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Europa League: Ricardo Moniz - Die letzte Hoffnung für den HSV

Beim Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Fulham heißt es für den HSV: Alles oder nichts! Nachdem Bruno Labbadia den Platz des Cheftrainers räumen musste, soll jetzt Ricardo Moniz das sinkende Schiff über Wasser halten. Wer ist der Mann?

Bisher war Ricardo Moniz nur ein kleines Rädchen im Trainerteam des Hamburger SV, nun ist er selbst das Uhrwerk. Seit der Entlassung von Bruno Labbadia verdeutlicht der 45-Jährige den zuletzt so schlappen Profis des HSV, was die Stunde geschlagen hat. In verantwortlicher Position, auf Interimsbasis, bis zum Ende der Saison. In gut zwei Wochen soll Moniz mit seiner authentischen und gradlinigen Art bei den Hanseaten retten, was noch zu retten ist.

Im Halbfinal-Rückspiel der Europa League am Donnerstagabend beim englischen Premier-League-Klub FC Fulham sitzt der Nobody zum ersten Mal in seiner Trainerlaufbahn als Chef auf der Bank. "Um ehrlich zu sein, habe ich damit selbst nicht gerechnet. Aber warum sollte ich lügen? Natürlich ist das eine großartige Erfahrung", sagt der Niederländer, der 2008 von Martin Jol als Techniktrainer nach Hamburg geholt worden war.

Trotz seiner plötzlichen Prominenz drängt Moniz jedoch nicht ins Rampenlicht. "Es gibt genug Trainer, die sich oft zu wichtig machen. Es geht jedoch einzig und allein um die Mannschaft. Mein Job ist es, für die Spieler da zu sein und ihnen Selbstvertrauen zu geben", sagt Moniz und betont, dass er sich nach der unverhofften Beförderung nicht ändern werde: "Man muss sich selbst treu bleiben. Sonst verliert man an Glaubwürdigkeit." So wurde das Aufstellen der Hütchen beim Abschlusstraining in London zur Chefsache.

Bei der Mannschaft kam Moniz ohnehin schon immer gut an. "Er ist ein Fußball-Verrückter - im positiven Sinne. Ricardo weiß, was er tut und was nötig ist, um die Spannung zu erhöhen. Solche Leute findet man nicht oft", sagt Stürmer Mladen Petric. So riss der bisherige Assistenzcoach Moniz die Profis im Training schon mal durch kleine Fouls bewusst aus ihrer Lethargie. "Da ist man zu Anfang schon ein bisschen erschrocken. Aber das ist okay", sagt Petric.

Was nach der Saison passiert, ist noch ungewiss

Dass all die Wertschätzung am Ende sogar in ein langfristiges Engagement von Moniz als Chefcoach mündet, scheint jedoch beinahe ausgeschlossen. Eine Verlängerung des am Saisonende auslaufenden Vertrags kam bisher nicht zustande. Angeblich soll der Ex-Profi ab der kommenden Spielzeit die Fußball-Projekte des Brauseherstellers Red Bull vorantreiben und steht beim ehemaligen HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer für ein derartiges Engagement im Wort. "Ich habe nur gesagt, dass es so eine Anfrage gibt - mehr nicht. Ich gebe 200 Prozent für den HSV", sagt Moniz. HSV-Boss Bernd Hoffmann kämpft darum, den Niederländer auch zukünftig in Hamburgs Trainerstab zu halten.

"Wir waren immer von seiner Arbeit überzeugt und sind in Gesprächen. Natürlich wollen wir, dass er bei uns bleibt. Ricardo Moniz ist unglaublich engagiert, extrem positiv, leidenschaftlich und emotional." Bei derartigem Lob von höchster Stelle scheint es verwunderlich, dass man den Coach nicht schon frühzeitig länger an den Verein gebunden hat.

Bei den Anhängern würde eine Trendwende bezüglich Moniz' Zukunft wohl in jedem Fall auf Gegenliebe stoßen. Schließlich hat der Trainer bereits seit Sommer 2008 einen eigenen Fanklub. Für die anstehenden Wochen gab es von Gründer Torsten Schrödinger schon einmal kräftig Aufmunterung: "Du schaffst das Ricardo. Du bist der Beste."

SID / SID

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