Fußball-Presseschau WM-Flucht aus Südafrika


WM 2010 in Südafrika? Nicht mal Fifa-Boss Blatter mag daran noch glauben. Möglicher Ausweichort: Die USA - mit Jürgen Klinsman als Nationaltrainer. stern.de und indirekter-freistoss.de blicken in die Gazetten.

Wo wird die WM 2010 stattfinden? Dass diese Frage, die seit vier Jahren beantwortet schien, in der Presse wieder gestellt wird, ist auf die Skepsis gegen den Ausrichter Südafrika zurückzuführen. Nun hat sich auch Fifa-Präsident Joseph Blatter ("Ich habe noch niemanden mit Spitzhacke und Spaten gesehen") vor die lange Reihe der Zweifler gestellt, denen drei allgemeine Organisationsmängel ins Auge stechen: ungesicherte Finanzierung und Stillstand der Stadionneubauten sowie schlechte Bausubstanz der alten Stadien; mangelnde innere Sicherheit; rückständige Infrastruktur, etwa öffentliche Verkehrsmittel betreffend. "Der Fifa-Chef hat das südafrikanische WM-Organisationskomitee wegen des alarmierenden Bauverzugs in den Stadien nicht einfach kritisiert, sondern zusammengestaucht auf einsfünfzig mit Hut", schreibt die Stuttgarter Zeitung.

"Den Deutschen wird gönnerhaftes Auftreten nachgesagt"

Die SZ meldet in dieser Woche den Vollzug einer Personalentscheidung, über die schon lange gemunkelt worden ist: Horst Schmidt, Vizepräsident des deutschen WM-OKs, wird als Leiter eines Krisenstabs in Südafrika zu Hilfe gebeten. Thomas Kistner stellt in Frage, ob der Deutsche dort willkommen ist: "Organisatorischen Austausch gibt es seit längerem, die Zeit wurde vor allem genutzt, um Animositäten aufzubauen. Unvergessen ist die hauchdünne Abstimmungsniederlage gegen die Deutschen im Juli 2000 - trotz Blatters Schützenhilfe. Seither wird den Deutschen gönnerhaftes Auftreten nachgesagt."

"Die Karre am Kap noch flottkriegen"

Doch mit der Frage, wo und wie die deutsche Kolonialhilfe ansetzen könnte, hält sich Kistner nicht lange auf; vielmehr spekuliert er über Ausweichorte. Dem Gastgeber 2006, auf deren Zuschlag die Bild am Sonntag hofft, räumt Kistner schlechte Karten ein, da Blatter, dem ein schwieriges Verhältnis zu den Deutschen nachgesagt wird, dieser Apfel zu sauer wäre. Stattdessen habe die USA beste Karten: "Nichts spricht technisch gegen die USA, zugleich sportpolitisch alles dafür. Den Gesichtsverlust, nach 2006 gleich wieder nach Europa gehen zu müssen, diesmal als bettelnde Asylsucher - die Peinlichkeit will sich der Weltpräsident Blatter ersparen. Asien 2002 war kein nachhaltiger Erfolg, der Fußball profitierte kaum von der WM, die Stadien blieben leer. Südamerika ist gemäß Rotationsprinzip 2014 dran, mit Brasilien. Dies vorzuziehen, ist jedoch illusorisch, auch beim fünfmaligen Weltmeister müssen zwölf Stadien erst noch gebaut werden." Kistners Fazit: "Für 2010 dürfen sich die USA warmlaufen - es sei denn, Krisenhelfer Schmidt kriegt die Karre am Kap noch flott."

