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Rücktrittsgedanken von Silvia Neid DFB steht zur Bundestrainerin


Auch nach den ersten Rücktrittgedanken von Silvia Neid gibt der DFB seiner Bundestrainerin Rückendeckung. Er sehe Neid "sicher auf ihrem Posten", sagte Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Bei Experten sorgt der Sinneswandel von Neid für Unverständnis: "Übereilte Reaktion".

Mit ihrem überraschenden Sinneswandel hat Silvia Neid die Schuldfrage für das WM-Desaster der deutschen Fußball-Frauen angeheizt, erhält nach ersten Rücktrittsgedanken aber Rückendeckung vom DFB. "Wir lassen uns nicht verrückt machen. Ich sehe die Silvia sicher auf ihrem Posten", sagte Wolfgang Niersbach, Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bunds, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

Die zukünftige DFB-Direktorin Steffi Jones kündigte eine gemeinsame Analyse für die Zeit nach der WM an. "Ich möchte mich an den Diskussionen um einen möglichen Rücktritt nicht beteiligen. Ich wünsche mir, dass sie bleibt", sagte die Präsidentin des WM-Organisationskomitees.

Zuvor hatte Neid nach deutlicher öffentlicher Kritik an der taktischen Ausrichtung des Teams und ihrem Führungsstil erstmals leichte Amtsmüdigkeit erkennen lassen. "Ich brauche jetzt erst mal Abstand", sagte die 47-Jährige der "Bild"-Zeitung und will sich für eine Entscheidung und die Analyse des Viertelfinal-Aus gegen Japan Zeit nehmen. "Erst wenn ich in ein paar Wochen wieder im Alltag angekommen bin, werde ich mich fragen: Was will ich eigentlich? Kann ich mich für eine EM in zwei Jahren nochmal motivieren?"

Trotz dieser Zweifel und der öffentlichen Debatte werde Neid wie angekündigt das Halbfinale zwischen Schweden und Japan am Mittwoch in Frankfurt besuchen, kündigte Niersbach an. Es sei nach so einem Ausscheiden ein "ganz normaler Vorgang", dass Kritik aufkomme. "Silvia ist Welttrainerin des Jahres, das wird doch nicht durch ein Tor, das zu einer Niederlage führte, ausradiert", betonte der DFB-Generalsekretär.

Er geht davon aus, dass Neid die deutsche Auswahl beim nächsten Spiel am 17. September in der EM-Qualifikation gegen die Schweiz betreuen wird. "Ich denke, dass sie die Sache mit der richtigen Motivation anpacken wird", betonte Niersbach.

Noch am Tag nach der Niederlage gegen Japan hatte Neid davon gesprochen, "keine Motivationsprobleme" zu verspüren. Doch die Vorwürfe, die sogar aus dem internen DFB-Lager kamen, haben sie offenbar nachdenklich werden lassen. "Mir war klar, dass jetzt eine Schuldige gesucht wird - und dass es in erster Linie immer die Trainerin ist", bekannte Neid, die erst kurz vor der WM ihren Vertrag vorzeitig um drei Jahre bis 2016 verlängert hatte. Letztlich müsse sich auch die Bundestrainerin "bestimmte Fragen gefallen lassen", hatte DFB-Vizepräsident Rolf Hocke nach dem bitteren WM-Scheitern und der verpassten Olympia-Qualifikation für London 2012 bemerkt.

Dass Neid nun über einen Rücktritt nachdenkt, halten Experten wie Siegfried Dietrich allerdings für übertrieben. "Das ist aus meiner Sicht eine völlig übereilte Reaktion auf die momentane Kritik, mit der man auch nach Niederlagen realistisch umgehen muss", sagte der Manager des Bundesligisten 1. FFC Frankfurt. "Sie hat einen hervorragenden Ruf und sollte sich das gut überlegen."

Man müsse die Verantwortung von Neid "klar hinterfragen", mahnte Potsdams Trainer Bernd Schröder und forderte die Bundestrainerin zu einem Eingeständnis eigener Fehler auf. Neid erklärte, sie wisse nicht, ob sie solche gemacht habe und wolle "alles in Ruhe analysieren". Sollte diese Bestandsaufnahme selbstkritisch ausfallen, "hat sie auch eine echte Chance und auch mein Vertrauen, dass sie weitermacht als Trainerin - aber nur in Zusammenarbeit mit den Clubtrainern", meinte Schröder im ZDF-Morgenmagazin.

Auch Dietrich wünscht sich einen verstärkten Dialog zwischen Vereinen und Bundestrainerin. "Ich würde mich freuen, wenn sie in Zukunft eine noch engere Zusammenarbeit mit der Frauenfußball-Bundesliga anstrebt und wir uns gemeinsam auf eine positive Zukunft fokussieren", sagte der Frankfurter.

Florian Lütticke und Ulrike John, DPA Nicht verwenden (war Agentur)

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