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FC Bayern München: Und ewig brüllt der Kahn

Im Auswärtsspiel des FC Bayern München bei Werder Bremen hat Oliver Kahn mal wieder die Beherrschung verloren. Wie so oft beim Nationaltorwart blieb auch dieser Ausraster ungeahndet.

Der FC Bayern München hat sein Auswärtsspiel beim Deutschen Meister SV Werder Bremen mit 2:1 gewonnen. Die Tore erzielten Michael Ballack und Bastian Schweinsteiger, das Tor durch Miroslav Klose reichte für die Bremer nicht mehr. Den Münchenern ist damit die Revanche für die als Demütigung empfundene Vorsaison geglückt. Nach dem Erfolg im Weserstadion gibt sich Uli Hoeneß gewohnt unbescheiden und meldet gleich den Anspruch auf die Tabellenspitze an: "Wir müssen Wolfsburg und Stuttgart noch wegräumen, das ist die Aufgabe bis Weihnachten", sagte der Manager des Rekordmeisters. Alles ganz normal, könnte man meinen, wäre da nicht wieder mal ein Ausraster von Oliver Kahn.

Es war in der 49. Minute, die Bayern führten bereits 1:0. Kahn pflückt eine Flanke vor Bremens Stürmer Miroslav Klose herunter. Danach rennt er auf den Werder Stürmer zu, wie von Sinnen baut sich der Bayern-Keeper vor Klose auf, gestikuliert, schreit sich in Rage. Wütend drohte er dem Stürmer, mit dem er noch vor zwei Jahren zusammen die Vize-Weltmeisterschaft gefeiert hatte, und bohrt ihm dabei seinen Zeigefinger zweimal fast in die Nase. Hier hätte auf Tätlichkeit entschieden werden können, eine Rote Karte für Kahn und ein Elfmeter für Bremen wäre die Folge gewesen, doch die Pfeife von Schiedsrichter Heribert Fandel bleibt stumm. Miroslav Klose steht regungslos vor dem wie wild herumfuchtelnden Torwart. Hätte Klose, oft als "Schwalbenkönig" tituliert, umfallen müssen, um einen Pfiff zu provozieren? Kahn hielt den Ball während der gesamten Aktion in der Hand, deutlich länger als die erlaubten 6 Sekunden, mindestens zwölf bis 15 Sekunden. Spätestens hier hätte es indirekten Freistoß geben müssen, doch die gesamte Aktion bleibt ungeahndet. Der ansonsten gute Schiedsrichter Fandel reagierte jedenfalls nicht und wollte die Szene auch später nicht kommentieren.

Oliver Kahns Ausraster werden nur selten geahndet. Hat er den "Titanen"-Bonus?

So bleibt der Vorfall für Kahn ohne Folgen, erinnert damit an ähnliche Ausraster des Nationaltorwarts. In der Saison 1998/99 stürzt Kahn im Spiel gegen Borussia Dortmund wie von der Tarantel gestochen aus seinem Tor, mit einer kraftvollen Kung-Fu-Einlage schießt er auf den Dortmunder Stephane Chapuisat zu und verfehlt diesen nur knapp. Im selben Spiel beißt er Dortmunds anderem Stürmer Heiko Herrlich in die Wange. Zweieinhalb Jahre später wird Kahn in Leverkusen zum Würger. Nach einem eher alltäglichen Zweikampf im Strafraum packt sich der "Titan" den damaligen Leverkusener Tomas Brdaric am Genick und schüttelt ihn durch. Eine Szene wie sie die Liga bis dato noch nicht gesehen hatte. Diese und andere Ausraster bleiben bei Kahn auffallend oft ungeahndet. Hat Kahn in der Liga Narrenfreiheit?

"Das gehört nicht auf den Platz"

Die Begründung von Oliver Kahn für seine Attacke auf Klose ist reichlich seltsam. Er habe einen Schlag in die Nieren bekommen, gab Kahn später an: "Ich habe den Miro gefragt, er weiß von nichts. Also gehen wir mal davon aus, dass es irgendwelche höheren Mächte waren, die da eingewirkt haben. Oder ich habe mir das nur eingebildet." Die Fernsehbilder zeigen auf jeden Fall keine Berührung mit Klose beim Abfangen der Flanke. Der Bremer Stürmer gibt sich nach dem Vorfall gelassen, spielt ihn mit einer Mischung aus Ironie und Arroganz den Vorfall herunter. Der Bremer Stürmer, der dem wilden Kahn nach der Partie kopfschüttelnd die Hand gab, monierte das nicht geahndete "Zeitspiel" und meinte: "Der Olli darf wohl alles." Weniger nachsichtig zeigte sich Werder-Trainer Thomas Schaaf. "Das gehört nicht auf den Platz", sagte der Coach am Sonntag im Deutschen Sportfernsehen: "So eine Aktion ist überhaupt nicht zu akzeptieren."

Regenerationswoche für Kahn

Pünktlich zu den neuen Negativschlagzeilen über Oliver Kahn meldet sich auch der ewige Rivale des Nationaltorhüters Jens Lehmann zu Wort. Jens Lehmann hat seine Ansprüche auf die Nummer eins im Tor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft erneuert. "Ich will bei der WM 2006 spielen und auch vorher ein paar Mal", betonte der Torwart des FC Arsenal London im Fachmagazin "Kicker". Der 34-jährige Lehmann wird am Samstag beim Länderspiel im Iran von Beginn an spielen, als zweiter Torhüter fliegt der Stuttgarter Timo Hildebrand nach Teheran. Bundestrainer Jürgen Klinsmann gestattet Oliver Kahn eine "Regenerationswoche" in München. Bleibt zu hoffen, dass Kahn diese Zeit nutzt, um wirklich mal etwas Ruhe zu finden. Mannschaftskollegen, Gegenspieler und Fans würden es ihm danken.

DPA/Björn Erichsen / DPA

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