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Bewährungsstrafe für Gerd Niebaum: Der tiefe Fall des Ex-Borussen-Boss

Der ehemalige BVB-Präsident Gerd Niebaum ist wegen Untreue, Kreditbetrug und Urkundenfälschung zu 20 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Es ging um einen zweistelligen Millionenbetrag.

Niebaum hatte ab 2007 bei drei Banken Kreditanträge gestellt und dabei laut Geständnis "unvollständige und damit unzutreffende" Angaben gemacht

Niebaum hatte ab 2007 bei drei Banken Kreditanträge gestellt und dabei laut Geständnis "unvollständige und damit unzutreffende" Angaben gemacht

Er hat bei Krediten betrogen und Mandantengelder veruntreut: Der frühere BVB-Präsident und Rechtsanwalt Gerd Niebaum ist wegen Untreue, Kreditbetrug und Urkundenfälschung zu 20 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Richter folgten damit weitestgehend der Staatsanwaltschaft, die 22 Monate auf Bewährung gefordert hatte. Der 66-Jährige muss zusätzlich 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Niebaum hatte in dem seit Anfang Januar geführten Prozess weite Teile der Vorwürfe eingeräumt. Alle Taten gehen auf die Zeit nach seinem Ausscheiden beim Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund zurück.

Die Zeit, in der Niebaum nach eigenen Aussagen auf die schiefe Bahn geraten ist, nannte er selbst "sehr schwierig". Seine hoch angesehene Dortmunder Kanzlei sei in eine finanzielle Schieflage geraten. An allen Ecken und Enden habe plötzlich Geld gefehlt. In dieser Situation habe er schließlich Entscheidungen getroffen, die er sich heute selbst nicht mehr erklären könne.

Laut seinem Geständnis hat Niebaum ab 2007 bei drei Banken Kreditanträge gestellt und in den dabei erforderlichen Unterlagen "unvollständige und damit unzutreffende" Angaben gemacht. Außerdem habe er sich selbst aus einem Nachlass, den er als Testamentsvollstrecker zu verwalten hatte, ein Darlehen über 450.000 Euro ausgezahlt. Zwar sollen die Summen inzwischen weitgehend zurückgezahlt worden sein. An der Strafbarkeit ändert dies jedoch nichts.

Der tiefe Fall einer Lichtgestalt

Nach der Sternstunde 1997, als Niebaum als Präsident von Borussia Dortmund lächelnd mit dem Champions-League-Pokal posierte, ging es für den Juristen stetig bergab. Nur mit Mühe und Not entging der Revierclub im Jahr 2005 der Insolvenz. Die wirtschaftliche Talfahrt des BVB kostete Niebaum nach 18-jähriger Amtszeit den Posten als Vereinspräsident - und jede Menge Renommee.

Seither macht sich der 66 Jahre alte einstige Dortmunder "Sonnenkönig" in der Öffentlichkeit rar. Die unter seiner Regentschaft errungenen drei Meistertitel (1995, 1996 und 2002), der Pokalsieg von 1989 und der erste Börsengang eines deutschen Fußballclubs Ende Oktober 2000 erschienen angesichts seiner riskanten Geschäftspolitik in einem anderen Licht. Massive Kritik an seiner Misswirtschaft zwang Niebaum im November 2004 zum Rücktritt.

Danach arbeitete Niebaum wieder ausschließlich als Rechtsanwalt. Weitere unliebsame Schlagzeilen blieben ihm dennoch nicht erspart. Im Mai 2011 verlor er wegen "angenommenen Vermögensverfalls" seine Zulassung als Anwalt. Dieses Schicksal droht Anwälten, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Außenstände zu begleichen.

fin/DPA / DPA

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