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Fußball-Wettskandal: Erfurt beantragt Nicht-Abstieg

Bei der DFL droht dicke Luft: Denn der abstiegsbedrohte Zweitligist Rot-Weiß Erfurt hat wegen des Wettskandals beantragt, in dieser Saison keinen Verein absteigen zu lassen - und bekommt nun Unterstützung von anderen Clubs.

Der FC Rot-Weiß Erfurt fordert in Folge des Manipulations- und Wettskandals eine Aussetzung des Abstiegs aus der 2. Bundesliga und stellt den deutschen Fußball möglicherweise vor eine Zerreißprobe. Auf der Vollversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) am Montag in Köln werden sich die 36 Profivereine mit dem Antrag der Thüringer beschäftigen. Sollte eine Mehrheit dafür stimmen, würde die Forderung von der DFL am kommenden Donnerstag beim außerordentlichen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Mainz zur Abstimmung gestellt werden.

"Was ist, wenn in einem Jahr Manipulationen bekannt werden?"

"Es kann nicht sein, dass über den Skandal der Mantel des Schweigens gedeckt wird. Ein Strafprozess wird wahrscheinlich erst im nächsten Jahr stattfinden. Wer kann denn voraussagen, ob dann nicht weitere Manipulationen festgestellt werden", so Erfurts Aufsichtsratsvorsitzender Rolf Rombach über den am 7. April bei der DFL eingereichten Antrag.

Die Hoffnungen von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder auf ein geräuschloses Ende der Affäre um den geständigen Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer haben damit einen herben Dämpfer erhalten. "Ich hoffe, dass kein Verein für eine Aussetzung des Abstiegs und eine damit verbundene Aufstockung der Ligen plädiert. Dann hätte die Wett-Mafia einen ihr nicht zustehenden Einfluss genommen. Da kann ich nur an die Solidarität innerhalb unseres Verbandes appellieren", hatte Mayer-Vorfelder am Rande des Uefa-Kongresses in Tallinn gesagt.

Durch Erfurts Antrag, den die ebenfalls vom Abstieg bedrohten Zweitligisten Rot-Weiß Essen, Karlsruher SC und LR Ahlen unterstützen, ist dieser Wunsch nur noch Makulatur. "Wir haben alle Fakten beraten und überprüft und sind der Meinung, dass wir den Antrag stellen mussten", sagte Rombach der Nachrichtenagentur DPA. Der Aufsichtsratschef des Aufsteigers, der dem DFB Versäumnisse im Anfangsstadium des Manipulationsskandals vorwirft, sieht eine gute Aussicht auf Erfolg. "Eine einfache Mehrheit reicht."

Unterstützung erfährt Rombach vor allem von den Vereinen, die sich von den DFB-Gerichten im Stich gelassen fühlen. Ahlen scheiterte zuletzt vor dem Schiedsgericht mit dem Einspruch gegen die Annullierung des 1:0-Sieges gegen Burghausen, der Karlsruher SC vor dem Bundesgericht mit der Klage auf eine Wiederholung des mit 0:3 verlorenen Spiels gegen den MSV Duisburg. In der Verhandlung hatte Karlsruhes Anwalt Christoph Schickhardt bereits mit Schadensersatzklagen gedroht, sollte der KSC absteigen und dadurch eventuell sogar eine Insolvenz anmelden müssen.

Eric Dobias/DPA / DPA

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