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Frust nach Pokal-Aus gegen BVB: Berlin-Trainer Dardai geht auf Reporter los

Das Pokal-Aus gegen den BVB nagte nach Abpfiff noch sichtlich an Berlin-Coach Pal Dardai. In einem TV-Reporter fand er dann ein dankbares Ventil für seine Wut. Vor allem über dessen angeblich respektlose Wortwahl regte Dardai sich auf.

Hertha-BSC-Berlin-Coach Pal Dardai im Interview mit Sky-Reporter Thomas Wagner

Pal Dardai im Interview mit Thomas Wagner: Der Coach von Hertha BSC Berlin reagierte nach dem Pokal-Aus gegen den BVB sehr ungehalten auf die Fragen des Sky-Reporters

Da war wohl jemand mächtig geladen. Pal Dardai, Coach von Hertha BSC Berlin, hatte wohl schon bessere Tage erlebt als den gestrigen im Berliner Olympia-Stadion. Mit 3:0 zerstörte Borussia Dortmund die Träume von einem heimischen Pokal-Finale. Wenn dann auch noch so ein dreister Reporter mit seinem respektlosen Fragen daherkommt - so zumindest sah es Dardai selbst -, dann kann man schon mal explodieren. Die Wut des Ungars bekam Thomas Wagner von Sky ab, der sich irgendwann gezwungen sah, das Interview abzubrechen.

Dardai ging es hauptsächlich um Begriffe, die er unangebracht fand. So störte er sich direkt an der Einstiegsfrage Wagners, die eigentlich harmlos lautete: "Pal Dardai, dieses Spiel hatte so viele Hoffnungen geweckt in ganz Berlin und auch bei Ihnen persönlich. Warum ist es heute schiefgegangen?" Das Wort Hoffnung sei "ein schlechtes Wort", fand Dardai. "Wir haben hier eine Chance gehabt heute hier, aber keine Hoffnung", ergänzte er im sichtlich genervten Ton.

Dardai will sich von Reporter "belehren lassen"

Dass das Interview Topfschlagen im Minenfeld werden würde, wusste Wagner dann spätestens nach seiner nächsten Frage: "Dennoch, Sie sind reingegangen sicherlich gegen diese starke Dortmunder Mannschaft, erstmal geordnet zu stehen. Uns hat so ein bisschen der Mut zu Beginn gefehlt." "Welchen Mut meinen Sie?", unterbrach ihn Dardai. Wagner: "Den Mut, auch nach vorne zu spielen, Akzente zu setzen als Heimmannschaft vor dieser Kulisse." Da hatte Wagner endgültig verloren. Der Reporter solle ihm doch mal erklären, wie er das machen soll, redete sich der Coach langsam aber sicher in Rage. Und Wagner begab sich auf das journalistische Glatteis, dem Trainer seinen Job erklären zu wollen: "Wenn man Zweikämpfe gewinnt, wenn man ein bisschen höher steht, wenn man Freistöße bekommt, dann geht vielleicht mal einer rein." 

Ob er Freistöße gesehen habe oder, dass man den Ball erkämpft habe, wollte Dardai wissen. Man sei nur hinterher gelaufen und "nicht mal zum Zweikampf gekommen". "Sie können mir alles erzählen, aber wenn ich die erste Halbzeit nach vorne gehe, dann sehe ich so aus wie Liverpool, 0:2. Was soll ich machen, 0:6? Also, sorry! Es gibt ein Limit. (...) Sorry, es gibt ein Limit. Wir geben alles, aber wir müssen nicht alles kaputtreden."

Pal Dardai: "Geben Sie uns eine bessere Lösung"

Ein immer wütend werdender Dardai lud dann Wagner, der kaum noch seine Fragen in die Atempausen der Wutrede schieben konnte, zu sich ein: "Wenn Sie eine bessere Idee haben, nehme ich gerne Unterricht von Ihnen. Kommen Sie zu uns zur Hertha, sehen Sie unsere Werte an, geben Sie uns eine bessere Lösung. Zweite Halbzeit war eine bessere Lösung. Wie viele Torchancen hatte Dortmund in der zweiten Halbzeit? Also, ein bisschen mehr Respekt." Spätestens hier wurde es dann nur noch schnippisch. Wagner setzte zur Verteidigung an, Dardai unterbrach und zischte auf Wagners "Jetzt darf ich doch auch mal kurz reden": "Nein, dürfen Sie nicht. Ich rede. Sie haben meine Mannschaft rund geredet. Das war zu defensiv, nicht mutig genug. Sorry, solche Fragen brauche ich nicht."

Wagner konnte nichts mehr richtig machen. Auf erneute Nachfrage, was denn nun schief gelaufen sei, erntete er nur ein: "Habe ich gerade erklärt. Haben Sie nicht zugehört?" Das sei alles "nicht in Ordnung", was der Reporter hier mache. "Ich verstehe Sie nicht mehr langsam." Als Wagner dann noch von den Spielern als "Material" sprach, reichte es Dardai endgültig. Das sei eine respektlose Formulierung, bemerkte er nicht ganz zu Unrecht. Nach einem erneuten Verbalscharmützel sah dann auch Wagner ein, dass er dieses Gespräch nicht mehr würde retten können: "Ich habe nie den Respekt vor Ihrer Mannschaft verloren, aber vielleicht beenden wir es dann hier."

fin

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