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Meinung

Frauenfußball-WM 2019: Was die Fußballdamen viel besser machen als ihre männlichen Kollegen

Eines zeigt der Frauenfußball bei der WM in Frankreich wieder deutlich: Im Gegensatz zu den männlichen Kollegen wird weniger geschauspielert, provoziert oder theatralisch gejammert.

Jammern zählt nicht: Sara Däbritz wird im ersten Gruppenspiel von der Chinesin Peng Han abgeräumt

Jammern zählt nicht: Sara Däbritz wird im ersten Gruppenspiel von der Chinesin Peng Han abgeräumt

Getty Images

Antrainierte Reflexe von Fußballern sind manchmal ziemlich peinlich und grotesk. Das bewies unlängst der uruguayische Profi Luis Suárez. Im Spiel gegen Chile bei der Copa America forderte Suárez, einer der besten Stürmer der Welt, einen Handelfmeter, weil der gegnerische Torwart seinen Torschuss mit der Hand abgewehrt hatte – im Strafraum. Die Szene sorgte weltweit zurecht für Spott. Für einen kurzen Moment hatte das Gehirn von Suárez ausgesetzt, und er tat das, was er so oft tut, einfach weil er es gewohnt ist: Er fuchtelte mit den Armen herum und forderte einen Strafstoß ohne nachzudenken.

Diese Szene zeigt exemplarisch, was im Fußball so nervt: Spieler sind es gewohnt zu provozieren, zu reklamieren und zu schauspielern. Legendär sind die Endlos-Rolle und die Zappeleinlagen des Brasilianers Neymar bei der WM in Russland. Es sind zwar extreme Beispiele, die nicht alltäglich sind, und nicht alle männlichen Fußballer zeigen diese lächerliche Theatralik, aber sie ist weit verbreitet. In der Bundesliga genauso wie bei großen Turnieren.  

Fußballer sollten sich ein Beispiel an Fußballerinnen nehmen

Wenn man einen Blick auf die Frauenfußball-WM in Frankreich wirft, wird einem das besonders schmerzlich bewusst. Als die Chinesinnen sich im ersten Gruppenspiel gegen die überlegenden DFB-Frauen durch ruppige Fouls und miese Tritte wehrten, blieben die Spielerinnen von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg cool bis zur Schmerzgrenze und spielten einfach weiter. Sie blieben nur liegen, wenn es wirklich weh tat und beschwerten sich nur zurückhaltend bei der Schiedsrichterin. Und weil weniger reklamiert wird, ist sogar die Nettospielzeit länger, wie die "Süddeutsche Zeitung" feststellte.

Auch in den anderen Partien in Frankreich war das bislang meist der Fall. Auf übertriebene Schauspielerei wird verzichtet, auch wenn es ruppig zur Sache geht. Selbst der Grande Dame des internationalen Frauenfußballs, die Brasilianerin Marta, die gern mal ganz empört dreinschaut, liegt es fern, sich wie ihr Landsmann Neymar über das halbe Feld zu rollen, als wäre er gerade von einem Marschflugkörper getroffen worden. Auch das Mitgefühl für die Verlierer ist beeindruckend. Die Holländerin Shanice van de Sanden umarmte minutenlang die japanische Kapitänin Saki Kumagai, die durch einen Handelfmeter den Strafstoß verursacht hatte, der zum 2:1-Siegtreffer für die Niederländerinnen geführt hatte. Kumagai war in Tränen aufgelöst und van de Sanden heulte fast mit. Die Szene wurde in den sozialen Medien gefeiert. 

Frauen beweisen: Es geht auch anders

Selbstverständlich gibt es auch Fußballerinnen, die sich sich unangemessen verhalten. Selbstverständlich ist das Mitleid für den Unterlegenden auch bei den Frauen endlich. Ein peinliches Beispiel gaben die Kamerunerinnen im Spiel gegen England ab. Als sie mit der Entscheidung des Videoassistenten nicht einverstanden waren, weigerten sie sich kurz, das Spiel fortzusetzen. Das war kindisch. Aber in der Mehrheit hebt sich der Frauenfußball in Sachen Fairness wohltuend häufig vom Auftreten der Männer ab. Die Frauen beweisen: Es geht auch anders.

Toni Kross, ein junger Mann mit kurzen, blonden Haaren, steht im weißen Trikot auf dem Platz und lächelt

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