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Fußball: Kronzeuge Hoyzer

Im Wettskandal geht es weiter und weiter. Jetzt muss Felix Zwayer vor das Sportgericht. Der Kontrollausschuss ruft dafür keinen geringeren in den Zeugenstand als Robert Hoyzer.

Der Manipulations-Skandal des deutschen Fußballs beschäftigt noch einmal das DFB-Sportgericht. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erhob Anklage gegen Schiedsrichter Felix Zwayer und beantragte für den 24-Jährigen neun Monate Sperre. Offenbar geht der Verbands-Ankläger davon aus, mit einem Kompromiss den letzten Akt im größten Wettskandal der DFB- Geschichte schließen zu können. Denn die beantragte Sperre für den Berliner Schiedsrichter soll schon ab Ende Januar 2005 gelten. Das heißt: Wenn das Sportgericht unter Vorsitz von Rainer Koch der Anklage folgen würde, könnte Zwayer theoretisch ab sofort wieder als Schieds- und Linienrichter fungieren.

Dennoch steckt in der Anklage große Brisanz. Zwayer, der mit drei Berliner Schiedsrichterkollegen im Januar dieses Jahres den entscheidenden Hinweis zu den Spiel-Manipulationen von Robert Hoyzer gegeben hatte, bestritt bisher alle Vorwürfe. Der Kontrollausschuss unter Vorsitz von Horst Hilpert (Bexbach) geht dennoch von seiner Beteiligung an der Manipulation des Regionalliga-Spiels Wuppertal gegen die Amateure von Werder Bremen am 30. Mai 2004 aus. Zwayer wird vorgeworfen, als Assistent in Absprache mit Hoyzer fehlerhaft entschieden und dafür 300 Euro erhalten zu haben. Gesteht Zwayer vor dem Sportgericht seine Beteiligung, wäre nicht nur eine deutlich längere Sperre möglich. Wegen Unglaubwürdigkeit wäre die Fortsetzung seiner Schiedsrichter-Karriere sicher schwierig.

Staatsanwaltschaft prüft den Fall auch

Zwayer wird einem schriftlichen Verfahren vor dem Sportgericht kaum zustimmen und mit Sicherheit gegen ein schriftliches Urteil Einspruch einlegen, so dass es zu einer mündlichen Verhandlung kommen muss. Laut DFB-Kontrollausschuss hatten die vom Berliner Landgericht wegen Betrugs verurteilten Robert Hoyzer und Ante Sapina Referee Zwayer in ihren Aussagen belastet. Zwayer selbst sieht nur einen Belastungszeugen: Robert Hoyzer. So könnte es vor dem Sportgericht dazu kommen, dass Skandal-Schiedsrichter Hoyzer gegen Zwayer aussagt.

Der geständige Hoyzer hatte vor der 12. Strafkammer des Berliner Landesgerichts ausgesagt, Zwayer habe zumindest bei der Partie Wuppertal gegen Werder-Amateure mitgeholfen, das Spiel durch Absprache "auf den Weg zu bringen". Ob die 300 Euro aber auch an Zwayer geflossen sind, sagte Hoyzer vor Gericht nicht. Prozess- Beobachter vermuteten in den belastenden Aussagen Hoyzers allerdings eine "Retour-Kutsche" für Zwayers Aufklärungsarbeit.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren gegen Zwayer wegen geringer Schuld entsprechend Paragraf 153/1 der Strafprozessordnung eingestellt. "Aber aus sportrechtlicher Sicht kommt den Zwayer vorgeworfenen Verfehlungen wegen der schwerwiegenden Verletzung seiner Neutralitätspflicht dennoch erhebliche Bedeutung zu", heißt es in einer DFB-Erklärung.

Sperre für Zwayer wahrscheinlich

Kontrollausschuss-Chef Hilpert führt zur Begründung der beantragten Sperre an: "Wegen des begangenen unsportlichen Verhaltens ist eine empfindliche Strafe zu verhängen, da Felix Zwayer durch sein Fehlverhalten die als Schiedsrichter-Assistent obliegende Pflicht zur neutralen Ausübung seiner Tätigkeit in grober Weise verletzt hat." Andererseits sei Zwayer erheblich zugute zu halten, "dass er zu Beginn des sportgerichtlichen Verfahrens durch seine Aussagen zur Aufklärung des Sachverhalts maßgeblich mit beigetragen hat."

"Ich möchte jetzt so schnell wie möglich wieder auf den Platz und Spiele pfeifen", hatte Zwayer nach der Einstellung des staatsanwaltschaftlichen Verfahrens geäußert. Das ist nach der Anklage-Erhebung beim DFB allerdings wieder in Frage gestellt.

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