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Europa League Schalke blamiert sich, Hannover trumpft auf


Nach dem 5:0 im Hinspiel hofften die Schalker auf einen hohen Heimsieg gegen Larnaka. Daraus wurde nichts. Beim 0:0 blamierte sich Schalke bis auf die Knochen. Hannover 96 spielte dagegen seine Stärken aus und siegte 2:1 beim FC Kopenhagen.

"Königsblau" hat sich in der Europa League bis auf die Knochen blamiert. Der Fußball-Bundesligist kam am vierten Gruppenspieltag vor 52.077 Fans in der eigenen Arena gegen den krassen Außenseiter AEK Larnaca nicht über ein 0:0 hinaus. Im Hinspiel hatten die Gelsenkirchener die Zyprer noch mit 5:0 überrannt. Hannover 96 zeigte dagegen eine starke Leistung und siegte beim FC Kopenhagen mit 2:1. Nach einem zwischenzeitlichen Rückstand drehten Schlaudraff und Stindl die Partie für die Niedersachsen, die nun beste Chancen haben, die nächste Runde zu erreichen.

Unnerstall bewahrt "Knappen" vor Niederlage

Bei Schalke stimmte nichts - keine Einstellung, keine Spielkultur. Kurz vor dem Schluss musste Klaas-Jan Huntelaar nach einem Zusammenstoß mit Joel Matip auch noch mit einer Gesichtsverletzung vom Platz, Schalke bestritt die letzten zehn Minuten in Unterzahl.

Am Ende bewahrte der junge Torhüter Lars Unnerstall sein Team mit einer Serie von Glanztaten sogar noch vor einer durchaus möglichen Niederlage. Zwei Minuten vor dem Ende rettete er nochmals in höchster Not. Dank eines 4:2-Sieges von Steaua Bukarest gegen Maccabi Haifa bleiben die Schalker mit acht Punkten in der Gruppe J trotz des blamablen Auftritts weiter Tabellenführer.

Schalkes Trainer Huub Stevens hatte seine Startelf entgegen der Ankündigung auf einigen Positionen umgestellt. Stammkräfe wie Jefferson Farfan oder Lewis Holtby saßen zunächst nur auf der Bank. Stürmer-Star Raúl war erst gar nicht im Kader, der Spanier wurde für das Bundesliga-Duell am Samstag gegen Hannover geschont. Angeschlagen fehlten zudem Kapitän Benedikt Höwedes und Jermaine Jones.

Das Zeichen kam beim restlichen Personal von Trainer Huub Stevens offenbar völlig falsch an: Schalke trat ohne Esprit, ohne Biss, ohne Ideen auf. Eine einzige gefährliche Szene mit einem Kopfball von Ciprian Marica (30.) - die Gastgeber fielen in einen Tagschlaf. Und den hätte der Außenseiter fast genutzt: Erst versuchte es Njongo Priso (30.), dann Gonzalo Garcia (32.), schließlich tauchte Sunny Kingsley (33.) allein vor dem Schalke-Tor auf.

Zum Glück für die "Knappen" war ihre neue Nummer 1 hellwach. Während Ex-Nationalkeeper Timo Hildebrandt 14 Tage nach seiner Vertragsunterschrift noch immer nicht in den Kader kam und nur auf der Tribüne saß, bewies der junge Unnerstall sein Können. Dem 21-Jährigen galten als einzigem Schalker die Pfiffe nicht, die immer lauter wurden. Hildebrand war kurzfristig für die Europa League nachgemeldet worden, da Ralf Fährmann wegen eines Kreuzbandrisses noch länger fehlt. Unnerstall wurde zum besten Schalker: Auch der allein durchgebrochene Miljan Mrdakovic konnte ihn nicht überwinden (66.).

Huntelaar hatte auch gegen die Zyprer, die im Hinspiel noch mit 5:0 - der höchste Auswärtssieg in der Schalker Europacup-Geschichte - vom Platz gefegt wurden, "100 Prozent Leistung" gefordert. Davon aber waren die Gelsenkirchener meilenweit entfernt. Joel Matip wurde nach einem Solo über den halben Platz noch in letzter Sekunde geblockt (40.), dann nahm die Blamage seinen Lauf. Auch die Einwechslungen von Ferfan und Holtby verpufften, Jungnationalspieler Holtby scheiterte frei an Larnaka-Torwart Marco Fortin (65.).

