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Hoffenheimer Doping-Affäre: Rangnick sorgt für Kopfschütteln

Gegenwind für Ralf Rangnick: Die Manager von Stuttgart und Werder, Heldt und Allofs, aber auch andere Vertreter der Bundesliga haben die Aussagen von Hoffenheims Trainer zur Praxis bei Dopingkontrollen scharf zurückgewiesen. Unverständnis macht sich breit.

Vertreter aus der Fußball-Bundesliga haben die Aussagen von Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick zur Praxis bei Dopingkontrollen zurückgewiesen. "Uns sind die Regeln bekannt und wir achten penibel darauf, dass sie eingehalten werden", sagte Peter Peters, Geschäftsführer des FC Schalke.04, am Dienstag. "Wir halten die Regularien strikt ein", erklärte Sportdirektor Horst Heldt vom VfB Stuttgart. Er könne "nicht nachvollziehen", was bei dem badischen Konkurrenten nach der Partie bei Borussia Mönchengladbach (1:1) am 7. Februar passiert sei. "Verzögerungszeiten bei Dopingkontrollen sind bei uns nicht üblich", so Werder Bremens Sportdirektor Klaus Allofs.

"Der Kampf gegen Doping ist wichtig. Die Bestimmungen sind nun einmal dafür da, um eingehalten zu werden", erklärte Sport-Vorstand Thomas Ernst vom VfL Bochum. Die "Süddeutsche Zeitung" dagegen zitierte am Dienstag einen namentlich nicht genannten Bundesliga-Trainer mit den Worten: "Es hätte jedem von uns passieren können, nun hat es Hoffenheim erwischt." Nach dem Spiel in Mönchengladbach waren der österreichische Nationalspieler Andreas Ibertsberger und sein Teamkollege Christoph Janker zehn Minuten zu spät zur Dopingkontrolle erschienen.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat beide Profis und Trainer Rangnick zu schriftlichen Stellungnahmen aufgefordert. Rangnick hatte erklärt, es sei auch bei anderen Clubs üblich, dass sich die Spieler erst in der Kabine umziehen könnten, statt wie vorgeschrieben direkt nach dem Abpfiff zur Dopingkontrolle zu gehen.

Die Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) schreiben vor, dass die Kontrollen unmittelbar nach Spielende stattfinden müssen. Theoretisch kann der Urin in kurzer Zeit durch Medikamente verschleiert oder durch Fremdurin ausgetauscht werden. Ibertsberger und Janker droht eine einjährige Sperre wie den italienischen Profis Daniele Mannini und Davide Possanzini vom SSC Neapel. Ende Januar waren sie vom Internationalen Sportgerichtshof CAS in einem Schiedsgerichtsverfahren unter Dirk-Reiner Martens verurteilt worden.

Der CAS-Richter sagte am Dienstag in der Tageszeitung "Die Welt": "Wenn ein Athlet nicht gleich zur Dopingkontrolle geht, dann hat er die Möglichkeit zu manipulieren. Dazu braucht man keine zehn Minuten, um so etwas fertig zu bringen." Das Prinzip der Dopingkontrollen könne man nicht infrage stellen, sagte er. "Das wäre ungeheuerlich." Man unterstelle den Spielern nicht, dass sie gedopt haben, so Martens, "wer jedoch nicht pünktlich erscheint, begeht einen Dopingverstoß."

Und so macht der deutsche Richter am CAS den Hoffenheimer Profis Ibertsberger und Janker denn auch wenig Hoffnung auf einen Freispruch in der Dopingtest-Affäre: "Mir sind keine Umstände bekannt, die auf ein Fehlen des Verschuldens hinweisen", sagte der Jurist am Dienstag. Der Bundesligist 1899 Hoffenheim setzt dagegen auf eine Neuregelung des Codes der Welt-Anti- Doping-Agentur (WADA), wonach die vorgesehene Sperre von zwei Jahren unter gewissen Bedingungen gestrichen werden kann.

"Wir kennen das Regelwerk. Unmittelbar nach Spielende werden die Spieler zur Dopingkontrolle geleitet", sagte Sprecher Jörn Wolf vom Tabellenführer Hamburger SV. Bielefelds Trainer Michael Frontzeck macht deutlich: "Bei uns ist das in der Art noch nicht vorgekommen und die Spieler gehen direkt zur Dopingprobe."

DPA/kbe

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