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EM 2021 Wildes Spiel gegen Portugal: Deutschland meldet sich zurück

Robin Gosens  köpft zum 4-1 gegen Portugal ein
Robin Gosens krönt seine Leistung im EM-Spiel gegen Portugal mit seinem Treffer zum 4:1
© Matthias Hangst / Getty Images
Deutschland ist zurück im EM-Turnier! Durch einen 4:2-Erfolg in einem rassigen, teils wilden Spiel wahrte "die Mannschaft" ihre Chance auf ein Weiterkommen. Unter Umständen ist nun sogar der Gruppensieg wieder möglich.

Die deutsche Nationalmannschaft hat sich mit einem 4:2-Sieg gegen Portugal alle Möglichkeiten für einen Einzug in die K.o.-Phase gesichert. In einem teils wilden Spiel ließ sich die Elf von Coach Joachim Löw auch durch ein aberkanntes Führungstor und den sich an einen eigenen Eckball anschließenden Rückstand durch Cristiano Ronaldo nicht aus dem Konzept bringen. Die Mannschaft agierte - anders als gegen Frankreich - mit großem Mut und der von Löw zuvor geforderten Durchschlagskraft.

Kurios war die Torfolge: Auf den Kontertreffer zum 1:0 für die Portugiesen brachten zwei Eigentore durch Ruben Dias (35. Minute) und den Dortmunder Raffael Guerreiro (39.) die DFB-Truppe bis zur Halbzeit in Front. In der 51. Minute war es dann soweit: Deutschland schoss sein erstes Tor in der EM 2021 durch Kai Havertz nach einer schönen Kombination. Neun Minuten später krönte der herausragende Robin Gosens seine Leistung mit dem Kopfballtreffer zum 4:1.

Bruch nach Auswechslungen - Gruppensieg wieder möglich

Durch die Auswechslungen von Gosens und Hummels kam ein Bruch ins Spiel der deutschen Elf, die sich nun vehementen portugiesischen Angriffen erwehren musste. Diogo Jota schaffte schon bald das 2:4. Nachdem Ex-Bayern-Spieler Renato Sanchez in der 78. Minute mit einem fulminanten Fernschuss am Pfosten gescheitert war, brachten die Deutschen den Sieg über die Zeit.

Nun ist für die DFB-Auswahl sogar der Gruppensieg noch möglich. Dazu müsste - erneut in München - am kommenden Mittwoch gegen Ungarn gewinnen. Spielen Frankreich und Portugal im Parallelspiel unentschieden, ist Deutschland vorn. Auch ein Sieg der Portugiesen würde Manuel Neuer und Co, nutzen, da in diesem Fall bei jeweils sechs Punkten der direkte Vergleich entscheiden würde. Sollte Frankreich gewinnen, bliebe den Deutschen der zweite Platz. Doch Vorsicht! Unterliegt die DFB-Truppe den Ungarn, kann sie auch noch direkt ausscheiden.

Gosens ragt aus gutem Team hervor

Gegen die Portugiesen dirigierte Löw engagiert im legeren blauen Hemd an der Seitenlinie. Sein Startelfpersonal hatte er trotz der Enttäuschung gegen Frankreich unverändert gelassen. Kimmich begann wieder auf der rechten Außenbahn statt im Zentrum, das erneut von Ilkay Gündogan und Toni Kroos besetzt wurde. Die offensive Dreierkette bildeten Havertz, Serge Gnabry und Thomas Müller, die schon nach gut vier Minuten jubelten - aber nur kurz. Das von Gosens artistisch erzielte, vermeintliche Führungstor zählte wegen einer Abseitsposition von Gnabry nicht.

Gosens gehörte zu den Antreibern des Teams und machte ein herausragendes Spiel. Immer wieder war der Mann von Atlanta Bergamo an den gefährlichen Szenen beteiligten. Nach seinem Abseitstor bereitete er den Ausgleich vor, indem er so scharf in die Mitte spielte, dass er Ruben Dias zum Eigentor zwang. Das 4:1 erzielte er mit dem Kopf selbst, ehe er leicht angeschlagen ausgewechselt worden. Bei seiner Auswechslung wurde Gosens gefeiert, der Nationalspieler verneigte sich sogar kurz, die Fans riefen im Gegenzug lautstark seinen Namen.

