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EM 2021 im stern-Check Gitarrenklänge, ein Torwart-Pechvogel – und eine Jubel-Nacht in Rot und Weiß

Dänemark jubelt
Ganz Dänemark jubelt über den Einzug ins Achtelfinale nach einer zehntägigen emotionalen Achterbahnfahrt
© Stuart Franklin / AFP
War da was? Ja, da war was: Das Spiel Dänemark gegen Russland wird in die EM-Geschichte eingehen. Das Gitarrenspiel von ein paar deutschen Nationalspielern dagegen eher nicht ... Das und mehr im EM-Check des stern.

So lief der EM-Spieltag

Alle Ergebnisse, Torschützen und Tabellen des EM-Spieltags zum Nachlesen im stern-Ticker.

Darüber spricht die EM

Dänemark, Dänemark und noch mal Dänemark. Die Geschichte rund um das Team von Kapitän Simon Kjaer hat das Zeug dazu, als Sommermärchen 2021 in die EM-Geschichte einzugehen. Erst die dramatischen Bilder vom Zusammenbruch ihres Kapitäns Christian Eriksen. Der fulminante, aber letztlich glücklose Auftritt im Spiel gegen Belgien. Und dann das: die magische Nacht von Kopenhagen, als die Dänen mit der Unterstützung von 25.000 begeisterten Fans im Parken-Stadion zu einem 4:1-Sieg stürmten. Das Spiel, der Jubel, die Gesänge – es gab wohl keinen Fußballfan auf der ganzen Welt, der bei den Bildern am Montagabend keine Gänsehaut hatte. Dänen-Keeper Kaspar Schmeichel bringt es mit seiner Einschätzung auf den Punkt: "Wir alle haben in den letzten zehn Tagen eine turbulente, emotionale Achterbahnfahrt erlebt. Aber das zeigt, was der Fußball leisten kann. Was der Fußball mit einer ganzen Nation machen kann."

Die dänischen Spieler bejubeln das Tor von Andreas Christensen zum 3:1
Die dänischen Spieler bejubeln das Tor von Andreas Christensen zum 3:1
© Hannah McKay / AFP

Verlierer des Tages

Lukas Hradecky, finnischer Nationaltorwart in Diensten von Bayer Leverkusen, kennt das schon: das Gefühl, mit einem Fehltritt zum Depp des Tages zu werden. In der Bundesliga, beim Spiel Bielefeld gegen Leverkusen, semmelte er beim Versuch, einen Rückpass wegzuschlagen, spektakulär am Ball vorbei, die Kugel kullerte ins Tor, Hradecky konnte nur fassungslos den Kopf schütteln. Doch während sein Fauxpas damals keine Konsequenzen hatte (Leverkusen siegte 2:1), leitete Hradeckys unglückliche Aktion im EM-Spiel gegen Belgien die Niederlage der tapfer verteidigenden Finnen ein. In der 74. Minute sprang der Ball nach einem Kopfball von Thomas Vermaelen vom Lattenkreuz des Tores zu Hradecky zurück, der Torwart war verdutzt und schlug die Kugel mit der linken Hand selbst über die Linie. Doppeltes Pech: Der Torhüter war zuvor mit überragenden Paraden einer der besten Männer auf dem Platz. Gegen den Treffer zum 2:0-Endstand von Lukaku war er machtlos. Kleiner Strohhalm für die Finnen: Zumindest haben sie noch die theoretische Chance, als einer der vier besten Gruppendritten ins Achtelfinale zu kommen.

Eigentor Lukas Hradecky
Patsch, ein Eigentor: Finnlands Torhüter Lukas Hradecky war der Pechvogel des Tages
© Anton Vaganov / AFP

Gewinner des Tages

Na klar, die Dänen, wer sonst? Aber weil wir unseren nördlichen Nachbarn hier und an anderer Stelle schon diverse Girlanden geflochten haben, soll ein anderes deutsches Nachbarland gewürdigt werden: Österreich. Jawohl, Österreich, und namentlich der in Hoffenheim kickende Christoph Baumgartner. Dem ist nämlich mit seinem Treffer zum 1:0 Endstand gegen die Ukraine tatsächlich etwas Historisches gelungen. Nein, er hat nicht wie weiland 1978 der Nationalheilige Hans Krankl die Deutschen aus einem Turnier gekickt, aber immerhin sorgte Baumgartners Treffer dafür, dass die Österreicher zum ersten Mal in die K.O.-Runde einer Fußball-EM einziehen.

