Im Stile eines kommenden Champions hat der FC Bayern dem großen Rivalen Real Madrid den Schrecken der vergangenen Jahre im Viertelfinal-Hinspiel von Europas Königsklasse schon sehr genommen. Nach dem lange sehr dominanten 2:1 (1:0) im Bernabéu-Stadion durch die Tore von Luis Díaz (41. Minute) und Harry Kane (46.) hat der deutsche Fußball-Rekordmeister beste Chancen, um gegen den Champions-League-Rekordsieger erstmals seit 2012 wieder ein K.o.-Duell zu gewinnen.
Die vergangenen vier hatte jeweils Real für sich entschieden. Die Königlichen leben aber nach dem Anschlusstor des starken Kylian Mbappé (74.) noch.
Ins Rückspiel des Giganten-Duells in einer Woche in der heimischen Allianz Arena geht das Team von Vincent Kompany jedenfalls jetzt als Favorit. Der Belgier, der an diesem Freitag 40 Jahre alt wird, erlebte sein Star-Ensemble in seinem 100. Pflichtspiel als Bayern-Coach wie von ihm gewünscht: ohne Ehrfurcht, dominant, ballsicher, entschlossen – und nach einer gewissen Anlaufzeit auch effektiv vorm Tor.
FC Bayern beherrschte die Partie weitgehend
Das Münchner Kollektiv beherrschte überwiegend das Spiel, aber Reals Individualisten waren immer wieder gefährlich, insbesondere in Person von Mbappé. Der Franzose scheiterte bei etlichen Abschlüssen ebenso wie Offensivkollege Vinícius Júnior immer wieder am gut reagierenden Manuel Neuer im Bayern-Tor. Der 40-Jährige zählte zu Bayerns Besten.
Eine gute Stunde vor dem Anpfiff war das große Rätselraten um Harry Kane beendet gewesen. Der Name des Engländers tauchte in der Bayern-Aufstellung auf. Kane konnte nach seinen Sprunggelenks-Problemen auflaufen, was alle Münchner erleichterte. „Harry ist unfassbar wichtig. Was für eine Kraft er nach vorne gibt, ist unbezahlbar“, sagte Nationalspieler Serge Gnabry nach der Ankunft im Stadion bei Prime Video.
Kane musste sich ins Spiel hineinbeißen, dokumentierte aber seinen Wert als Leader. Dayot Upamecano ermöglichte er die erste Großchance der Partie. Der Verteidiger traf den Ball im Fünfmeterraum nicht richtig (9.).
Angeführt vom omnipräsenten Mittelfeld-Chef Joshua Kimmich bestimmten die Bayern das Geschehen auf dem Rasen. Aber sie ermöglichten auch Real viele gute Möglichkeiten – etwa nach schlechten Spieleröffnungen von Neuer. Der 40-Jährige war aber zwei Jahre nach seinem bösen Patzer beim Halbfinal-K.o. in wichtigen Momenten gerade gegen Mbappé ein echter Rückhalt.
Díaz schlägt kurz vor der Pause zu, Kane kurz danach
Überraschend war, dass es lange 0:0 stand. Nachdem aber Serge Gnabry ein Real-Geschenk nicht annehmen konnte, sondern Real-Torwart Andrej Lunin anschoss (41.), schlugen die Gäste zu. Kane behauptete den Ball, Gnabry schickte Luis Díaz steil - und der bis dahin flatterhafte Kolumbianer vollendete eiskalt mit einem Flachschuss.
Nach der Pause waren gerade 21 Sekunden gespielt, als Kane jubelte. Nach Pass von Michael Olise schoss er den Ball aus 18 Metern platziert ins rechte Eck – sein elftes Tor in dieser Champions-League-Saison. Die 4.000 mitgereisten Bayern-Fans waren nun tonangebend im riesigen, voll besetzten Stadion.
Neuer streckte wenig später jubelnd die Arme von sich, als er den auf sich zulaufenden Vini Jr. so weit abdrängen konnte, dass der Brasilianer nur ans Außennetz schoss (61.). Ein 1:2 hätte noch mal ein Wendepunkt sein können.
Doch der Real-Mythos zog an diesem Abend nicht wie früher. Zumal Neuer ein weiteres Mal in Weltklasse-Manier einen Schuss von Mbappé mit der Hand am Tor vorbei lenken konnte (66.). Nur einmal war Neuer doch geschlagen, auch wenn er am Schuss von Mbappé aus kurzer Distanz noch mit der Hand dran war.
Die Bayern waren nach dem 2:0 nicht mehr effektiv im Abschluss, spielten beste Überzahlsituationen schlecht aus. Sie hatten aber insgesamt die besseren Einzelspieler und das bessere Kollektiv.