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FUSSBALL: Herrlich hat Gehirntumor überstanden

Heiko Herrlich hat sein Krebsleiden überwunden und hofft auf eine Rückkehr in den Profi-Fußball.

Heiko Herrlich hat sein Krebsleiden überwunden und hofft auf eine Rückkehr in den Profi-Fußball. Nach wochenlanger quälender Ungewissheit und strapaziöser Strahlentherapie gab der an einem bösartigen Gehirntumor erkrankte Angreifer von Borussia Dortmund seine vollständige Genesung bekannt. Blass, kahlköpfig und abgemagert, aber sichtlich erleichtert stellte er sich in einer von ihm selbst initiierten Pressekonferenz am Mittwoch im Westfalenstadion erstmals seit der schockierenden Diagnose am 9. November des Vorjahres der Öffentlichkeit. »Alle Ärzte gehen hundertprozentig davon aus, dass ich wieder Fußball spielen kann. Aber ich muss jetzt viel Geduld haben«, sagte der 29 Jahre alte Stürmer.

Kampf ums Überleben

Entgegen bisheriger Meldungen hatte sich die Geschwulst im Mittelhirn bei einer Gewebeuntersuchung am 5. Dezember in der Kölner Universitätsklinik als bösartig herausgestellt. Weil sein Tumor aber als sehr strahlensensibel galt, entschieden sich die Mediziner zu einer Strahlentherapie. Vor allem sein Glaube an Gott habe ihm geholfen, die Strapazen dieser Behandlung in Heidelberg zu überstehen. »Den knapp sechswöchigen Aufenthalt habe ich mir vorher einfacher vorgestellt, als er dann war. Ich musste mich häufig übergeben, hatte keinen Appetit mehr und war auch sonst zu nichts gebrauchen«, sagte der strenggläubige Christ. In diesen Wochen sei es nicht »um eine Rückkehr in den Profi-Fußball, sondern um das eigene Überleben« gegangen.

Zu seiner großen Erleichterung wurde bei einer Nachuntersuchung in der vergangenen Woche kein neuer Tumor festgestellt. Die schnelle Genesung nur viereinhalb Monate nach dem Auftreten erster Krankheitssymptome sorgte bei Mitspielern und Vereinsvertretern für große Erleichterung. »Die Kraft und die Stärke, mit der er diese Probe des Schicksals angegangen ist, war außergewöhnlich«, sagte BVB- Präsident Gerd Niebaum: »Wir freuen uns alle, dass er die Krankheit überwunden hat.« Wie schon in den vergangenen Wochen wolle der Verein seinem Angestellten auch in den kommenden Wochen alle erdenkliche Hilfe zukommen lassen: »Ich gehe davon aus, dass Heiko wieder unser Trikot tragen wird. Je mehr Geduld man nun mit ihm hat, desto eher wird er zurückkehren.«

Trost von den Fans

Herrlich bedankte sich für die über tausend Briefe, Faxe und E- Mails von Fußball-Fans, die ihm während der Therapie Genesungswünsche übermittelt hatten. Mit langsamen Waldläufen will er wieder Anschluss an den Profi-Kader finden. »Auch Lance Armstrong hat nach seiner Chemotherapie nicht gleich die Tour de France gewonnen«, sagte der fünfmalige Nationalspieler in Anspielung auf den Rad-Profi, der nach einem überstandenen Krebsleiden ein grandioses Comeback feierte.

Herrlich steht seit 1995 in Diensten der Borussia. Der Bundesliga- Torschützenkönig von 1995 (zusammen mit Mario Basler) erzielte in dieser Saison in nur zehn Saisonspielen sieben Treffer. Der Vertrag des Angreifers in Dortmund läuft zum Saisonende aus. Allerdings ließ er keinen Zweifel an der Verlängerung des Kontrakts: »Auch auf das Risiko hin, dass ich niemals mehr Fußball spielen kann, hat sich der Verein in unglaublicher Weise für mich engangiert.«

Von Heinz Büse (dpa)

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