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Experte zu Liverpool-Torhüter: Patzer im CL-Finale: Wie kann ein Profisportler mit so einem bitteren Erlebnis umgehen?

Loris Karius stand beim FC Liverpool schon länger in der Kritik und dann diese Fehler im Champions-League-Endspiel - was macht das mit einem Profisportler und wie wird er den Abend wieder los? Fragen an einen Sportpsychiater.

Loris Karius

Liverpools Torhüter Loris Karius nach dem Schlusspfiff des Champions-League Finales

DPA

Herr Freyer, wie haben Sie die beiden Fehler von Loris Karius im Finale gegen Real Madrid gesehen.

Das waren schon heftige Patzer und ich bin sicher, dass sie miteinander zusammenhängen. Allein schon deswegen, weil die gegnerischen Spieler wissen, wie sehr so ein Missgeschick verunsichern kann. Das versuchen sie natürlich auszunutzen. Und dann sind Torhüter im Vergleich zu Feldspielern in der besonderen Situation, insgesamt nur sehr wenige, aber spielentscheidende Szenen zu haben. Sich nach einer verunglückten Situation den Kopf wieder freispielen zu können, ist daher viel schlechter möglich.

Was soll Loris Karius nun damit umgehen?

Am wichtigsten ist, wie andere nun mit ihm umgehen. Wie sein Umfeld - der Verein, der Trainer, die Mitspieler, Freunde und Familie - ihn behandeln und unterstützen. Sollte von dieser Seite zu wenig Verständnis, Offenheit, Reflektionsmöglichkeit kommen, besteht durchaus die Gefahr, dass er psychisch in die Knie geht.

Was ist mit der Öffentlichkeit?

Natürlich tragen auch die Medien und Fans eine Verantwortung. Denn die öffentliche Meinung zu ignorieren oder gar vollständig auszublenden, ist schlicht unmöglich.

Wird Karius den Abend jemals wieder los?

Wie gesagt, die Weichen für eine erfolgreiche Verarbeitung werden jetzt gestellt. Wenn alles gut geht, dann denkt er in fünf Jahren vielleicht mit Schaudern an diesen Abend zurück, aber das wird keinen Einfluss auf sein Leben und den Sport haben. Aber: Da kommt wie so oft mehr zusammen. Karius war ja schon vor dem Finale umstritten, es gab Gerüchte, laut denen sich Liverpool nach einem neuen Torwart umschaut. So etwas hilft einem Sportler natürlich gerade in so einer Situation wie jetzt nicht unbedingt.

Verstehen Sie, wenn man sagt: Er soll sich nicht so anstellen, so ist eben der Profi-Fußball.

Das ist zwar sehr stark heruntergebrochen, aber klar, am Ende läuft es in unserer Leistungsgesellschaft darauf hinaus. Trotzdem sollte man nicht müde werden zu betonen, dass es uns allen besser gehen würde und der Abruf von Maximalleistungen auf Dauer besser gelingen würde, wenn eine konstruktivere und wertschätzende Fehlerkultur an den Tag gelegt werden würde.




Interview: Niels Kruse

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