"Die WM fliegt zu Klinsi"

Ein weiterer Indizienfund - Oskar Beck (Stuttgarter Zeitung) schließt die Vermutung um einen WM-Ortswechsel mit dem Gerücht kurz, die USA verhandelten mit Jürgen Klinsmann: "Die Amerikaner haben ausgerechnet jetzt, wo Blatters Zorn auf die Südafrikaner stündlich wächst, offenbar die eiserne Absicht, sich bei der Qual der Wahl zwischen Sven Göran Eriksson und Jose Pekerman für Klinsmann zu entscheiden. Also für den besten Heimtrainer der Welt. Auswärts kocht Klinsmann auch nur mit Wasser und verbrüht sich die Finger, man hat es vor der letzten WM schmerzlich erleben müssen - aber vor dem eigenen Publikum springt sein Funke über, da sorgt dieser Feuerspucker für die zündende Aufbruchstimmung, und die US-Boys, die das Herzblut und die Hingabe schon mit der Muttermilch eingeflößt bekommen, werden ihm im Hexenkessel des Heimvorteils in den WM-Triumph willig folgen. Jedenfalls werden die Amerikaner ihrem Beuteschwaben ein Angebot machen, das er nicht ablehnen kann: Von der Revolverpresse droht kein Störfeuer, er kann in Ruhe arbeiten - und darf sogar ungestraft in Kalifornien wohnen bleiben. Er muss der WM beim nächsten Mal nicht hinterher fliegen. Die WM fliegt ihm zu."

"Schweigepflicht gebrochen"

Fußballdeutschland diskutiert über Schalker Indiskretionen und Denunziationen, also über Gerald Asamoah, dem niemand das zutraut, wofür die Vereinsführung ihn zuerst bestraft hat, um mit ihm anschließend den "westfälischen Frieden" (Tagesspiegel) zu schließen: die Drohung, Trainer Slomka öffentlich Ärger zu machen, wenn er ihn, Asamoah, nicht aufstellt. Doch in die Kritik geraten stattdessen Trainer und Manager, denen die Presse vorwirft, aus der Mücke einen Elefanten zu machen; im Verdacht, an den Strippen zu ziehen, steht Spielerberater Roger Wittmann, der einige Schalker Spieler als Kunden betreut, darunter Asamoahs Sturmrivalen Halil Altintop, der die "Schweigepflicht" gebrochen haben soll.

"Zwietrachtbildender Vorgang"

Philipp Selldorf (SZ) verteidigt Asamoah und kritisiert die Klubführung: "Nicht die Äußerungen Asamoahs sind Kern des Problems, sondern der Umgang mit ihnen und die von Manager Müller und Trainer Slomka zu verantwortenden Folgewirkungen für die Firma Schalke 04. Ein Zwiegespräch wird zu einem öffentlichen Vorgang erklärt und zum Anlass einer demonstrativen Strafaktion durch die sportliche Leitung. Als Grundlage der Ermittlung gegen Asamoah dienen Hörensagen-Berichte von Mannschaftskollegen und Hinweise aus Altintops Berateragentur Rogon, die acht Spieler in Schalke vertritt - darunter drei Fünftel des Mannschaftsrates. Dieser Vorgang ist definitiv nicht team- sondern zwietrachtbildend, und er schärft auch nicht die Autorität des Managers und des Trainers. Er schafft bloß Vertrauensverlust." Felix Meininghaus (Financial Times) deutet an, was es für Schalke bedeuten könnte, wenn Wittmann hinter der Sache stecken würde, indem er ein altes Beispiel ins Gedächtnis ruft: "Es würde ein Besorgnis erregendes Bild vom Machtgefüge auf Schalke ergeben. Wittmann hat einst in Kaiserslautern Politik gemacht - was dem heutigen Zweitligisten nicht gut bekommen ist."

"Hang zur Denunziation"

Stefan Hermanns (Tagesspiegel) wertet die Versöhnung mit Asamoah als Zugeständnis an die Fans: "Asamoah ist auch deshalb mit Gnade davongekommen, weil alles andere den Schalker Fans nur schwer zu vermitteln gewesen wäre. Für die zuletzt häufig murrenden Anhänger ist der Vertrauensbruch in der Mannschaft schwerer zu ertragen als Asamoahs angebliche Drohung gegen Slomka. Der Hang zur Denunziation bestätigt sie nämlich in ihrer allgemeinen Skepsis gegen die aktuelle Mannschaft, die in ihren Augen jegliche Identifikation mit dem Verein vermissen lässt. Gerald Asamoah besitzt einen unschätzbaren Bonus: Er ist länger bei Schalke als jeder andere Spieler."


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