EM-Qualifikationsspiel Desolater Auftritt der deutschen Nationalmannschaft


Die Zeiten als Spitzenteam sind vorbei: Die deutsche Nationalelf entging nur haarscharf mit einem 2:0 gegen die Färöer-Inseln (Nr. 113 auf der Weltrangliste!) einer totalen Blamage.

"Joker" Miroslav Klose und Fredi Bobic haben die deutsche Nationalmannschaft mit Last-Minute-Toren vor einer Riesen- Blamage gegen Fußball-Zwerg Färöer-Inseln bewahrt. Durch das 15. Länderspieltor des eingewechselten Lauterers in der 89. Minute und den Treffer des künftigen Berliners in der Nachspielzeit gewann die enttäuschende Auswahl von Teamchef Rudi Völler am Mittwochabend in Torshavn mit 2:0 (0:0) gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Insel-Kicker und verteidigte die Tabellenführung in der Qualifikationsgruppe 5 vor Island. Klose hatte bereits beim glücklichen 2:1-Hinspielsieg in Hannover den Treffer zum glücklichen 2:1 für den Vize-Weltmeister erzielt.

Vor 6500 Zuschauern im ausverkauften Törsvöllur-Stadion und zahlreichen Zaungästen auf den umliegenden Hügeln stellte die deutsche Mannschaft mit einer desolaten Vorstellung einmal mehr unter Beweis, dass sie ein Jahr nach der Vizeweltmeisterschaft kein Spitzenteam mehr ist. Nach der Sommerpause startet das DFB-Team am 6. September in Reykjavik gegen Island in den "heißen Herbst" der EM-Qualifikation. Dann muss der künftige Bayern-Spieler Tobias Rau nach seiner zweiten Gelben Karte im Wettbewerb zuschauen.

Die deutsche Mannschaft spielte ideen- und konzeptlos

Kurzfristig musste die deutsche Mannschaft in Torshavn auf Michael Ballack verzichten. Bei dem 26-jährigen Mittelfeldstar des FC Bayern München hatten sich am Dienstagabend erneut Beschwerden in der Wade eingestellt, die sich auch durch die intensive Behandlung am Spieltag nicht besserten. "Die Muskulatur ließ sich nicht wieder lockern", sagte Trainer Michael Skibbe, der bei Ballacks Verletzung von einem "funktionellen Compartment-Syndrom" sprach. Für den enttäuschten Münchner kam der Dortmunder Sebastian Kehl zum Einsatz.

Ohne ihren "Leitwolf" rannte die Völler-Elf gegen die häufig mit zehn Spielern verteidigenden Freizeitkicker der Schafsinseln, die in der Weltrangliste an 113. Stelle geführt werden, geradezu erschreckend ideen- und konzeptlos an. Wie schon vier Tage zuvor in Glasgow gegen Schottland beging die Mannschaft den Fehler, nur auf die Karte Kampf zu setzen. Hinzu kamen technische Unzulänglichkeiten, die nicht allein mit der mangelnden Qualität des Rasens zu begründen waren. Trotz deutlicher Feldvorteile gelang es der Mannschaft nur äußerst selten, den Ball über mehr als drei Stationen laufen zu lassen. Zudem wirkten einige Akteure übereifrig. Indiz dafür war eine Rangelei zwischen Carsten Ramelow und Christian Hagni Jacobsen, nach der der Leverkusener am Rande eines Platzverweises stand.

Ballack-Vertreter völlig überfordert

Kehl und Bernd Schneider waren als Ballack-Vertreter in der Schaltzentrale völlig überfordert. Und auch von den Flügeln kam wie schon in Glasgow nichts Verwertbares. Paul Freier, der den gelb-gesperrten Torsten Frings vertrat, und Rau unterstrichen, dass ihnen noch die internationale Reife fehlt. In vorderster war Fredi Bobic erneut der Einzige, der Torgefahr ausstrahlte. Der Hannoveraner hatte gleich zwei Mal mit Pfostenschüssen Pech. An seiner Seite erwies sich der für den formschwachen Miroslav Klose ins Team gekommene Oliver Neuville nicht unbedingt als Gewinn.

Regen, stürmischer Wind und Temperaturen um zehn Grad gaben dem Saisonabschluss der deutschen Nationalelf einen herbstlichen Rahmen. Auf dem engen Platz, der gerade noch internationalen Maßstäben entspricht, dauerte es bis zur 18. Minute, ehe Kehl bei einem Drehschuss die erste deutsche Chance auf dem Fuß hatte. Fünf Minuten später hätte Färöer-Keeper Jakup Mikkelsen Bobic den Ball mit einem völlig missglückten Abschlag beinahe maßgerecht zum 1:0 aufgelegt, doch der künftige Hertha-Stürmer scheiterte am Innenpfosten.

Kahn verließ nach der Halbzeit den Platz

Erneut im Pech war Bobic kurz vor der Pause, als Thorsteinsson seinen Kopfball gegen den Pfosten lenkte. Anschließend rutschte Wörns an einer Rau-Flanke vorbei. Dass die deutsche Abwehr jederzeit auf der Hut sein musste, wurde im Gegenzug deutlich, als Kehl im letzten Moment vor Rogvi Jacobsen zur Ecke klären konnte. Danach war die Partie für Oliver Kahn beendet. Wegen Sehstörungen räumte der an einer Entzündung am Auge laborierende Kapitän nach der Pause seinen Platz zwischen den Pfosten für Frank Rost.

Als bei den Insel-Kickern die Kräfte nachließen, setzten sich die Deutschen regelrecht am Strafraum der Gastgeber fest. Mit der Einwechslung von Klose für Jens Jeremies gab Rudi Völler das Zeichen zur totalen Offensive. Doch das Glück war dem Team weiterhin nicht hold. In der 65. Minute prallte ein 16 m-Knaller von Ramelow vom Pfosten ins Feld zurück.

Oliver Hartmann und Jens Mende


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