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Fußball-International: Arsenal verliert beim Schlusslicht

Auf den neu formierten FC Arsenal kommen schwere Wochen zu. Beim bisherigen Tabellenletzten Blackburn kassierte die Abwehr um Per Mertesacker vier Gegentreffer, verlor zum dritten Mal in dieser Saison und muss sich wohl eher auf Abstiegskampf einstellen.

Der FC Arsenal bleibt die Schießbude der Premier League. Bei den Blackburn Rovers verloren die Gunners mit 3:4 und haben in den bisherigen fünf Saisonspielen bereits 14 Gegentreffer kassiert. Die Abwehr um Per Mertesacker zeigte sich in einem desolaten Zustand, immerhin waren die Rovers bisher Schlusslicht – nach dem Sieg konnten sie in der Tabelle aber an Arsenal vorbeiziehen.

Dabei verspielten die Londoner sogar zwei Führungen, mit 2:1 waren sie noch in die Kabine gegangen. Doch danach brach die Hintermannschaft völlig auseinander, produzierte durch Alex Song (50.) und Laurent Koscielny (68.) zwei Eigentore und kassierte durch Ayegbeni Yakubu (59.) einen weiteren Treffer – wenn auch aus stark abseitsverdächtiger Position. In der ersten Halbzeit hatten Gervinho (10.) und Mikel Arteta (34.) für die Gunners getroffen, Yakubu hatte den Ausgleich erzielt (25.). Der Anschlusstreffer des eingewechselten Marouane Chamakh (85.) kam zu spät für die Gunners.

Besondere Freude herrschte nach dem nicht unbedingt eingeplanten Erfolg bei Blackburns Coach Steve Kean. Vor der Partie stand Kean nach einem Punkt aus vier Spielen gehörig unter Druck, laut soccernet soll mit Ole Gunnar Solksjaer sogar schon ein Nachfolger bereitstehen. Der ehemalige Star von Manchester United trainiert in seiner norwegischen Heimat derzeit Molde, liebäugelt aber mit einem Wechsel zurück in seine Wahlheimat. Der 4:3-Sieg wird Kean aber sicher eine Atempause verschaffen.

Wenger baut um

Arsenal-Coach Arsene Wenger hatte zuletzt einen klaren Aufwärtstrend bei seinem Team ausgemacht. Allerdings gaben schon die Leistungen seiner neu ausgerichteten Mannschaft sowohl beim 1:0-Sieg gegen Swansea als auch beim glücklichen 1:1 in der Champions League gegen Borussia Dortmund nur wenig Grund zur Freude bei den Gunners-Fans.

Wenger baute sein Team gegenüber dem Remis beim BVB auf drei Positionen um. Theo Walcott, Kieran Gibby und auch Neuzugang Yossi Benayoun rotierten auf die Bank, dafür begann Andre Santos als Linksverteidiger, Aaron Ramsey sollte das Mittelfeld stärken und Andrei Arshavin für mehr Durchschlagskraft im Angriff sorgen.

Der beste Mann der ersten Halbzeit war mit Gervinho aber einer der Neuzugänge, der in Dortmund noch enttäuschte. Gegen Blackburns Abwehr um den Ex-Herthaner Christopher Samba hatte es der Ivorer aber leichter und so hielt sich die Gegenwehr beim frühen Führungstreffer dann auch in Grenzen. Song wurde im Mittelfeld nicht richtig angegriffen, sein kluger Pass in die Tiefe fand den durchstartenden Gervinho und der ließ Torwart Paul Robinson mit einem Schuss in die lange Ecke keine Chance (10.).

Die Abwehr weiter mit Abstimmungsproblemen

Auch in der Folge war Arsenal das spielbestimmende Team, Gervinho scheiterte mit seiner zweiten großen Chance an Robinson (22.). Doch die 25. Minute zeigte erneut, wo Wenger in den kommenden Wochen den Trainings-Schwerpunkt legen muss. Mertesacker und sein Innenverteidiger-Kollege Koscielny haben noch nicht die optimale Abstimmung gefunden, Nutznießer war Yakubu, der sich im Rücken der Abwehr gelöste hatte, von David Hoilett bedient wurde und Wojciech Szczesny keine Chance ließ.

Arsenal zeigte sich aber nur kurz beeindruckt und eroberte die Führung schnell zurück. Ramsey wurde auf der rechten Seite schön freigespielt, der 20-Jährige passte klug in den Rücken der Abwehr und Arteta setzte den Ball unter die Latte (34.). Arteta war wie Mertesacker erst gegen Ende der Transferperiode zu Arsenal gekommen und hat bereits einen Stammplatz sicher – zurecht, wie er in dieser Szene unter Beweis stellen konnte.

Zwei Eigentore entscheiden das Spiel

Wer nun aber gedacht hat, dass die Gunners die Partie locker nach Hause bringen würden, sahen sich schon früh getäuscht. In der Offensive ging nicht mehr viel und in der Abwehr häuften sich die Fehler. Erstmals profitierte Blackburn in der 50. Minute, als Ruben Rochina einen Freistoß hinein lupfte, kein Arsenal-Verteidiger klären wollte und Song den Ball völlig verdutzt ins eigene Tor lenkte.

Bei den Rovers ging nun merklich ein Ruck durch die Mannschaft, immer mehr Spieler merkten, dass an diesem Tag gegen den vermeintlich übermächtigen Gegner etwas möglich war. Allerdings musste Schiedsrichter Andre Marriner zur Seite springen, denn Yakubu stand bei seinem Führungstor einen Schritt im Abseits (59.).

Arsenal war die Verunsicherung nun anzumerken, bestes Beispiel war der vierte Rovers-Treffer: Nach einer Ecke für die Gunners stimmte das Rückzugsverhalten überhaupt nicht, Martin Olsson konnte auf der rechten Seite über den gesamten Platz bis zur Grundlinie sprinten, sein Rückpass landete auf dem Fuß von Koscielny und der bemitleidenswerte Szczesny war erneut geschlagen (68.).

Erst in der Schlussphase wurden die Gunners wieder gefährlicher. Nach dem Anschlusstreffer von Joker Chamakh (85.) wurde auch Mertesacker von Wenger nach vorne beordert und der Ex-Bremer hätte seinem neuen Team tatsächlich einen Punkt retten können. Sein Kopfball in der Nachspielzeit ging aber knapp über das Aluminium. Kurz darauf pfiff Marriner ab und die Zuschauer im Ewood Park konnten jubeln.

Marcus Krämer

sportal.de / sportal

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