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FC Bayern München: Lizarazu attackiert van Gaal

Trotz des Sieges in Freiburg hagelt es weiter Kritik an Bayern-Trainer Louis van Gaal. Bayern-Legende Bixente Lizarazu wirft dem Coach falschen Umgang mit den Stars vor. Ein Aufsichtsrat-Mitglied stellt die Personalpolitik des Niederländers in Frage.

Die Kritiker des FC Bayern München sind erst einmal verstummt, aber Trainer Louis van Gaal kommt auch nach dem Sieg in Freiburg nicht zur Ruhe. Aufsichtsrats-Mitglied Helmut Markwort stellte die Personalpolitik des Niederländers in Frage, und Ex-Bayern-Profi Bixente Lizarazu warf dem Bayern-Coach indirekt falschen Umgang mit seinen Stars vor. "Ich weiß nicht, was genau los ist, aber ich sehe, dass es Probleme mit den großen Spielern gibt. Diese Spieler sind nicht bei 100 Prozent, spielen nicht so, wie sie eigentlich könnten. Das ist ein Problem. Dazu muss ein Trainer die Spieler bringen können", sagte Lizarazu der Münchner "tz" (Dienstag).

Markwort wundert sich über Braafheid

Der Franzose, der mit den Bayern sechs deutsche Meistertitel gewann, vermutet das Problem vor allem im Auftreten des Niederländers, der sich bei seinem Amtsantritt im Juli selbst als arrogant bezeichnete. "Er scheint sehr von sich überzeugt zu sein. Es ist im Sport immer ein Problem, wenn du zu sicher bist", sagte der frühere Welt- und Europameister, "es ist im Sport immer ein Problem, wenn du zu sicher bist. Man muss nicht nur von sich selbst sagen, der Beste zu sein, sondern mit all den großen Spielern und ihren Charakteren umgehen können."

Helmut Markwort, Chefredakteur des Nachrichtenmagazins "Focus", kritisierte im Abo-TV-Sender "Sky" die Verpflichtung von van Gaals Landsmann Edson Braafheid. "Ich bin nicht so ein Fußball-Fachmann wie der Herr van Gaal, ich sitze nur auf der Tribüne. Aber ich verstehe nicht, wieso er gesagt hat, wir müssen diesen Herrn Braafheid kaufen. Dieses Geheimnis hat van Gaal für sich behalten", sagte der Bayern- Aufsichtsrat.

Abwehrspieler Braafheid war im Sommer für zwei Millionen Euro vom FC Twente Enschede nach München gekommen und bestritt bisher sieben Bundesliga-Spiele für die Bayern. Markwort glaubt, dass van Gaal durch die permanente Berücksichtigung Braafheids den Gegnern in die Karten spielt: "Ich hatte das Gefühl, dass der Trainer von Freiburg zu seinen Spielern gesagt hat: Geht immer auf die Seite, wo der Braafheid ist, da kommen wir leichter durch".

Appell an Bundestrainer Joachim Löw

Unterdessen hat sich nach Manager Uli Hoeneß nun auch Karl-Heinz Rummenigge gegen eine rasche Berufung von Bayern Münchens Jungstar Thomas Müller in die Fußball-Nationalmannschaft ausgesprochen. "Der FC Bayern hat großes Interesse, dass Thomas Müller eine große Karriere hinlegt. Dabei sollte man step by step vorgehen und nicht gleich von der zweiten auf die fünfte Stufe springen", empfahl Münchens Vorstandschef Rummenigge am Dienstag auf der Reise des deutschen Rekordmeisters zum Champions-League-Spiel bei Girondins Bordeaux. "Uli Hoeneß will nicht den Nationalspieler Thomas Müller verhindern. Wir wollen verhindern, dass es ein bisschen zu schnell geht", versicherte Rummenigge.

Der Bayern-Chef richtete einen Appell an Bundestrainer Joachim Löw, der eine Nominierung Müllers für die Testspiele am 14. November in Köln gegen Chile und vier Tage später in Gelsenkirchen gegen die Elfenbeinküste in Aussicht gestellt hatte. "Wir würden es für gut heißen, wenn Joachim Löw ihn nicht im November, sondern erst im März testet", sagte Rummenigge.

Der Termin am 3. März bietet Löw allerdings schon die letzte Sichtungsmöglichkeit vor der Nominierung des 23-köpfigen WM-Kaders nach dem Bundesliga-Finale im Mai 2010. Geplant ist Anfang März seitens des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ein hochkarätiges Länderspiel in München gegen den zweimaligen Weltmeister Argentinien. Den einzigen Test gegen einen großen Gegner dürfte Löw eher zum Einspielen seiner Stammelf nützen. Bei einem Länderspiel-Debüt ausgerechnet in München wäre der Druck auf Müller wohl noch höher.

Der U 21-Nationalspieler selbst, der anders als die starke Offensiv-Konkurrenz im Bayern-Starensemble wie die Nationalspieler Miroslav Klose, Mario Gomez, Luca Toni oder Ivica Olic von Coach Louis van Gaal in dieser Saison stets aufgestellt wurde, ist selbst hin- und hergerissen. "Ich kann beide Seiten verstehen - Uli Hoeneß und Joachim Löw", sagte er am Dienstag. "Wenn ich berufen würde, käme das tatsächlich sehr früh für mich, aber ich nehme die Chance gerne an", betonte der 20-Jährige, "der Druck wächst natürlich, aber ich kann damit umgehen."

DPA/sid/kbe

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