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Dortmunder Finanzkrise: "Natürlich fehlt uns Geld..."

Beim krisengeschüttelten Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund wird nach Jahren mutiger Investitionspolitik verstärkt über den Verkauf namhafter Stars nachgedacht.

Beim krisengeschüttelten Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund wird nach Jahren mutiger Investitionspolitik verstärkt über den Verkauf namhafter Stars nachgedacht. "Das darf zumindest dann kein Tabu-Thema mehr sein, wenn die Mannschaft auch in der nächsten Saison nicht in der Champions League spielt", sagte Präsident Gerd Niebaum in einem Interview der "Bild am Sonntag".

"Natürlich fehlt uns Geld..."

Von einer drohenden Pleite des börsennotierten Fußball-Unternehmens könne dennoch keine Rede sein. "Das ist doch absurd. Natürlich fehlt uns Geld, weil die Mannschaft in der Champions League, im UEFA-Cup und im DFB-Pokal ausgeschieden ist. Aber darauf haben wir bereits durch die Gehaltsanpassung mit einem ersten konsequenten Schritt reagiert", versicherte Niebaum.

"Das Risiko ist sehr, sehr hoch"

Gleichwohl stoßen die Pläne der Vereinsführung, mit einer Anleihe von angeblich 80 bis 100 Millionen Euro eine neue Geldquelle zu erschließen, weiter auf Kritik. "Das Risiko ist sehr, sehr hoch. Wenn ein Verein für eine solche Anleihe einen großen Teil seiner künftigen Einnahmen auf Jahrzehnte abtreten muss, ist das immer ein Wechsel auf die Zukunft", meinte Willi Lemke, ehemaliger Manager von Werder Bremen. Der amtierende Bremer Bildungssenator rät der BVB- Vereinsspitze von diesem Schritt ab: "Mit einer Anleihe wird die nächste Führungscrew des Clubs belastet. Dasselbe Problem haben wir in der Politik. Wir machen Schulden, die unsere Enkel irgendwann zurückzahlen müssen."

Banken sind verärgert

Auch aus Banker-Kreisen wird Kritik an der Geschäftsführung der Borussia laut. Nach Informationen der "Welt am Sonntag" soll die Deutsche Bank, die den Börsengang der Dortmunder begleitet hatte, über die zurückhaltende Informationspolitik des Vereins sehr verärgert sein. So sei es bei einem Unternehmen der Größe des BVB unüblich, dass die Verträge über die Gehälter der Geschäftsführung nicht auf den Tisch gelegt würden. Das erinnere eher an einen "Pferdemarkt" als an eine seriös geführte Firma, schreibt die Zeitung mit Verweis auf Kreise des Geldhauses, das sein BVB-Aktienpaket im Oktober an den Verleger Norman Rentrop abgestoßen hatte.

Veräußerung von Beteiligungen

Neben Spielerverkäufen müsse insbesondere über eine Veräußerung der Beteiligungen an anderen Geschäftsfeldern (Hotel, Reisebüro, Sportausrüster) nachgedacht werden. Die geplante Anleihe sei zu einem Zinssatz von acht Prozent dagegen akzeptabel.

Die derzeitige Aufregung über die Anleihe-Pläne hält Niebaum für übertrieben: "Zurzeit prüfen wir lediglich in unseren Gremien, ob und in welcher Höhe wir ein solches Angebot vom Investmenthaus Schechter & Co. annehmen. Mehr ist doch gar nicht passiert. Der Zweck solcher Anleihen ist die Finanzierung bestimmter Vorhaben, z. B. weiterer Investitionen in unser Stadion und in dessen Umfeld. Man sollte nicht vergessen, dass der BVB und auch Schalke Top-Stadien ohne jedes Steuergeld hingestellt haben."

dpa / DPA
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