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Meinung

Denkwürdiger Auftritt: Der inszenierte Wutausbruch des FC Bayern – diese PK ist ein Armutszeugnis

Der FC Bayern überraschte bei einer spontan angesetzten Pressekonferenz mit einem Rundumschlag gegen kritische Medien und Fußball-Experten. Dass die Bosse Hoeneß und Rummenigge den Kernpunkt ihrer eigenen Kritik nicht verstanden haben, wurde dabei überaus deutlich.

Uli Hoeneß vom FC Bayern München

"Ich möchte an Artikel 1 des Grundgesetzes erinnern: Die Würde des Menschen ist unantastbar." Mit diesen gewichtigen Worten trat Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge vor die versammelten Münchner Sportjournalisten. Was danach folgte, war eine der denkwürdigsten Pressekonferenzen seit Giovanni Trappattoni 1998 über "Was erlauben Strunz" sinnierte. 

Es war ein Rundumschlag gegen Medien und Fußballexperten, der sich gewaschen hatte. Der Grund: Die Kritik an ihren Spielern war den Bayern-Bossen zu hart. "Wir haben uns am Montag nach dem Holland-Spiel zusammengesetzt und beschlossen, dass wir das in diesem Stil nicht mehr weiter akzeptieren werden. Was man da lesen musste, hatte nichts mehr mit der Leistung zu tun, sondern war eine Abrechnung mit einzelnen Spielern", so Rummenigge zu Beginn der Veranstaltung. 

Der Umgang mit Manuel Neuer, die Alters-Debatte um Arjen Robben und Franck Ribery wurden als Beispiele der zu harschen Medienkritik genannt. Auch die kritischen Äußerungen zu Joachim Löw sind dem FC Bayern sauer aufgestoßen. 

Uli Hoeneß verhält sich nicht besser als die kritisierten Medien

Wenige Minuten nach dem Verweis auf das Grundgesetz schienen die Bayern-Bosse, allen voran Uli Hoeneß, diesen bereits wieder vergessen zu haben. 

Hoeneß scheute sich nicht, drei TV-Journalisten als "ahnungsloses Trio infernale" zu bezeichnen.

Im Fall Juan Bernat machte ebenfalls Hoeneß genau das, was er kritisiert hatte: "Er hat uns damals in Sevilla fast alleine das Champions-League-Aus gekostet. Und damals haben wir entschieden, dass wir ihn abgeben. Und da hätte ich gerne danach mal deinen Kommentar gehört, was der für einen Scheißdreck gespielt hat, auf Deutsch gesagt." Hoeneß bezieht sich dabei auf einen TV-Journalisten, der den Transfer von Bernat kritisiert hatte.

Es reichte auch, dass Presse-Kollegen Hoeneß noch einmal auf seine kritischsten Zitate der vergangenen Monate ansprachen, schon war die Absurdität der Veranstaltung offengelegt. In der Causa Özil und in einer Aussage über den Leverkusener Karim Bellarabi war Hoeneß mit Worten aufgefallen, die eigentlich beleidigenden Charakter hatten.

Zu Özil hatte Hoeneß gesagt: "Für mich ist Mesut Özil seit Jahren ein Alibi-Kicker gewesen, der der deutschen Mannschaft überhaupt nicht geholfen hat. Keiner hat ihn sportlich hinterfragt. Er hat sich jetzt schön hinter der Erdogan-Geschichte verstecken können. Er hat seit Jahren einen Dreck gespielt und jetzt sollen Grindel, Löw oder Bierhoff schuld sein." Zu Bellarabi: "Das Foul von Bellarabi war natürlich geisteskrank. Das ist vorsätzliche Körperverletzung. So einer gehört drei Monate gesperrt - und zwar für Dummheit." 

Auf seine Äußerungen nun angesprochen, erwiderte Hoeneß: "Ich hätte nicht 'Dreck' sagen dürfen, sondern 'Mist'. Meine Kritik an Bellarabi war auch falsch. Ich hätte nicht 'geisteskrank' sagen dürfen." Aber gesagt hat er es nun einmal. Und dabei auch keine Rücksicht auf die Betroffenen genommen. 

Sind diese Aussagen, die Spieler und Journalisten beleidigt haben, nun besser als die Kritik der Medien? Nein, sind sie nicht. 

Rummenigge verweist auf "falsche Fakten"

Als Rummenigge am Ende der PK auch noch "falsche Fakten" erwähnte, fühlte man sich gleich an US-Präsident Donald Trump erinnert, der mit dem Begriff "Fake News" auf alles eine Antwort zu haben scheint. "Wenn falsche Fakten verkauft werden, dann ist das respektlos. Es wird der Eindruck vermittelt, man möchte uns etwas nach unten ziehen. Was mir am meisten auf die Nerven geht, ist, dass nur noch gedealt wird, um an Informationen zu kommen. Das ist für mich das größte Problem in der deutschen Berichterstattung. Das ist eine Unart", so Rummenigge.

Was bleibt von dieser denkwürdigen Pressekonferenz? Der Auftritt der Bayern-Verantwortlichen ist nicht nur kontraproduktiv, sondern ein Armutszeugnis für den deutschen Rekordmeister.

Fakt ist, der FC Bayern steckt in einer veritablen Krise. Letztes Jahr lief vieles nicht zusammen. Trainerentlassung, überraschende Niederlage im Pokal-Finale, Champions-League-Aus, Theater um die Trainerfindung. Und Fakt ist auch, dass sie diese Saison noch nicht die Leistung gezeigt haben, die den Ansprüchen des Vereins gerecht werden. Das kann man nicht wegdiskutieren. Hinzu kommt, dass frühere Leistungsträger seit Monaten außer Form sind. Der FC Bayern braucht auf viele Fragen Antworten. Und man kann den Eindruck gewinnen, dass die Führungsetage diese Antworten nicht mehr geben kann.

Man kann sicherlich darüber streiten, ob verschiedene Medien und Experten immer fair mit dem Verein umgehen. Es ist das gute Recht des Vereins, sich bei Falschmeldungen Gegendarstellungen zu wünschen. Doch das Hauptproblem der Bayern sind nicht die Medien, sondern die Macher. Dass die Verantwortlichen keine andere Antwort auf die Krise kennen als nun unverhältnismäßig scharf auf die Medien einzugehen, verstärkt nur den Eindruck, dass der Verein im Moment alles ist, aber nicht gut geführt.

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