczykowski zum 1:0 versenkte.

Der Platzverweis kurz vor dem Seitenwechsel schien die Griechen indes eher zu beflügeln als zu lähmen. Plötzlich suchte die seit der Amtsübernahme durch den Portugiesen Santos ungeschlagene Mannschaft entschlossener den Weg nach vorne. Sechs Minuten nach Wiederbeginn traf die Polen der Ausgleich wie eine kalte Dusche. Salpingidis nutzte ein Missverständnis in der Abwehr der Hausherren und erzielte das 1:1. Die Polen versuchten es danach meist mit Einzelaktionen, kamen aber kaum noch gefährlich vor das Tor von Chalkias.

Viel Prominenz bei der Eröffnungsfeier

Zuvor war mit einem farbenfrohen Spektakel und einer perfekten Show die erste Fußball-EM in Osteuropa eröffnet worden. 50.000 Zuschauer im neuen Warschauer Nationalstadion sahen eine zwölfminütige Zeremonie, die ganz im Zeichen der Gastgeberländer Polen und Ukraine stand. Um exakt 17.49 Uhr endete die Feier unter dem Jubel der Fans, elf Minuten später erfolgte plangemäß der Anstoß zum Eröffnungsspiel zwischen Polen und Griechenland.

Während auf dem Spielfeld die EM-Maskottchen Slavek und Slavko zu Folklore-Klängen tanzten, bildeten die Zuschauer mit bunten Tafeln eine riesige Choreographie. Auf dem Höhepunkt der Feier waren im Oberrang der geschlossenen Arena die überdimensionalen Fahnen der 16 EM-Teilnehmer zu sehen, der Unterrang war den Farben Polens und der Ukraine sowie dem Schriftzug "Respect" vorbehalten.

Prominente aus Politik und Sport wurden Zeuge der gelungenen Show. Die Gastgebernationen wurden von ihren Staatspräsidenten vertreten: Polen von Bronislaw Komorowski, die Ukraine vom umstrittenen Viktor Janukowitsch. Neben den Politikern nahm UEFA-Präsident Michel Platini Platz, an den TV-Geräten schauten weltweit etwa 150 Millionen Menschen zu.

800 Freiwillige aus 63 Ländern waren Teil der Feier, die eine Brücke zwischen Sport und Kultur schlug. Einen Auftritt hatte auch der ungarische Star-Pianist und ehemalige Nationalspieler Adam György, der den polnischen Komponisten Frédéric Chopin mit einer Etüde ehrte. Entworfen wurde die Feier vom italienischen Produzenten Marco Balich, der bereits für die Eröffnungs- und Schlussfeier der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin verantwortlich gewesen war.

jat/AFP AFP

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