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Erste Bundesliga: Dortmund deklassiert Hamburg

Sommerpause? Als ob es die Unterbrechung nie gegeben hätte, knüpfte Borussia Dortmund nahtlos an die Vorsaison an. Der Gast von der Elbe hatte nie eine Chance auf einen Punktgewinn. Am Ende hieß es 3:0 und die Fans bejubelten vor allem einen Star, der in der letzten Saison der Aufsteiger der Saison gewesen war.

Borussia Dortmund startete so in die Saison, wie es die letzte Spielzeit beendet hatte. Traumhafte Kombinationen überforderten den Hamburger SV und führten zwangsläufig zu Toren von Kevin Großkreutz (17. + 48.) und Mario Götze (29.). Weitere Großchancen wurden in Serie vergeben. Das Mittelfeld der Gelb-Schwarzen beherrschte die Partie mit Pässen, die auch bei höchstem Tempo fast immer den Mitspieler fanden.

Der Gast von der Elbe zeigte in den ersten zehn Minuten noch passable Ansätze, mehr aber nicht. Danach erstarrten die Hanseaten in Ehrfurcht, kamen nicht in die Zweikämpfe und boten auch offensiv über weite Strecken eine schwache Darstellung. Erst als die Dortmunder ihre Bemühungen deutlich reduzierten, waren sie in der Lage, Akzente zu setzen und kamen durch Robert Tesche (78.) zum Ehrentreffer.

Klopp muss auf drei Stammkräfte verzichten

Ein Auftakt ist immer etwas Besonderes, um so mehr, wenn er vor ausverkauftem Haus und live im Free-TV stattfindet. Die Dortmunder starten als Meister in diese Saison, haben das Ziel Titelverteidigung aber nicht offiziell ausgegeben. Die Gäste aus Hamburg entlasteten sich in der Sommerpause um einige finanzielle Schwergewichte, folglich sollten die Ansprüche an der Elbe nicht allzu hoch sein, zumal das letzte Vorbereitungsspiel gegen Valencia mit 1:2 verloren wurde.

Beide Trainer konnten nicht ihre Wunschelf aufbieten. Torjäger Lucas Barrios fehlte neben dem ebenso verletzten Marcel Schmelzer bei den Hausherren und kurzfristig musste Jürgen Klopp auch noch auf Neven Subotic aufgrund einer Zerrung verzichten. Robert Lewandowski, Chris Löwe und Felipe Santana erhielten deshalb eine Chance von Beginn an.

Auf der Gegenseite fiel Heung-Min Son wegen einer Grippe aus. Überraschend vertraute Michael Oenning im defensiven Mittelfeld nicht David Jarolim. Stattdessen setzte er auf Gojko Kacar und Tomas Rincon. Den Platz von Son nahm Paolo Guerrero ein, der wie Rincon nach der Copa America nur ein Testspiel mit den Kollegen absolviert hatte - jene Niederlage gegen den FC Valencia.

BVB vergibt erste Chancen

Der Hamburger SV gestaltete anfangs die Partie ausgeglichen. Doch schon in der vierzehnten Minute begann das erwartete Unheil dann doch seinen Lauf zu nehmen. Shinji Kagawa zog nach feiner Vorarbeit von Mario Götze aus 18 Metern ab. Nur knapp strich das Leder über das Gehäuse von Jaroslav Drobny.

Die zweite Chance sollte die Führung bringen. Nach einer Balleroberung von Lukasz Piszczek gegen Guerrero schaltete der BVB schnell um und konterte die Gäste aus. Über Lewandowski und Götze landete das Leder bei Kevin Großkreutz, der Drobny keine Chance ließ und den Ball aus vierzehn Metern an den Innenpfosten bugsierte. Von dort sprang das Leder über die Linie.

Ab sofort war die Defensive der Hanseaten gegen die ungemein flinken und technisch beschlagenen Dortmunder völlig überfordert. Immer, wenn das Spiel des Gastgebers Tempo aufnahm, fehlte den Gästen körperlich und gedanklich die Schnelligkeit. Kagawa hatte innerhalb von drei Minuten zwei Großchancen, traf aber nur den Pfosten bzw. schoss neben das Tor (26.+28.).