Stindl mit Gala-Vorstellung

Hannover 96 sorgt in Europa dagegen weiter für Furore und bleibt in dieser Saison auf internationalem Parkett unbezwungen. Nach einem 2:1 (0:0) im viertem Gruppenspiel der Europa League beim FC Kopenhagen hat das Team von Trainer Mirko Slomka beste Chancen, in die K.o.-Runde einzuziehen. Jan Schlaudraff (71. Minute) und Lars Stindl (74.) mit einem Traumtor belohnten am Donnerstag die Steigerung der Gäste nach der Pause, nachdem Dame N'Doye Kopenhagen vor 27.853 Zuschauern in Führung gebracht hatte. Punktgleich mit Standard Lüttich (je 8) steht 96 in der Gruppe B auf Rang zwei schon vier Zähler vor den Dänen.

Nach dem Last-Minute-Ausgleich von Kopenhagen im Hinspiel (2:2) zeigten die Hannoveraner im Parken-Stadion viel Engagement und betrieben hohen Laufaufwand. Zunächst aber erarbeitete sich der Gastgeber mehr Spielanteile. Der dänische Meister wirkte präsenter. N'Doye zielte knapp vorbei (29.). Bei einer Abwehr von Emanuel Pogatetz und einem Fehler von Schlussmann Ron-Robert Zieler, der eine Flanke von Johnny Thomsen abprallen ließ, hatte Hannover Glück, dass Kopenhagen keine Kapital daraus schlug.

Rund 10.000 Fans hatten die 96er nach Kopenhagen begleitet, "außergewöhnlich und besonders, das ist genug Motivation", bemerkte Trainer Slomka. Im sechsten Match auf der europäischen Bühne nach 19 Jahren Pause besaßen dann die "Roten" durch Stindl die Riesenchancen zur Führung. Mohammed Abdellaoue war zur Grundlinie durchgebrochen, seine Eingabe aber köpfte Stindl aus zehn Metern neben das Tor (40.).

Auf der Gegenseite machte Christian Bolanos aus Costa Rica, der mit seinem Nationalteam schon bei der WM 2006 beim 2:4 gegen das deutsche Team auf dem Platz gestanden hatte, den Hannoveranern viel Mühe. Sein Versuch verfehlte aber auch das Ziel (35.). Ein Feuerwerk brannten zunächst nur die 96-Fans aber. Sogar während des Spiels zündeten sie Bengalos, die den eigenen Keeper Zieler störten. Nach der Pause war weiter Stindl Hannovers Hauptdarsteller. Nach seiner Eingabe kam Abdellaoue einen Schritt zu spät. Ein Freistoß des 23-Jährigen (54.) streifte das Außennetz. Und auch sein 20-Meter-Schuss (61.) ging vorbei. Doch die stärker werdenden Gäste belohnten sich nach dem Gegentor von N'Doye noch: Erst traf Schlaudraff nach Ecke, dann machte Stindl doch noch seine "Kiste". In den beiden letzten Gruppenspielen muss Hannover in Lüttich (30. November) und gegen Poltawa (15. Dezember) ran.

Die übrigen Ergebnisse

Gruppe A: Rubin Kasan - Tottenham Hotspur 1:0; Shamrock Rovers - PAOK Saloniki 1:3 - Gruppe B: Worskla Poltawa - Standard Lüttich 1:3 - Gruppe C: Legia Warschau - Rapid Bukarest 3:1; PSV Eindhoven - Hapoel Tel Aviv 3:3 - Gruppe D: FC Vaslui - Sporting Lissabon 1:0; Lazio Rom - FC Zürich 1:0 - Gruppe E: Maccabi Tel Aviv - Stoke City 1:2; Besiktas Istanbul - Dynamo Kiew 1:0 - Gruppe F: FC Salzburg - Athletic Bilbao 0:1; Paris St. Germain - Slovan Bratislava 1:0 - Gruppe G: Metalist Charkow - Malmö FF 3:1; Austria Wien - AZ Alkmaar 2:2 - Gruppe H: SC Braga - NK Maribor 5:1; Birmingham City - FC Brügge 2:2 - Gruppe I: Celtic Glasgow - Stade Rennes 3:1; Atlético Madrid - Udinese Calcio 4:0 - Gruppe J:Steaua Bukarest - Maccabi Haifa 4:2 - Gruppe K: Twente Enschede - Odense BK 3:2; FC Fulham - Wisla Krakau 4:1 - Gruppe L: AEK Athen - Lokomotive Moskau 1:3; RSC Anderlecht - Sturm Graz 3:0

dho/DPA DPA

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