Fußball-Nationalelf Debütantenball gegen Georgien


Im Freundschaftspiel gegen Georgien will Bundestrainer Joachim Löw am Samstag neuen Kadermitgliedern eine Chance geben. Priorität habe aber auf jeden Fall das Punktspiel gegen die Slowakei.

Am Tag nach dem großen "Gänsehaut-Gefühl" der Nationalmannschaft bei der Film-Premiere ihres WM-Sommermärchens hat Joachim Löw sofort wieder alle Konzentration auf den langen Weg zur Fußball-Europameisterschaft 2008 gerichtet. Das letzte Heimspiel im WM-Jahr an diesem Samstag (20.00 Uhr/ZDF) in Rostock gegen Georgien erklärte der Bundestrainer dabei zu einem untergeordneten Testlauf für die vier Tage später folgende Nagelprobe in der EM-Qualifikation. "Die Priorität liegt eindeutig bei dem Spiel in der Slowakei. Da haben wir die Chance, einen Konkurrenten zu distanzieren. Das ist das Ziel", sagte Löw in Berlin.

Den Premieren-Besuch des WM-Films von Sönke Wortmann am Vorabend betrachtete Löw nicht als Störung der Vorbereitung, sondern begrüßte sie als zusätzliche Motivation für seine Akteure. "Wir hatten uns alle unglaublich gefreut auf den Film." Zwar sei der Gang über den Roten Teppich ungewöhnlich gewesen, aber während der zwei Stunden im Kino habe man "häufig eine Gänsehaut" bekommen. "Der Film ist ein Dokument für die Ewigkeit. So etwas wird es so schnell nicht wieder geben", betonte Löw.

Slowakei-Spiel zählt

Für einen neuen, tollen EM-Sommer 2008 hat der 46-Jährige in dieser Woche "alle Planungen" auf das schwere Punktspiel gegen die slowakische Auswahl ausgerichtet. Gegen das Team um die Nürnberger Bundesliga-Asse Marek Mintal und Robert Vittek hatte die DFB-Elf noch unter Jürgen Klinsmann im September 2005 eine peinliche.0:2- Niederlage erlitten. In der EM-Qualifikation belegen die Slowaken nach zwei Spieltagen in Gruppe D mit drei Punkten Platz drei hinter Deutschland und Tschechien (beide 6). Der Gruppenerste und - zweite qualifizieren sich für die EM in Österreich und der Schweiz.

Noch vor der ersten Trainingseinheit des 21-köpfigen Kaders am Mittwochnachmittag im Amateurstadion von Hertha BSC nahm Löw mit seinem Trainerstab und der medizinischen Abteilung "eine körperliche Bestandsaufnahme jedes Spielers" vor. Die ersten Konsequenzen daraus sind ein stark individualisiertes Training bis zum Freitag sowie der Verzicht auf den angeschlagenen Gladbacher Stürmer Oliver Neuville (Achillessehne) gegen Georgien. Auch zuletzt stark beanspruchte Stammkräfte wie Stürmer Miroslav Klose oder Abwehrspieler Philipp Lahm werden in Rostock wohl nur 45 Minuten spielen, kündigte Löw an: "Alle sollen am nächsten Mittwoch auf optimalem Niveau sein."

Chance, sich zu präsentieren

Das Freundschaftsspiel gegen Georgien, bei dem die FIFA-Regeln sechs Auswechslungen zulassen, will der Bundestrainer zu personellen Experimenten nutzen. Schließlich hat er in Torhüter Robert Enke (Hannover 96), den Abwehrspielern Clemens Fritz (Werder Bremen) und Alexander Madlung (VfL Wolfsburg), Mittelfeldspieler Piotr Trochowski (Hamburger SV) und Alemannia Aachens Torjäger Jan Schlaudraff gleich fünf Akteure ohne Länderspiel-Einsatz in seinem Kader. "Wir werden das eine oder andere ausprobieren und wollen dem einen oder anderen die Chance geben, sich zu präsentieren", kündigte Löw an.

Die überraschende erstmalige Einladung an das Trio Schlaudraff, Fritz und Trochowski begründete der Bundestrainer in erster Linie damit, dass sie in die offensive Spielphilosophie der deutschen Elf passen würden. Sie sollen in der kommenden Woche auf und außerhalb des Platzes beweisen, "dass sie unsere Ansprüche erfüllen und auch umsetzen können", sagte Löw. Die drei Neuen präsentierten sich in den ersten Stunden im Kreis der deutschen Elitekicker zurückhaltend und am Mittwoch beim gemeinsamen Auftritt vor den Medien äußerst brav. Ambitionen in Richtung EM 2008 sind dennoch vorhanden: "Es ist für jeden ein Traum, einmal für Deutschland zu spielen. Es ist schon so, dass das keine Eintagsfliege sein soll", äußerte der Bremer Fritz.

Trotz Konzentration auf die Slowakei: Zum Ernstfall wird das Georgien-Spiel zumindest für Torhüter Timo Hildebrand. Der Stuttgarter war nach der WM und dem Rücktritt von Oliver Kahn zur Nummer 2 hinter Jens Lehmann aufgestiegen und darf in Rostock sein viertes Länderspiel bestreiten. Der 27-Jährige muss sich in den kommenden Monaten nachdrängenden Konkurrenten wie Enke oder auch Roman Weidenfeller (Borussia Dortmund) erwehren. "Der Wettbewerb hinter Lehmann ist eröffnet", verkündete Löw in Berlin.

Klaus Bergmann und Arne Richter/DPA DPA

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