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EM-Spiel gegen Spanien Beste Stimmung in der Nationalelf, aber eine Benachteiligung gegenüber den Männern ärgert die Bundestrainerin

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg spricht während einer Trainingseinheit mit Mittelfeldspielerin Lina Magull
Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg spricht während einer Trainingseinheit mit Mittelfeldspielerin Lina Magull
© Eibner / Memmler / Picture Alliance
Die deutsche Nationalelf steht gegen Spanien vor dem ersten Härtetest bei dieser Fußball-EM. Die Stimmung im Team ist trotz des Ausfalls von Torjägerin Lea Schüller bestens, aber eine Uefa-Regelung ärgert Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg musste auf der Pressekonferenz vor dem EM-Gruppenspiel gegen Spanien etwas loswerden. "Ich möchte den Moment jetzt auch wirklich nutzen, den Finger da bisschen in die Wunde zu legen. Wir haben vorher die Uefa gebeten, darüber nachzudenken, ob wir 26 Spielerinnen mitnehmen dürfen. Das ist nicht gewährleistet worden, obwohl es die Männer bei der WM machen können", sagte Voss-Tecklenburg am Montagabend.

Einen Tag vor dem wichtigen Spiel gegen die Spanierinnen hatte die DFB-Elf eine schlechte Nachricht ereilt. Mittelstürmerin Lea Schüller wurde positiv auf das Coronavirus getestet und fällt mindestens fünf Tage aus. Im Moment zeige sie nur milde Symptome, berichtete die Bundestrainerin. Ob sich die Torjägerin vom FC Bayern nach fünf Tagen freitesten kann, wird sich zeigen. Sie müsste frei von Symptomen sein. Genauso gut ist es möglich, dass weitere Corona-Fälle auftreten und Voss-Teckenburg das Personal knapp wird. Verstärkt werden die Sorgen durch den Ausfall von Mittelfeldspielerin Laura Freigang, die an Knieproblemen laboriert.

Fußball-EM der Frauen: Bei den Männern wäre der Aufschrei größer gewesen

Die Bundestrainerin ärgert daran, dass Corona-Infektionen abzusehen waren. Und mit 26 Spielerinnen im Kader wären Ausfälle leichter zu verkraften. Voss-Tecklenburg. appellierte an die Uefa, die Beschränkung zu überdenken. Es schwang dabei mit, dass diese Regelung mal wieder so ein Beispiel für die Benachteiligung des Frauen-Fußballs ist. Man stelle sich einmal vor, hier würden die Männer spielen, der Aufschrei auch in den Medien wäre bedeutend lauter.

Es ist die große Crux des Frauen-Fußballs, dass er immer wieder mit der großen Übermacht des Männer konfrontiert wird. Geld, Aufmerksamkeit,  schwerere Rahmenbedingungen, ungerechte Vergleiche – die Fußballerinnen kämpfen auf vielen Feldern für mehr Gleichberechtigung. Das schwingt in einer solchen Kritik immer mit.

Dabei ist die Stimmung in der Nationalelf, die im feinen Hilton London Syon Parks im Westens Londons residiert, nach dem furiosen 4:0-Auftaktsieg gegen Dänemark bestens. Vor dem Turnier war unklar, wo die Mannschaft steht. Jetzt zählen die deutschen Fußballerinnen auf einmal zu den heiß gehandelten Titel-Favoriten. Die größten Konkurentinnen sind England und Frankreich. Und eben die Spanierinnen, die Finnland am ersten Spieltag überlegen mit 4:1 überrannten. Voss-Tecklenburg sieht sogar sechs oder sieben Mannschaften, die in der Lage seien, den Titel zu gewinnen.

Das mindert nicht das Selbstbewusstsein, das die deutsche Elf vor dem entscheidenen Gruppenspiel in London ausstrahlt (ab 21.00 Uhr im stern-Liveticker oder ab 20.15 Uhr live in der ARD) aus. Der Zuspruch aus der Heimat dürfte dazu beitragen. Das Duell am vergangenen Freitagabend gegen Dänemark sahen immerhin knapp sechs Millionen Zuschauer, was Tagesrekord war. Gegen Spanien wird die Quote höher sein.

Der Respekt vor den Spanierinnen ist groß

Der Respekt im deutschen Team vor den Spanierinnen ist ziemlich groß. Sie sind seit 24 Spielen unbesiegt und kassierten 2021 in neun Partien kein einziges Gegentor. Die gute Nachricht könnte sein: Der Gegner muss auf Weltfußballerin Alexia Putellas (Kreuzbandriss) und Rekordtorschützin Jennifer Hermoso (Innenbandverletzung) verzichten. "Es wird interessant, ob Spanien den Ausfall tatsächlich kompensieren kann und was das für die Mannschaft im Turnierverlauf bedeutet", schrieb Ersatztorhüterin Almuth Schult in ihrer Kolumne für das "Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND)".

Gedanken muss sich die Bundestrainerin über den Ersatz für Schüller machen. Mit Kapitänin Alexandra "Poppi" Popp vom VfL Wolfsburg und Laura Freigang von Eintracht Frankfurt stehen ihre zwei Alternativen zur Verfügung, die kaum weniger Qualität bedeuten. Auf wen die Wahl fällt, wollte Voss-Tecklenburg nicht verraten. Popp feierte ihr Comeback mit einem Tor und Tränen nach dem Spiel. Sie war monatelang mit einer langwierigen Knieverletzung und dann noch einer Covid-19-Infektion ausgefallen.  

Grundsätzlich zeigte sich Voss-Tecklenburg sicher, "dass wir Lösungen finden werden" gegen die spielstarken Spanierinnen. Ein Sieg würde den Gruppensieg bedeuten und man würde den Engländerinnen im Viertelfinale aus dem Weg gehen. Und man hätte das nächste Spiel wieder in London.

Quellen: "Süddeutsche Zeitung", "kicker", "Augsburger Allgemeine Zeitung", DPA.


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