Der Torschütze selbst konnte seinen Erfolg nur gebremst feiern: "Ich kann es noch nicht realisieren. Mir tut der Schädel richtig weh", sagte Baumgartner, der gut zehn Minuten nach seinem entscheidenden Tor infolge eines Zusammenpralls raus musste. "Ich freue mich für ganz Österreich, jeder Österreicher hat das genossen. Wir haben eine ganz schwierige Zeit hinter uns mit dem ganzen Corona-Dreck – genießt das alles zusammen!" 

Tor Baumgartner
Christoph Baumgartner (l.) trifft im EM-Spiel Österreich gegen die Ukraine zum 1:0-Endstand
© Vadim Ghirda / DPA

Der EM-Moment

Was, nur einer? Beim Spiel Dänemark gegen Russland gab es so viele magische Momente, dass wir diese Rubrik vermutlich bis zum Ende der EM füllen könnten. Den Kunstschuss zum 1:0 etwa, den Mikkel Damsgaard mit rechts in die Maschen netzte, den Hammer von Andreas Kristensen, der gefühlt mit Tempo 200 im Tor des bedauernswerten Russen-Keepers Safonof einschlug. Oder doch die 25.000 Fans, die im Parken-Stadion von Kopenhagen mit ohrenbetäubenden Gesängen ihre Mannschaft feierten? Wir haben uns für einen vergleichbar stillen Jubel entschieden. Ganz am Ende, als das dänische Team bereits vier Ehrenrunden absolviert hatte, riefen die Fans Chefcoach Kasper Hjulmand noch einmal ganz allein vor die Südtribüne, weil er es war, der diese Mannschaft durch die schwere vergangene Woche geführt hatte. Und auch nach dem Spiel fand Hjulmand die richtigen Worte: "Der Mut, der Zusammenhalt, die Freundschaft dieser Spieler: Davor ziehe ich meinen Hut. Diese Fußballer haben sich in die Herzen der Dänen gespielt. Sie haben den Mädchen und Jungen zu Hause einige Idole gegeben."
 

Dänemark Trainer Kasper Hjulmand
Trainer Kasper Hjulmand wird von den dänischen Fans gefeiert
© Hannah McKay / AFP

Und die Deutschen?

Sagen wir so: Wenn die aufsehenerregendste Neuigkeit aus dem DFB-Quartier mit Musik zu tun hat, dann ist die Welt der Nationalmannschaft in Ordnung. Am Abend machte gestern ein Video die Runde, das Jungnationalspieler Robin Koch "geleakt" hat. Zu sehen (und auch zu hören) ist eine Akustik-Session, in der Joshua Kimmich, Kevin Volland und Serge Gnabry zur Gitarre greifen und flankiert von Mats Hummels und Kevin Trapp den 4-Non-Blondes-Hit "What's up!" anstimmen.

Sportlich ist die Situation für Bundestrainer Joachim Löw etwas komplizierter. Hummels, Gündogan und vor allem Müller sind angeschlagen und müssen in der Partie gegen Ungarn am Mittwoch womöglich ersetzt werden. Insbesondere bei Thomas Müller scheint die Diagnose (Kapselverletzung) nichts Gutes zu verheißen. Auch wenn sein Kollege Leon Goretzka auf der Pressekonferenz launig vermerkt hat: "So, wie er sich am Vormittag im Pool bewegt hat, glaube ich, dass sein Einsatz nicht ausgeschlossen ist."

Das steht heute an

Vom Namen her ist Tschechien gegen England (ab 21 Uhr ARD und Magenta TV) zwar das womöglich spektakulärere Duell, doch beide Kontrahenten haben ihr Ticket fürs Achtelfinale schon sicher. Beide Teams haben bereits vier Punkte auf dem Konto. Um einiges dramatischer dürfte es in Glasgow beim Aufeinandertreffen von Vize-Weltmeister Kroatien und Gastgeber Schottland werden (21 Uhr Magenta TV). Nur der Sieger der Partie erreicht die K.o.-Runde.


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