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Fußball-Bundesliga: "Situation äußerst prekär"

Bayern-Torhüter Oliver Kahn schlägt Alarm. Aber nicht nur der FC Bayern steht am Wochenende unter Druck. Auch für den HSV, Dortmund und Kaiserslautern geht es um einen Weg aus der Krise.

Von einer Krise will beim deutschen Fußball-Rekordmeister zwar noch keiner reden, doch nach zwei Pflichtspiel- Niederlagen in Serie steht der FC Bayern München vor der Partie bei Hansa Rostock gehörig unter Erfolgsdruck. Fußball-Nationaltorwart Oliver Kahn hat bei seinen Kollegen vom FC Bayern München fehlende mentale Stärke als Ursache für die zuletzt schlechten Leistungen ausgemacht. "Einige können wohl dem Druck nicht standhalten. Aber das muss sein, damit die Ergebnisse wieder stimmen", sagte er.

Sieg für Bayern in Rostock Pflicht

Vor dem Bundesligaspiel bei Hansa Rostock fordert Kahn einen Sieg, um den Anschluss an die Tabellenspitze nicht zu verlieren. "Wenn wir uns jetzt noch mal was erlauben, dann können wir die Vorrunde schon begraben." Die Lage sei "äußerst prekär".

Die Münchner haben als Tabellenvierte sechs Punkte Rückstand auf Spitzenreiter VfB Stuttgart. Daher fordert auch Trainer Felix Magath unmissverständlich einen Erfolg bei den in vier Heimspielen bislang noch sieglosen Rostockern. "Die Situation ist schwierig, weil wir uns gegen Schalke 04 eine Auszeit genommen haben. Insofern sind wir in der Pflicht gegen Rostock. Wir müssen das Gesicht zeigen, das wir gegen Turin gezeigt haben und voll auf Sieg spielen", sagte er.

"Die Situation ist schwierig, weil wir uns gegen Schalke eine Auszeit genommen haben, insofern sind wir jetzt in der Pflicht", gestand Trainer Felix Magath. Vor der am Samstag beginnenden englischen Woche musste auch Manager Uli Hoeneß zugeben: "Die Lage ist sehr ernst."

Aus dem Tritt gekommen

Die Leichtigkeit, mit der die Bayern vor der 14-tägigen Liga-Pause zu Werke gingen und in Bremen und gegen Ajax Amsterdam in der Champions League begeisterten, scheint verflogen. Der Angriff um Top-Torjäger Roy Makaay ist seit zwei Partien ohne Torerfolg, das Team aus dem Rhythmus gekommen. Auch die neuerlichen gesundheitlichen Probleme von Nationalspieler Sebastian Deisler sorgten nicht gerade für eine Beruhigung der Situation. "Wir dürfen jetzt nur nicht nervös werden", fordert Kapitän Oliver Kahn.

Wie die Bayern hoffen die Traditionsclubs Borussia Dortmund und Hamburger SV vor dem "Krisengipfel" im Westfalenstadion auf bessere Zeiten - und streben nach den turbulenten vergangenen Wochen einen Neuanfang an. "Alles, was bisher passiert ist, muss jetzt beendet sein. Gegen den HSV wird man eine neue Borussia sehen", glaubt BVB-Coach Bert van Marwijk. Bei den auf den letzten Platz abgestürzten Norddeutschen soll der vom Amateur- zum Profitrainer beförderte Thomas Doll für die Wende sorgen. "Die Mannschaft brennt. Die Jungs werden Leidenschaft zeigen und reinhauen", kündigt der 38-Jährige an.

FCK-Trainer Jara vor dem Rauswurf

Brisanz versprechen auch die Duelle auf dem Betzenberg und in Mönchengladbach. Beim Tabellenvorletzten aus Kaiserslautern steht Trainer Kurt Jara vor der Partie gegen Bayer Leverkusen auf der Kippe. "Wir haben sechs Punkte aus acht Spielen und drei von vier Heimspielen verloren - es muss etwas geschehen", fordert Teammanager Olaf Marschall. Von einem Ultimatum ist offiziell nicht die Rede, doch bei einer Niederlage dürften Jaras Tage beim FCK gezählt sein. "Er kennt die Spielregeln in dieser Branche", meinte Clubchef René C. Jäggi.

Diese Mechanismen lernte vor 13 Monaten Ewald Lienen kennen, als er schon nach sechs Spieltagen als Coach von Borussia Mönchengladbach entlassen wurde. Jetzt kehrt der 50-Jährige mit Hannover 96 zu seinem ehemaligen Club zurück. Nach der unrühmlichen Trennung dürfte das Wiedersehen mit seinem Nachfolger Holger Fach und Sportdirektor Christian Hochstätter von kühler Distanz geprägt sein.

Selbstbewußter Aufsteiger

Von solchen Problemen ist der völlig unbekümmert auftrumpfende Aufsteiger aus Mainz derzeit weit entfernt. Die Euphorie beim Tabellen-Dritten ist vor der Partie beim FC Schalke 04 riesengroß. "Wir fahren auf Schalke und wenn wir schon mal dort sind, wollen wir auch punkten", meinte Trainer Jürgen Klopp selbstbewusst. Sein Kollege Ralf Rangnick dagegen muss darauf achten, dass beim Revierclub kein neues Problemfeld um den Brasilianer Ailton entsteht. Beim 1:1 im UEFA-Cup gegen Basel saß der Bundesliga-Torschützenkönig der vergangenen Saison bis zur 86. Minute auf der Bank. Und es blieb offen, ob Rangnick ihn gegen Mainz von Beginn an bringen wird.

Heile Welt in Bremen und Stuttgart

Zufriedene Gesichter gibt es momentan dagegen unter bei Werder und dem VfB Stuttgart. Der deutsche Meister aus Bremen will die Euphorie nach dem Champions-League-Sieg in Anderlecht in den Liga-Alltag gegen Nürnberg retten. Und mit einem Sieg in Freiburg will der VfB nach dem 5:1 im Uefa-Cup in Beveren nicht nur die Tabellenführung verteidigen, sondern auch als einziges Team der Liga weiterhin unbesiegt bleiben.

Wolfgang Müller/DPA / DPA

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