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FC Bayern München: Klinsmann kontert Poldi-Vorstoß

Schon ein Punkt reicht den Bayern gegen den Underdog aus Bukarest, um ins Achtelfinale der Champions League vorzustoßen. Kein Wunder, dass den Branchenprimus Wichtigeres umtreibt: Zum Beispiel das ewige Podolski-Theater, der beste Spieler der Welt oder ein "Junior-Chef" mit großen Plänen.

Jens Fischer, München

Es klang fast schon wie ein Hilferuf, was Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann nach dem entspannten 4:1-"Trainingsspiel" gegen die unterirdischen Cottbuser von sich gab: "Von ungeheurer Bedeutung" sei die anstehende Champions-League-Partie gegen die Rumänen von Steaua Bukarest und überhaupt: "Die gesamte Konzentration gilt ab sofort Steaua Bukarest."

Tatsächlich reicht den Bayern gegen den bislang in der Vorrunde noch sieglosen Gegner ein Punkt, um vorzeitig ins Achtelfinale der Königsklasse vorzustoßen. Ein Sieg und damit drei Punkte wären freilich besser, um die Chancen auf den Gruppensieg und zuerst ein Auswärtsspiel im Achtelfinale zu erhöhen. "Darauf lege ich großen Wert", sagt dann auch Mark van Bommel ganz pflichtbewusst. Und sein Trainer ergänzt eher pragmatisch: "Wir wollen ins Achtelfinale, wir wollen für klare Verhätnisse sorgen."

Es gibt spannendere Themen als Bukarest

Aber jetzt mal ganz im Ernst. So richtig wichtig ist das Spiel gegen Bukarest in diesen wilden Bayern-Tagen auch nicht. Denn derzeit gibt es viele Themen rund um die Säbener Straße, die interessieren die Medien deutlich mehr als ein Spiel gegen einen Gegner, dessen beste Zeiten doch schon arg lange zurückliegen.

Da wäre zum einen die auf schier unendlich viele Folgen konzipierte Daily Soap "Ein kleiner Kölner in der großen Welt". Gemeint ist natürlich Lukas Podolski. Unzufrieden sind sie mit dem einstigen Himmelstürmer in München, setzen ihn permanent auf die Bank, wollen ihn dennoch aber nie und nimmer abgeben. Denn: Er hat doch Potenzial, der Lukas. Er müsse es nur abrufen, sind sich die Verantwortlichen sicher.

Podolski hat keine Lust mehr

Darauf hat nun Podolski aber keine Lust mehr - insbesondere nach der Verpflichtung des US-Boys Landon Donovan und den anhaltenden Bayern-Plänen, Mario Gomez an die Isar holen zu wollen. Der Star-Stürmer a.D. "träumt" (O-Ton Uli Hoeneß) von Köln und anderen attraktiven Vereinen. Jetzt bekräftigt er via "Bild": "Ich habe für mich die Entscheidung getroffen, dass ich den Verein im Winter verlasen werde." Eine klare Aussage, die die Bayern-Verantwortlichen sicher noch einmal zum Nachdenken bringen wird. Oder etwa doch nicht?

Klinsmanns Replik ließ jedenfalls nicht lange auf sich warten. Er reagierte kühl auf Podolskis öffentlichen Vorstoß: "Für uns ändert sich überhaupt gar nichts. Wir wollen mit Minimum vier Stürmern in die Rückrunde gehen - und einer davon ist Lukas Podolski", erklärte der Trainer. Klinsmann ließ aber erkennen, dass auch seine Gespräche mit seinem ehemaligen Nationalmannschafts-Schützling bislang nicht fruchteten. "Ich rede ständig mit ihm und sage ihm immer wieder, dass er sich durchboxen muss. Die Gespräche gehen immer in die gleiche Richtung."

Steaua Bukarest? Nein, dann momentan doch lieber Podolski , oder noch besser: "König Franck". Bester Spieler der Welt, "Schwergewicht in rosa Schuhen", der Mann, der die "Bayern um 30 Prozent besser macht" - um Franck Ribéry ranken sich derzeit die Superlative. Der Franzose befindet sich derzeit nach langer Verletzungspause in absoluter Gala-Form und scheint mehr oder weniger von keinem Gegner zu stoppen zu sein. Selbst der sonst eher kritische Hoeneß oder der gerne auf das Gemeinwohl achtende Klinsmann sind Ribéry hemmungslos verfallen. "Ihm zuzuschauen macht einfach Spaß", sagt Klinsmann. Die Bosse wissen: Ohne Ribéry läuft es bei ihnen nicht halb so gut. Das soll auch Bukarest zu spüren kriegen.

Will der "Junior-Chef" zu Real Madrid?

Und dann gibt es ja noch Bastian Schweinsteiger. Auch seine Personalie lässt das sportliche Tagesgeschäft schnell vergessen. Einige gute Spiele haben ausgereicht, um Schweinsteiger zum "Junior-Chef" in der deutschen Nationalmannschaft zu machen und um ihn aus einen international begehrten Mittelfeld-Akteur werden zu lassen. Jetzt sollen sich laut "Kicker" dessen Berater nach Bukarest mit Real Madrid treffen, um über einen Wechsel zu verhandeln. Ein weiterer Bayern-Nebenschauplatz. Hauptsache kein Bukarest.

Die Partie kommt aber auch wirklich ungelegen. Ausgerechnet eine Mannschaft aus Rumänien, seit 12 (!) Partien national und international ohne Sieg, ohne Stars und Zuschauermagneten - ausgerechnet Steaua Bukarest. Dabei gäbe doch noch so viel zu diskutieren über die so wichtigen Bundesliga-Partien in Leverkusen und in der Woche darauf gegen die "Wundertruppe" aus Hoffenheim. Oder darüber, ob der bayerische Superkader unverändert bleibt oder in der Winterpause wirklich zwei bis drei Spieler aus Russland kommen. Aber jetzt kommt ja erst einmal Bukarest.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

FC Bayern München:

Rensing - Oddo, Lucio, Demichelis, Lahm - Schweinsteiger, van Bommel, Zé Roberto, Ribéry - Klose, Toni

Steaua Bukarest:

Zapata - Golanski, Goian, Ghionea, Marin - Radoi, Gomes - Nicolita, Dayro Moreno, Semedo - Stancu

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