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Kolumne

Rot-weiß - die Bayern-Fan-Kolumne: Die Auswirkungen des Hernandez-Deals sind gewaltig - besonders für Kovac und Brazzo

80 Millionen und der kleingeistige Deutsche fragt: Ist das nicht zu viel? Nein. Man sollte dem FC Bayern zu dem Transfer gratulieren. Kovac bekommt den perfekten Spieler für seine Philosophie. Die Auswirkungen auf das Team werden beträchtlich sein.

Von Stefan Johannesberg

Lucas Hernandez wirft das Machtgefüge des FC Bayern München mächtig verändern

Lucas Hernandez wirft das Machtgefüge des FC Bayern München mächtig verändern

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"Wenn ich zehn Spieler mit seiner Einstellung hätte, würde ich kein einziges Spiel verlieren", lobhudelte Trainer-Derwisch Diego Simone einst über Lucas Hernandez. "Innen ist er ein Monster," so Simeone weiter, "er ist eine beeindruckende Erscheinung - und dazu auch noch unglaublich schnell." Für seinen Trainerkollegen Niko Kovac stehen jene zwei Eigenschaften ebenfalls über allen anderen: Verteidigung und Einsatz. Der 23-jährige Franzose von Atlético Madrid ist damit der perfekte Einkauf für Kovac‘ System - was auch auf seinen Nationalmannschaftskollegen und Bald-Bayer Benjamin Pavard zutrifft. Beide können innen und außen agieren, haben ein sehr sicheres Aufbauspiel und passen zu Nikos in Frankfurt so geliebte Dreierkette wie grüne Kräuter in hessische Soßen. Das heißt im Klartext: Mit diesem Einkauf gilt Niko Kovac auch für die kommende Saison als gesetzt. 

Boateng und Hummels - müssen beide gehen?

Der FC Bayern macht in der Transformation seiner Defensive keine Gefangenen, auch wenn die Gerüchte um einen weiteren Transfer in der Innenverteidigung arg übertrieben wirken. So berichtet die spanische Sportzeitung "Mundo Deportivo", dass die Bayern ins Rennen um Ajax-Ass Matthijs De Ligt eingestiegen sind und ihm ein besseres Angebot als Barcelona gemacht haben sollen. Dass sich die Münchener jedoch ausgerechnet bei einem Holländer gegen die Katalanen durchsetzen, ist auf Grund der legendären Historie dieser Kombination fast ausgeschlossen. Sollte es Brazzo doch wider erwarten gelingen, De Ligt zu verpflichten, bauen die Fans dem umstrittenen und oft belächelten Sportdirektor ein Denkmal an der Säbener Straße. Wer könnte gegen eine Wand aus Pavard, Süle, De Ligt und Hernandez überhaupt ein Tor schießen? 

So lange jedoch dieser Transfer noch in den Sternen steht, sollte der FCB neben Kampfsau Javier Martinez zumindest einen der beiden Weltmeister-Veteranen behalten. Die Wahl zwischen Boateng und Hummels fiele den Bossen nach dieser Saison recht einfach: Mats Hummels, bei allen Querelen mit Kovac, schenkt dem Spiel des Rekordmeisters noch die ein oder andere Dimension mehr und könnte mit seiner Erfahrung die noch recht jungen Innenverteidigerkollegen führen. Wie wichtig dies noch werden könnte, sah man jüngst bei der Nationalmannschaft. In der zweiten Halbzeit wackelten die Deutschen und Chef Süle gelang es noch nicht, die nötige Ruhe vor allem auf Rüdiger auszustrahlen. Für Jerome Boateng stehen die Zeichen - wie bereits vor der letzten Saison – auf Abschied. Eine Rückkehr nach England könnte seiner Karriere im Herbst einen wunderbaren Abschluss geben. Mannschaften wie Arsenal London wären wie prädestiniert für ihn.

James - sie lieben ihn, sie lieben ihn nicht

Bei aller Genialität wirkt er immer noch wie ein Fremdkörper im Verein, jede Woche äußert ein neuer Freund, wie abgeturnt er von der bayerischen Landeshauptstadt ist. Zwar kostet der von Madrid ausgeliehene Kolumbianer nur zarte 42 Millionen, doch als hängende Spitze oder offensiver Mittelfeldspieler wird es in Zukunft noch enger. Kai Havertz und Timo Werner aus der Fraktion FC Bayern Deutschland stehen für den offensiven Hänge Spitze-Part parat - die ja momentan auch noch von Führungsspieler Müller gut ausgefüllt wird. Auch Gnabry könnte hier auflaufen und Kovac buhlt ja noch immer um einen gewissen Jovic, der auch kein Stoßstürmer klassischer Prägung ist. Von Nachwuchsspieler Arp ganz zu schweigen.

Lucas Hernandez leidet aktuell an einer Knieverletzung

Oben erwähnten wir die von Kovac favorisierte Dreierkette und genau die erhöht den Druck auf das Mittelfeld noch weiter. David Alaba und Joshua Kimmich rücken abgesichert durch Pavard, Süle/Hummels und Hernandez nach vorne. Dann wären im klassischen 3:4:3 noch zwei weitere Plätze frei, um die bereits jetzt Thiago, Tolisso, Goretzka, Sanches kämpfen. Zudem hat auch Kimmich den Kampf um die 6er Position auch beim FC Bayern noch nicht aufgeben. Vielleicht kaufen die Bayern auch James (der noch ausgeliehen ist), um auf Nummer sicher zu gehen, warten ihre Performance im Transfersommer ab und verkaufen ihn dann bei Bedarf doch noch gewinnbringend.

Kovac und Brazzo sitzen fester im Sattel denn je

Das Genöle in der Liga ist natürlich groß. "Das ist eine gewaltige Summe, pfui Teufel. Was ein Fußballspieler wert ist, hat wenig mit der Realität des Lebens zu tun", sagte Hannovers Manager Horst Heldt. Doch nicht nur Horsti bewies wieder einmal das limitierte Denken oder wenigstens kommunikative Amateurhaftigkeit, auch absolute Profis wie Max Eberl und Michael Zorc ließen sich nur zu lächerlichen Allgemeinplätzen wie "Das sind Zahlen, die für uns utopisch sind“ hinreißen. Keiner lobte als erstes den Angriff des FC Bayern, lobte, dass der Klub auch weiterhin internationale Stars in die Bundesliga holt. Und keiner merkte an: Geld ausgeben ist sozial. Es wünscht sich in der Liga ernsthaft keiner einen FC Bayern München, der bei allen Spielern - wie bei Goretzka und Lewandowski - wartet, bis diese ablösefrei sind. Vielmehr sollte sie darauf beharren und darauf hinarbeiten, dass Kalle und Uli ihre Millionen frühzeitig in Spieler aus der eigenen statt aus der französischen Liga investieren - wie es bald bei Kai Havertz aus Leverkusen der Fall sein könnte. Das ist der eine Effekt. Der andere, ist, dass Kovac und Brazzo durch den Hernandez fester im Sattel  sitzen als zuvor. 

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