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Fast-Meister Borussia Dortmund Die schwarz-gelbe Maschine läuft heiß


Bayern und Schalke geschlagen – der Titel ist Dortmund nicht zu nehmen. Aber: Das frühe Aus in der Champions League war ein großer Vorteil. Die internationale Reifeprüfung steht aus.
Ein Kommentar von Tim Schulze

Wie soll man das Phänomen Borussia Dortmund beschreiben? Nennen wir zunächst einmal eine Zahl: Mit dem Derbysieg über den Erzrivalen Schalke 04 hat der Titelverteidiger einen beeindruckenden Rekord aufgestellt. Seit 25 (!) Liga-Spielen ist Dortmund nun ungeschlagen. Das ist die beste Serie, die je eine Bundesliga-Mannschaft innerhalb einer Saison hingelegt hat. Die letzte Niederlage gab es am 18. September 2011 gegen Hannover, mit 1:2 verlor das Team von Jürgen Klopp damals in der niedersächsischen Hauptstadt.

72 Punkte hat Dortmund jetzt schon gesammelt und thront wie ein König an der Spitze der Liga. In einer Woche haben die Dortmunder Wolfsburg rasiert, mit großer Klasse die Bayern geschlagen und sich in einem rassigen Derby gegen starke Schalker durchgesetzt. Das war die Meisterkür, in jeder Hinsicht. Noch ist die erneute Meisterschaft nicht fix. Es stehen drei Spiele aus: Die Gegner heißen Mönchengladbach, Kaiserslautern und Freiburg. Dennoch glaubt niemand ernsthaft, dass Dortmund den Titel aus der Hand gibt.

Ohne zu überhitzen

Es gab nur eine Phase in dieser Saison, in der sie etwas schwachbrüstig daher kamen. Da verloren sie in Hoffenheim und, man glaubt es kaum, zu Hause gegen Hertha BSC Berlin. Danach, am 7. Spieltag, setzte es die Niederlage in Hannover. Leistungsträger wie Kagawa, Götze oder Großkreutz waren zu Beginn der neuen Saison außer Form, Gündogan war als Nachfolger des überragenden Sahin überfordert. Doch seitdem läuft es wie am Schnürrchen. Jürgen Klopps Balleroberungs- und Jagdfußball kam richtig in Fahrt. Die schwarz-gelbe Maschine läuft seitdem heiß ohne zu überhitzen.

Über die Fähigkeiten des Trainers ist schon viel gesagt worden: über seine Motivations- und Menschenfänger-Fähigkeiten, über die laufintensive Spielphilosophie, die die Mannschaft perfekt umsetzt, und über seine rhetorische Begabung. Ein weiterer Faktor des Erfolges: die ausgezeichnete Zusammenarbeit der Club-Führung. Das Dreigestirn Klopp-Watzke-Zorc funktioniert reibungslos und vor allem: geräuschlos. Auch zwischen den Bossen in Dortmund kracht es sicherlich – aber nur intern. Keiner schießt quer. Sie haben eine klare Vorstellung davon, was Borussia ist und was es noch werden soll. Das Angenehmste daran ist, dass Verbalattacken und das Große-Töne-Spucken keine Rolle spielen. Man pflegt einen anderen Stil als in München. Die Dortmunder lassen Taten sprechen.

International Lehrgeld bezahlt

Dortmund hat sich national neben den übermächtigen Bayern etabliert. Das ist gut für die Liga. Beim BVB wissen Sie aber auch, dass sie nicht auf der Stelle treten dürfen. Die Einnahmen und damit die Ansprüche steigen, Stillstand gibt es nicht. Stillstand bedeutet im Profigeschäft Fußball Rückschritt.

Die Begeisterung für die Dortmunder Jungspunde ist mehr als berechtigt. Aber eines darf man bei alldem nicht vergessen: die internationale Reife steht aus. In der Champions League hat die junge Truppe viel Lehrgeld bezahlt.Das frühe Ausscheiden war im Meisterschaftskampf ein großer Vorteil gegenüber den Bayern. Doch der Nachweis steht aus, dass sich der Hochgeschwindigkeitsfußball á la Klopp über sechs, sieben, englische Wochen gegen hochkarätige Gegner durchhalten lässt. Jürgen Klopp und sein Team werden sich für die kommenden Auftritte auf Europas großer Fußball-Bühne noch einmal erheblich steigern müssen. Zuzutrauen ist es ihnen.


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