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Das Ende der Dusel-Bayern: Triple verloren, Sympathien gewonnen

Sie wurden verpfiffen, das Pech klebte an den Schuhen; und doch haderten sie nicht mit der "grausamen Welt". Die Bayern ertrugen das Pokal-Aus gegen den BVB mit Haltung - und ernteten Sympathiepunkte.

Ein Kommentar von Dieter Hoß

Verzweiflung packt Bastian Schweinsteiger

Verzweiflung packt Bastian Schweinsteiger

Man mag sich gar nicht vorstellen, in welch' knalligem Rot Uli Hoeneß' Kopf zu dessen besten Zeiten geglüht hätte. Der frühere Bayern-Boss hätte dermaßen in die Mikrofone und Kameras gepoltert, dass Peter Gagelmann sich wohl kaum mehr auf einen Bundesligaplatz getraut hätte. Schon gar nicht als Schiedsrichter. Ganz sicher nicht bei einem Bayern-Spiel. Und wieder einmal hätte die Fußball-Republik reflexartig dagegen gehalten: "Ja, ja. Wenn den Bayern mal das passiert, was alle anderen Clubs immer wieder ertragen müssen (vorzugsweise gegen den FC Bayern), dann geht gleich die Welt unter."

Doch gestern war alles anders. Da schrumpften die Über-Bayern für einen Abend auf Normalmaß: Sie waren die bessere Mannschaft, hatten alle Siegchancen, wurden verpfiffen, kassierten aus dem Nichts ein Gegentor, mussten deswegen ins Elfmeterschießen und landeten letztlich buchstäblich auf dem Hosenboden. Kein Pokal, kein Triple, alles weg - und was sagt Pep Guardiola? "Es war unser bestes Spiel gegen den BVB in meiner Amtszeit." Stolz sei er darauf, was die Mannschaft geleistet habe.

"Was willst Du dann noch machen?!"

So nervig der Spanier mit seinem unfassbaren Perfektionismus gelegentlich sein kann: Hier zeigte er Haltung in der tatsächlich unglücklichen Niederlage, gratulierte ohne Einschränkung Jürgen Klopp und den Dortmundern zum Einzug ins Finale. Und obwohl die Bayern verständlicherweise mit dem Schiedsrichter haderten (Karl-Heinz Rummenigge: "Wir haben heute gegen zwölf Mann gespielt"), ahnten sie doch, dass sie allen Fehlentscheidungen zum Trotz das Spiel gegen einen über weite Strecken schwachen Gegner hätten gewinnen können, ja vielleicht sogar müssen. "Mit den Elfmetern haben wir heute kein Glück gehabt, insofern hätte das eh nicht funktioniert", kommentierte Manuel Neuer dementsprechend die Schiedsrichterleistung eher lakonisch. Und Thomas Müller sagte im Bundesligasender "Sky" schlicht, wie es halt ist, wenn man auf diese unglückliche Weise ausscheidet: "An sich haben wir ein gutes Spiel gemacht. Aber im Endeffekt ist nicht viel für uns gelaufen: Arjen Robben musste wieder runter, der Elfmeter wurde nicht gepfiffen. Wenn du dann bei den ersten beiden Elfmetern ausrutscht, was willst du dann noch machen?!"

Hat sich da etwas verändert bei den Bayern? Nicht nur die moderaten Töne überraschen. Auch von den sprichwörtlichen Dusel-Bayern war nichts zu sehen - und ist es eigentlich schon länger nicht. Man denke beispielsweise an den Neuer-Patzer bei der Niederlage gegen Gladbach. Das Glück gehört dem Tüchtigen, heißt es bekanntlich, dem Perfekten gehört es offenbar nicht. Entweder spielen die Bayern Fußball von einem anderen Stern (siehe das 6:1 gegen Porto) oder sie verlieren halt auch mal. Fast scheint es so, als könnte Deutschlands Top-Club unter der Ägide von Guardiola das auch endlich so akzeptieren.

Hoeneß-Kopf hat keiner vermisst

Vielleicht stimmen die zahllosen Erfolge ja milde. Herrgott, dann ist man halt ausnahmsweise mal nicht im Pokalfinale. Die nächsten Siege kommen ganz sicher (selbst wenn die Verletzungen von Robben und Lewandowski für die anstehenden Champions-League-Duelle mit Barcelona nichts Gutes erahnen lassen). Niederlagen in wichtigen Spielen haben den Verein noch immer wachgerüttelt. Die jüngste Haltung steht den Bayern gut zu Gesicht. Sie haben damit ganz sicher Sympathien gewonnen. Hat da möglicherweise die Emanzipation des Clubs von Uli Hoeneß eingesetzt? Den rotglühenden Kopf der Bayern-Legende hat am Dienstagabend jedenfalls keiner vermisst.

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