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FC Bayern München gegen die Niederlande: Lauter Verlierer

Nicht mal in Ruhe Frust schieben durften sie. Die Bayern mussten gegen die Niederlande ran. Doch in München geht es längst um die Zukäufe für die Zukunft. Emotional wurde es nur vor dem Spiel.

Von Wigbert Löer, München

Die emotionalste Szene sahen die 33.000 Zuschauer vor dem Anpfiff: In München treffen sich zu den Special Games gerade Sportler mit Behinderung, und einige von ihnen, kleine Kinder, liefen in der Arena an den Händen der Spieler ein. Bayern-Torwart Hans-Jörg Butt hielt, unterstützt von Co-Trainer Hermann Gerland, einen Jungen mit schweren motorischen Störungen am Arm. In dem Moment konnte man das verlorene Champions-League-Finale gegen Chelsea vergessen. Fußball mag Kraft haben, aber manchmal ist er auch ziemlich unwichtig.

Unwichtig, laut Oliver Bierhoff sogar unsinnig, war auch das Freundschaftsspiel zwischen den niedergeschlagenen Vize-Bayern und einer holländischen Nationalmannschaft, die gerade mit der Vorbereitung für die Europameisterschaft begonnen hat und aus dem Trainingslager in Lausanne einflog. Wobei der Unsinn sich nur auf den sportlichen Wert beziehen kann. Das Spiel spült dem FC Bayern rund zwei Millionen auf sein Konto. Das ist ja ohnehin stets prall gefüllt, und mehr als das Spiel - die Bayern gewannen 3:2, die Tore schossen Kroos, Petersen und Gomez, Huntelaar und Narsingh, die meisten Münchner Stammspieler arbeiteten Teilzeit, von Bastian Schweinsteiger hieß es, er habe eine Wadenverletzung - wurde an diesem Abend in München diskutiert, wen die Bayern sich nun dazu holen.

Wer doubelt eigentlich Franck Ribéry?

Fünf Spieler wurden an diesem Abend verabschiedet, teils mit unbekanntem Ziel, ein jeder ohne großen Beitrag zur abgelaufenen Saison. Die Verträge der meisten Münchner Lizenzspieler aber laufen noch etliche Jahre. Das führt auf mancher Position zu Verstopfungen, etwa vorne rechts, wo Robben gesetzt scheint, Müller keinen Platz hat und das Schweizer Talent Xherdan Shaqiri demnach erst recht nicht. Auf dieser Position werden die Bayern eine sehr gut besetzte Bank haben.

Und ganz vorne, zentral, wo Mario Gomez in dieser Saison so viele, viele Tore machte, genau wie in der Spielzeit zuvor, wo er aber gegen Chelsea in 120 Minuten nichts auszurichten vermochte? Claudio Pizarro, heißt es, solle nun doch zu den Bayern kommen. Aber auch Edin Dzeko ist offenbar zu erwerben, beim englischen Meister Manchester City spielte er zuletzt nicht sehr regelmäßig. Dzeko wäre ein anderes Kaliber als Pizarro, einer, der nicht am Ende seiner Karriere steht, der sich nicht mit einem Status als Gomez-Ersatz abfände. Einer, der Mario Gomez wirklich herausfordern würde. Und der sicher ziemlich teuer wäre.

Wer doubelt eigentlich Franck Ribéry, wenn der mal verletzt, im Leistungstief oder von Arjen Robben k.o. geschlagen ist? Bisher tat das Ivica Olic, aber der rennt demnächst für VW-Millionen die linke Außenlinie runter. Er dürfte es beim in dieser Hinsicht nicht sehr verwöhnten Wolfsburger Publikum schnell zum Liebling schaffen. Publikumsliebling war er auch in München, und zuvor in Hamburg. Der FC Bayern braucht auf jeden Fall keinen neuen Liebling, sondern einen, der Franck Ribéry Konkurrenz machen kann.

Brenos Schicksal ist vielleicht Bayerns größte Niederlage

Lässt man einmal außen vor, dass Arjen Robben nach seiner Einwechslung in der 76. Minute von einigen Fans angefeuert, von anderen kräftig aufgepfiffen wurde, so ereignete sich übrigens auch der zweite bewegende Moment des Abends vor dem Spiel. Nur einer derjenigen Spieler, mit denen der Verein nicht länger zusammenarbeiten will, stand nicht in Trainingsanzug oder Trikot da, als es zum Abschied Blumen gab. Breno, der Innenverteidiger, das große Talent auf einer Position, die bei den Bayern seit Jahren nicht befriedigend besetzt ist - auch sein Schicksal zählt zu dieser denkwürdigen Saison. Vielleicht ist seine Vereinsamung, die ihn zum Alkohol und zur mutmaßlichen Brandstiftung trieb, die größte Niederlage des Vereins. Breno würde München gerne verlassen, aber er kann nicht. Sein Prozess vor dem Münchner Landgericht beginnt am 13. Juni.

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