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Altersdiskriminierung Schiedsrichter Manuel Gräfe klagt gegen den DFB – im ZDF kritisiert er das System

Manuel Gräfe
Schiedsrichter Manuel Gräfe verklagt den DFB. Im ZDF äußerte er sich zu den Beweggründen.
© Martin Hoffmann / Imago Images
Es könnte ein spektakulärer Prozess werden: Manuel Gräfe zieht vor Gericht. Im TV äußerte er sich über seine Beweggründe und Reaktionen von anderen Schiedsrichtern.

Die Klage von Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe gegen den Deutschen Fußball-Bund wegen Altersdiskriminierung ist beim Verband eingegangen. Das wurde der Deutschen Presse-Agentur am Freitag bestätigt. Der 47-jährige Berliner hatte seine Karriere am Ende der vergangenen Saison nach 289 Bundesliga-Einsätzen beenden müssen, obwohl er gerne weitergepfiffen hätte – weil er die vorgeschriebene Altersgrenze erreicht hat. 

Am frühen Abend, vor der EM-Partie der Schweiz gegen Spanien, äußerte sich Gräfe live im ZDF zu seinen Beweggründen – der Referee ist während des Turniers als TV-Experte tätig. 

Manuel Gräfe: "Es muss endlich nach Leistung gehen"

"Es muss sich irgendwann mal etwas ändern. Es muss endlich nach Leistung gehen", sagte Gräfe. Es könne nicht sein, dass Alter, Geschlecht, Nationalität oder andere Faktoren darüber entscheiden, wer seinem Beruf nachgehen dürfe und wer nicht. Gräfe glaubt aber nicht, selbst noch einmal aktiv an der Pfeife sein zu dürfen. Aber er weiß, dass die gleiche Frage schon bald auf andere Kollegen zukommen wird – und nannte namentlich Deniz Aytekin.

Gräfe betonte, es gehe nicht um ihn. Es gehe ums System und ums Grundsätzliche. Ihm sei bewusst, dass es keine schnelle Entscheidung geben werde. "Die Gerichtsmühlen mahlen langsam", sagte er. Er rechne mit einer Terminierung in sechs bis zwölf Monaten: "Das wird ein mühsamer Weg – aber hoffentlich ändert sich am Ende etwas."

Im ZDF kritisierte Gräfe zudem das System und dessen Auswirkungen scharf. "Dieses Vorgehen wirkt sich auch an der Basis aus." Er habe mehrere Emails erhalten, in der junge Schiedsrichter beklagten, ihnen würde der Aufstieg in Richtung Profi-Schiedsrichterei verwehrt, weil sie schon "zu alt" seien. "Das ist einfach falsch", sagte Gräfe. Viele Kolleginnen und Kollegen würden entnervt hinschmeißen. Und das werde sich nicht ändern – und dem Verband auf Dauer schaden.

Der DFB will sich nicht zur Klage äußern

Nach dem Eingang der Klage Gräfes wird im nächsten Schritt der DFB vom Gericht zu einer Stellungnahme aufgefordert werden. Öffentlich wird sich der Verband vorerst aber nicht weiter zu dem Vorgang äußern, teilte der DFB mit. 

Quellen: ZDF; mit Material der DPA

sw

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