Fußball-Nationalmannschaft Kuranyi kehrt ohne Groll zurück


Nach 15 Monaten kehrt der Schalker Stürmer Kevin Kuranyi in den Kreis der Fußball-Nationalmannschaft zurück. Dabei zeigt er sich vor dem Spiel gegen die Schweiz ähnlich euphorisch wie der neu berufene Stuttgarter Mario Gomez.

Kevin Kuranyi und Mario Gomez trennen drei Jahre, 35 Länderspiele und 14 Tore für Deutschland - und trotzdem sehen sich der Rückkehrer und der Nationalmannschafts-Neuling am gleichen Ausgangspunkt. "Ich muss mir alles neu erarbeiten, ich fange bei Null an", sagte der 24-jährige Schalker Kuranyi in Düsseldorf, wo er an diesem Mittwoch gegen die Schweiz nach 15 Monaten endlich sein lang ersehntes Comeback im Deutschland-Trikot feiern darf. Gomez hat zwar mit seiner erstmaligen Nominierung ein großes Etappen-Ziel erreicht, dennoch geht es auch für den 21 Jahre alten Stuttgarter jetzt erst richtig los. "Ich freue mich riesig, hier dabei zu sein. Aber ich habe noch nichts erreicht, keine Titel, nichts", sagte der Debütant, für den Kuranyi während der gemeinsamen Zeit beim VfB Stuttgart ein Vorbild war. "Kevin hat gezeigt, wie es geht. Es war mein Ziel, auch dort hinzukommen", sagte Gomez.

Dieses Mal hat es der große WM-Verlierer Kuranyi geschafft, in den deutschen Elitekreis zurückzukommen. Und einen besseren Gegner für sein Comeback in der Fußball-Nationalmannschaft hätte sich der achtfache Saisontorschütze kaum wünschen können. "Beim letzten Länderspiel gegen die Schweiz habe ich zwei Mal getroffen", sagte Kuranyi in der noch guten Erinnerung an den 2. Juni 2004, als ihm beim deutschen 2:0-Erfolg an der Seite von Miroslav Klose sein erster von bislang zwei "Doppelpacks" im Nationaltrikot gelungen war.

"Was war, ist Vergangenheit"

Ausgerechnet gegen die Eidgenossen könnte Kuranyi 15 Monate nach seinem Kurzeinsatz beim 0:0 in Paris gegen Frankreich erstmals wieder an der Seite von WM-Torschützenkönig Klose stürmen. Bundestrainer Joachim Löw hat dem Schalker eine neue Bewährungschance bereits zugesichert. Kuranyi könnte mit seinem 36. Länderspiel den ersehnten Schlusspunkt unter die bitterste Zeit seiner bisherigen Fußball-Karriere setzen - allerdings ohne öffentlich nachzukarten: "Was war, ist Vergangenheit. Ich denke nicht, dass ich auf jemanden sauer sein muss", versicherte Kuranyi, den Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann und dessen damaliger Assistent Löw im vergangenen Sommer in letzter Minute aus dem WM-Kader gestrichen hatten.

Kuranyi kehrt sportlich und menschlich gereift in den deutschen Elitezirkel zurück. "Ich habe sehr viel gelernt in dieser Leidenszeit. Ich habe viel überlegt, ich wollte unbedingt wieder Erfolg haben." Beim Bundesliga-Spitzenreiter Schalke hat er sich diesen mit der Unterstützung von Trainer Mirko Slomka mit Toren und Leistung wieder erarbeitet. Damit habe sich Kuranyi seine Rückkehr verdient, betonte Löw: "Kevin hat sich im spielerischen Bereich weiter entwickelt. Ich erwarte von ihm, dass er das umsetzt, was er in der Vergangenheit schon bei uns gezeigt hat."

Gomez auf Wolke sieben

Die Ansprüche des Bundestrainers an Gomez sind vorerst deutlich geringer. "Mario steht am Anfang", sagte Löw, der dem Stürmer mit der Kuranyi-Statur eine große Dynamik und Zug zum Tor attestiert. "Jetzt wird sich zeigen, wie er mit dem steigenden Leistungsdruck umgeht." Vorerst schwebt Gomez nach seinem "Doppelpack" gegen Bielefeld, der Nationalmannschafts-Nominierung und dem Siegtor am Wochenende beim Stuttgarter 1:0-Sieg in Dortmund auf Wolke sieben. "Sportlich gesehen war es die beste Woche in meinem Leben. Es passt eigentlich alles", sagte der elffache Saisontorschütze. Auch dieses Wohlbefinden hat er mit Bundesliga-Tabellenführer Kuranyi derzeit gemeinsam.

Klaus Bergmann und Arne Richter/DPA DPA

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