Zuckertore nach Angriffen wie aus einem Guss

Der zweite Treffer war nur eine Frage der Zeit und nur eine Minute später klingelte es erneut im Hamburger Kasten. Lewandoswki vollendete einen Doppelpass mit Götze per Hacke. Der Aufsteiger der letzten Saison tauchte frei vor Drobny auf und hob die Kugel locker über den Keeper hingweg zum 2:0 ins Tor.

Das Feuerwerk der Dortmunder war aber noch lange nicht beendet. Der HSV kam nicht in die Zweikämpfe, hatten nun aber immerhin das Glück, dass der überlegene Gegner seine Aktionen nicht mehr konsequent finalisierte.

Dennoch wurden die Herzen der Gästefans nicht glücklicher. Guerrero fasste sich an den Oberschenkel und musste noch kurz vor dem Pausenpfiff gegen Änis Ben-Hatira ausgetauscht werden. Neuzugang Ilkay Gündogan vergab per Volleyschuss noch eine letzte Chance knapp, dann durften die Hamburger und die Fans im Stadion nach einer atemberaubenden ersten Hälfte fünfzehn Minuten durchatmen.

Großkreutz bejubelt zweiten Treffer

Oenning nahm zu Wiederbeginn schon seinen zweiten Wechsel vor. Marcell Jansen sollte dem Team mehr Kompaktheit verleihen, wozu zuvor Elia 45 Minuten lang nicht in der Lage gewesen war. Diese Maßnahme blieb aber ohne Erfolg. Bezeichnend dafür war das dritte Gegentor in der 49. Minute.

Die Hamburger spielten körperlos gegen die weiterhin explodierenden Dortmunder. Dem überragenden Götze erlaubten sie einen Doppelpass mit Kagawa, dann mit Sven Bender. Schließlich bediente der Nationalspieler Großkreutz, der im Nachschuss gegen Drobny sein zweites Tor erzielte. Die Partie war frühzeitig entschieden.

In der 54. Minute schöpfte der eine oder andere mitgereiste Rauten-Anhänger Hoffnung, als der Ball tatsächlich im Kasten der Westfalen lag. Doch Jansen hatte Roman Weidenfeller, der ansonsten weitgehend beschäftigungslos war, im Fünfmeterraum angegangen, weshalb Schiedsrichter Felix Brych dem Treffer zu Recht die Anerkennung versagte.

Feierstimmung am ersten Spieltag in Dortmund

Die letzte halbe Stunde beschränkten sich die Borussen weitgehend darauf, den komfortablen Vorsprung zu verteidigen. Sie schalteten einen Gang zurück, waren aber immer gefährlich. Gojko Kacar und Tomas Rincon holten sich Verwarnungen ab. Immerhin erwischten sie nun also die Gegenspieler, was beispielsweise Heiko Westermann zuvor weitgehend misslungen war.

Die Dortmunder Fans hatten kurzzeitig nur Hohn und Spott für den Gegner übrig, der weit von Bundesligamittelmaß entfernt war, allerdings auch auf einen erstklassigen Gegner traf, der im Mittelfeld enorm passsicher agierte und so an manchen internationalen Topclub erinnerte. Das änderte sich für einen kurzen Moment.

Denn der eingewechselte Robert Tesche verwertete einen Nachschuss (78.). Zuvor war Jansen per Kopball an dem auf der Torlinie stehenden Kagawa gescheitert. Die Dortmunder waren danach für einen Moment unsortiert. Töre marschierte über das halbe Feld, legte für Jansen auf. Dessen Flachschuss aus 14 Metern ließ Weidenfeller prallen. Mats Hummels beförderte das Leder aber aus der Gefahrenzone.

Nun waren auch mal die Hamburger Fans zu hören. Die Dortmunder verstanden das Signal, agierten nun wieder konzentrierter und verteidigten den Vorsprung bis zum Schlusspfiff. Am nächsten Spieltag muss die Klopp-Truppe nach Sinsheim reisen. Der HSV wird gegen den Aufsteiger Hertha BSC Berlin bereits unter Druck stehen.

Uwe Toebe

sportal.de / sportal

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