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Wembley-Stadion Ohne Ticket, ohne Test: Teenager dokumentiert, wie er sich ohne Probleme ins EM-Finale stehlen konnte

Der TikTok-Star J2hundred fand eine Lücke im Zaun
Der TikTok-Star J2hundred fand eine Lücke im Zaun
© Screenshot YouTube / J2hundred
Viele Briten hätten gern das EM-Finale im Stadion verfolgt, ergatterten aber keine Tickets mehr. So auch ein Teenager – der aber trotzdem einen Weg in die Arena fand. Die Uefa muss sich Fragen gefallen lassen.

Trotz der soliden Leistung der englischen Mannschaft war das Finale der Fußball-EM kein Glanzstück für Großbritannien. Und das hatte nichts mit dem Geschehen auf dem Rasen zu tun, sondern mit den Ereignissen drumherum. Die britischen Fans sorgten schnell für Unmut, als sie mehrmals bei der Hymne der gegnerischen Mannschaften buhten. Hooligans attackierten Fans anderer Teams, versuchten sich gewaltsam Einlass ins Wembley-Stadion zu verschaffen – und eskalierten nach der englischen Niederlage im Elfmeterschießen auf unschönste Art und Weise. Es kam dabei auch zu rassistischen Attacken.

Die Uefa, die die EM-Turniere veranstaltete, musste sich nicht nur deshalb Kritik gefallen lassen. Immer wieder wurde auch die Frage gestellt, ob während der Corona-Pandemie tatsächlich Spiele mit zehntausenden Zuschauern stattfinden sollten, für die Fans zudem durch halb Europa anreisten. Die beschwichtigende Antwort: Sowohl aggressive Fans als auch Menschen, die möglicherweise mit dem Virus infiziert wären, sollten durch strikte Sicherheits- und Hygienemaßnahmen ferngehalten werden. Dass es mit beidem allerdings nicht wirklich klappte, bewies nun ausgerechnet ein Teenager.

Der Junge fand eine offene Tür

In einem Video zeigte der junge TikTok-Star J2hundred, wie er zum Finale nach London reiste. Er hoffte, noch irgendwo ein Ticket ergattern zu können, scheiterte jedoch. Auch ein Wachmann wollte ihn gegen Bestechungsgeld nicht ins Wembley-Stadion lassen. Mit einem lapidaren "Ich mag meinen Job" schickte er den Jungen weg. Doch J2hundred sah eine Gruppe anderer Fans, die ebenfalls das Spiel sehen wollte und keine Tickets hatte. Er folgte ihnen ein Stück, bis er eine Lücke im provisorisch aufgestellten Sicherheitszaun bemerkte. Er schlüpfte hindurch.

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Allerdings entpuppte sich diese Idee als Sackgasse. Der Teenager drehte wieder um und hielt nach einer weiteren Lücke im Zaun Ausschau. Er fand eine – direkt vor einem Notausgang. Problemlos konnte er sich erst durch den Zaun, dann durch die Tür schleichen. Im Stadion angekommen, konnte J2hundred sein Glück selbst sichtlich kaum fassen. Niemand kontrollierte ihn, niemand wollte sein Ticket sehen, niemand einen negativen Corona-Test. Ungehindert suchte er sich einen Platz, der sonst sicher hunderte Euros gekostet hätte.

Ein Abenteuer, das die Uefa beschämen dürfte

"Das war ein Zeichen Gottes, es war unser Schicksal, jetzt im Stadion zu sein – die Tür war einfach einen Spalt weit offen!", sagt er in seine Kamera. Und dann, etwas besorgt: "Wir haben hier etwas wirklich Wahnwitziges gemacht." Doch was für den filmenden Teenager ein Abenteuer war, ist beschämend für die Uefa und die englischen Verantwortlichen. Denn J2hundred hätte auch jeder andere sein können – ein Terrorist, ein gewaltbereiter Hooligan. Er hätte andere Fans mit Corona anstecken können. Das vielbeschworene Sicherheits- und Hygienekonzept – an diesem Abend war es offenbar nicht so perfekt, wie die Veranstalter zuvor behaupteten.

Rechtliche Folgen drohen dem Teenager übrigens wohl nicht: Um den Tatbestand des Hausfriedensbruchs oder des gewaltsamen Eindringens zu erfüllen, hätte er Türen oder Zugänge aufbrechen, beschädigen oder manipulieren müssen – aber ihm stand ja einfach alles offen.

Quellen:  Youtube"The Independent"

wt

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