Portugal mächtig unter Druck gesetzt

Von Beginn an funktionierte die Abstimmung besser als gegen Weltmeister Frankreich am Dienstag. Havertz, der mit Müller und Gnabry immer wieder die Positionen tauschte, prüfte den portugiesischen Torwart Rui Patrício (10.), der Schuss von Toni Kroos wurde von Rúben Dias in letzter Not geblockt (12.). Portugal stand mächtig unter Druck - dem offensiv hochklassig besetzten Europameister reichte aber ein Moment, um in Führung zu gehen.

Nach einer deutschen Ecke schalteten Ronaldo und Co. blitzschnell um und konterten gnadenlos. Das entscheidende Zuspiel auf Diogo Jota konnten die zurückeilenden Matthias Ginter und Kimmich nicht verhindern. Der 24-Jährige vom FC Liverpool legte überlegt auf Ronaldo, der vollendete und seine Freude in den Münchner Himmel schrie. Der Superstar erzielte sein 19. Tor bei Welt- und Europameisterschaften und schloss zu Rekordhalter Miroslav Klose auf.

Rückstand bringt Mannschaft nicht aus dem Tritt

Schon wieder in Rückstand, das hatte Löw im zweiten EM-Spiel unbedingt vermeiden wollen. "Wir sind auf der Suche nach der goldenen Mitte", hatte der Bundestrainer kurz vor dem Anpfiff in der ARD über die Risikobereitschaft seiner Spieler gesagt. Seine Taktik war in den vergangenen Tagen in Wohnzimmern, Kneipen und Freibädern wieder einmal hitzig diskutiert worden. "Ich mag das System nicht so gern", sagte Jürgen Klopp bei Magenta TV. Die DFB-Auswahl tanzte auf dem schmalen Grat zwischen erdrückender Offensive und anfälliger Defensive.

Aber das machte sich gut. Nachdem schon Gosens Rui Patrício zur nächsten Parade gezwungen hatte (18.), verpasste Hummels eine Gnabry-Flanke aus aussichtsreicher Position um Zentimeter (25.). Die Löw-Elf wollte, sie drängte auf den Ausgleich. Das spürten auch die mehreren Tausend Fans auf den Rängen, die innerhalb weniger Minuten zweimal jubeln konnten.

Risikobereitschaft und entschlossens Nachsetzen

Das erste deutsche Turniertor leitete Kimmich über die viel diskutierte rechte Seite mit einem starken Ball auf Gosens ein, der mit Wucht und dem von Löw geforderten Mut direkt in die Mitte weiterleitete. Dort zwang Havertz Rúben Dias mit gutem Körpereinsatz zum Eigentor, das dem verhängnisvollen von Mats Hummels gegen Frankreich ähnelte.

Die Führung erzwang die DFB-Auswahl durch erneut starkes Nachsetzen. Kimmich spielte den entscheidenden Ball aus kurzer Distanz vor das portugiesische Tor, den der Dortmunder Guerreiro nur noch ins eigene Tor abwehren konnte. Gnabry hätte vor der Pause fast noch erhöht (45.+2). "Was mir gefallen hat, war die Risikobereitschaft", sagte ARD-Experte Bastian Schweinsteiger in der Halbzeit.

Goretzkas Ball landet auf der Latte

Das dritte Tor für Deutschland nach starker Angriffskombination brachte noch mehr Sicherheit. Gosens wurde auf der linken Seite von den Portugiesen allein gelassen, die wieder gute Hereingabe des Italien-Profis verwertete Havertz zum ersten selbst erzielten Treffer der DFB-Auswahl. Ronaldo antwortete mit einem Freistoß, der aber deutlich über das Tor von DFB-Kapitän Manuel Neuer ging (54.). Dann krönte Gosens seine Glanzleistung in München per Kopf. Bei der Flanke von Kimmich schien wieder kein Portugiese den 26-Jährigen auf der Rechnung zu haben.

Diogo Jota ließ die Portugal-Fans im Stadion nach artistischer Vorlage von Ronaldo zumindest wieder ein bisschen hoffen. Renato Sanches traf gut zehn Minuten vor Schluss aus 25 Metern den Pfosten (78.). Zuvor war der vor der EM angeschlagene Leon Goretzka zu seinem Turnierdebüt gekommen. Er kam für Havertz (73.) und hätte wenig später beinahe das 5:2 erzielt, als sich sein Fernschuss noch auf die Latte senkte (84.).

dho mit DPA

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